Ölpreise steigen durch Nahost-Spannungen – DAX vor freundlichem Handelsstart
Brent und WTI legen deutlich zu, IG erwartet den DAX 0,4 Prozent fester – die Berichtssaison liefert gemischte Impulse.

Die globalen Finanzmärkte stehen am Mittwoch im Zeichen widersprüchlicher Signale: Während die Ölpreise aufgrund eskalierender geopolitischer Spannungen im Nahen Osten deutlich anziehen, blicken Anleger am deutschen Aktienmarkt optimistisch auf positive Vorgaben aus den USA und Asien. Der deutsche Leitindex DAX wird nach Berechnungen des Brokers IG mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 25.409 Punkten erwartet.
Am Vortag hatte der Index seine Verluste fast vollständig aufgeholt, nachdem Gerüchte über einen möglichen Kompromiss im Nahost-Konflikt kurzzeitig für Entspannung gesorgt hatten. Für Rückenwind sorgt auch die Wall Street: Der Dow Jones legte um ein Prozent zu, während der technologielastige Nasdaq 100 leicht nachgab.
Anleger schichten derzeit Kapital aus dem KI-Sektor in stabilere Bereiche wie das Gesundheitswesen um, das im S&P 500 ein Rekordhoch erreichte. Die asiatischen Märkte reagierten überwiegend positiv auf die US-Bilanzsaison, wobei der Nikkei-Index in Tokio um 1,2 Prozent zulegte, während die Börse in Schanghai leicht nachgab.
Die Details
Am Rohölmarkt schlagen die geopolitischen Risiken unmittelbar durch. Brent-Rohöl verteuerte sich um 1,22 Prozent auf 110,13 US-Dollar pro Barrel, US-Leichtöl (WTI) stieg um 1,11 Prozent auf 98,92 US-Dollar. Auslöser sind Berichte der iranischen Revolutionsgarden (IRGC), wonach durch den Einsatz von Seeminen zwei Öltanker in der Straße von Hormus in Brand gesetzt wurden, da diese „nicht autorisierte“ Routen genutzt hätten.
Parallel dazu bekannten sich jemenitische Houthi-Rebellen zu Angriffen auf Anlagen des saudischen Konzerns Aramco in Yanbu und Shaybah sowie auf Flughäfen in Riad und Abha. Damit geraten gleich mehrere Standorte der Energieinfrastruktur in der Region in den Blickpunkt der Märkte.
Die geopolitische Lage schlägt sich auch in den Transportkosten nieder. Laut Goldman Sachs haben sich die globalen Rohöl-Frachtraten auf über 20 US-Dollar pro Barrel mehr als versechsfacht. Die Bank warnt, dass diese Kosten die Gewinnmargen asiatischer Raffinerien belasten und letztlich die Preise für Kraftstoffe weltweit in die Höhe treiben könnten.
Die laufende Berichtssaison liefert derweil gemischte Impulse. Netflix verzeichnete das schwächste Umsatzwachstum seit drei Jahren, während SpaceX einen Milliardengewinn von 4,4 Milliarden Dollar auswies. Elon Musk bestätigte zudem, dass Tesla und SpaceX die Prüfung eines möglichen Zusammenschlusses eingeleitet haben.
Der Sportartikelhersteller Adidas hob seine Prognose für das Betriebsergebnis 2026 auf 2,5 Milliarden Euro an, unterstützt durch Zollrückerstattungen. Die Deutsche Börse erhöhte dank gestiegener Zinsen und guter Geschäfte ihre Prognose für das Treasury-Ergebnis und die Nettoerlöse. Die französische Supermarktkette Carrefour senkte dagegen ihre Jahresprognose aufgrund von Unruhen in Frankreich, die das Verbrauchervertrauen belasten. Bei den Immobilienwerten hat Grand City Properties seine Beteiligung an LEG Immobilien auf 20,04 Prozent aufgestockt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Turbulenzen am Ölmarkt sind kein Einzelereignis. Bereits am 12.03.2026 berichtete aktien.news, dass neue Angriffe auf Öltanker im nördlichen Persischen Golf nahe der Straße von Hormus die US-Aktienfutures deutlich unter Druck setzten. Damals verloren die S&P-500-Futures 0,9 Prozent auf 6.721,75 Punkte, die Nasdaq-100-Futures sanken ebenfalls um 0,9 Prozent auf 24.760,75 Punkte, und die Dow-Jones-Futures gaben um 1,0 Prozent auf 46.964,0 Punkte nach.
Am 23.04.2026 meldete aktien.news, dass die europäischen Aktienmärkte vor einem schwachen Start standen, während die Ölpreise spürbar anzogen. Laut Daten von IG wurde der DAX vor einem Minus von 1,3 Prozent erwartet, der britische FTSE 100 rund 0,7 Prozent tiefer, der französische CAC 40 0,77 Prozent schwächer und der italienische FTSE MIB rund 0,9 Prozent im Minus. Brent Crude legte damals um knapp 1,3 Prozent auf 103,19 US-Dollar pro Barrel zu. Auslöser waren Medienberichte, wonach die USA mindestens drei iranische Öltanker in asiatischen Gewässern abgefangen haben.
Am 13.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Ölpreise nach gegenseitigen Angriffen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten im Persischen Golf um fast vier Prozent stiegen. Teheran behauptete damals, die Straße von Hormus geschlossen zu haben, während US-Präsident Donald Trump betonte, die Meerenge sei für den Handelsverkehr offen. US-Beamte erklärten, in den vergangenen 24 Stunden seien 20 Schiffe durch die Wasserstraße eskortiert worden; die UKMTO berichtete, dass sich die Durchfahrten bereits bis Freitag auf 10 verlangsamt hatten.
Am 14.07.2026 dokumentierte aktien.news, wie Geopolitik und Inflation die Märkte vor der Q2-Berichtssaison belasteten. Der S&P 500 eröffnete 27,9 Punkte oder 0,37 Prozent tiefer bei 7.547,53 Punkten, der technologielastige Nasdaq Composite verlor 193,3 Punkte oder 0,74 Prozent auf 26.088,31 Punkte. Einzig der Dow Jones Industrial Average zeigte sich widerstandsfähig und legte um 39,5 Punkte oder 0,08 Prozent auf 52.676,53 Punkte zu – ein Zeichen für eine Rotation.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger bleibt die Nachrichtenlage zweigeteilt. Auf der einen Seite stützt die positive Vorgabe aus den USA und Asien die Erwartung eines freundlichen DAX-Starts, auf der anderen Seite bleiben die Energiepreise ein Unsicherheitsfaktor, der über die Kraftstoffkosten auch auf die Inflation und damit auf die Zinserwartungen wirken kann.
Die von Goldman Sachs beschriebenen Frachtraten sind dabei ein besonders sensibler Punkt. Steigen die Transportkosten für Rohöl deutlich, wirkt das zunächst auf die Margen asiatischer Raffinerien – und damit auf Produkte, die auch europäische Verbraucher an der Tankstelle und in der Industrie zu spüren bekommen. Anleger mit Engagements in Energie-, Raffinerie- oder Transportwerten sollten diese Kostenkomponente im Blick behalten.
Die Umschichtung aus dem KI-Sektor in das Gesundheitswesen zeigt zudem, dass sich die Führungsrolle innerhalb der US-Indizes derzeit verschiebt. Wer stark auf Technologiewerte setzt, sollte diese Rotation beachten. Die gemischten Unternehmensnachrichten – von der gesenkten Carrefour-Prognose bis zur angehobenen Adidas-Prognose – unterstreichen, dass die Berichtssaison differenziert zu bewerten ist. Diese Einordnung ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Für den weiteren Handelsverlauf richtet sich der Blick zunächst auf die Eröffnung des DAX, den IG bei 25.409 Punkten und damit 0,4 Prozent fester erwartet. In den USA dürfte die Frage im Vordergrund stehen, ob die Verschiebung aus dem KI-Sektor in andere Bereiche anhält.
Im Fokus bleibt die Berichtssaison: Adidas hat seine Prognose für das Betriebsergebnis 2026 auf 2,5 Milliarden Euro angehoben, die Deutsche Börse hat ihre Prognosen für das Treasury-Ergebnis und die Nettoerlöse erhöht, Carrefour hat seine Jahresprognose gesenkt. Bei Tesla und SpaceX läuft nach den Worten von Elon Musk die Prüfung eines möglichen Zusammenschlusses.
Am Rohölmarkt bleibt die Straße von Hormus der entscheidende Faktor. Die IRGC berichteten von in Brand gesetzten Tankern, die Houthi-Rebellen bekannten sich zu Angriffen auf Aramco-Anlagen in Yanbu und Shaybah sowie auf Flughäfen in Riad und Abha. Weitere Meldungen aus der Region dürften den Handel an den Rohstoffmärkten bestimmen.
Kurz erklärt
- Barrel: Barrel ist die international gebräuchliche Mengeneinheit für Rohöl.
- Straße von Hormus: Diese Meerenge zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Ölhandel.
- Leitindex: Ein Aktienindex, der die Entwicklung eines gesamten Aktienmarktes repräsentativ abbildet.
