Ölpreise: Rekord-Hedging wegen Iran-Risiko und Venezuela-Exporten
Investoren sicherten im Januar Ölpreise in Rekordhöhe ab – Iran-Spannungen und venezolanische Lieferungen treiben Volatilität.

Investoren haben im Januar so viele Ölkontrakte zur Preissicherung gehandelt wie noch nie zuvor. Auslöser waren geopolitische Risiken im Iran und die Rückkehr venezolanischer Rohöllieferungen an die US-Golfküste. Allein bei den WTI Midland at Houston Kontrakten, einem wichtigen Referenzpreis für US-Exportöl, wurden nach Angaben der Intercontinental Exchange (ICE) 1,9 Millionen Kontrakte gehandelt.
Am 30. Januar 2025 stellten Händler einen Tagesrekord auf: 257.569 Kontrakte wechselten an einem einzigen Tag den Besitzer. Zu diesem Zeitpunkt bewegten sich die US-Rohöl-Futures nahe einem Sechsmonatshoch von rund 65 Dollar pro Barrel – ein Plus von etwa 14 Prozent seit Jahresbeginn. Die Spannungen zwischen Washington und Teheran hatten die Risikoprämien am Ölmarkt deutlich erhöht.
"Die geopolitischen Spannungen im Iran haben die Risikoprämien auf dem Ölmarkt beeinflusst, während strenges Winterwetter in den USA die Produktions- und Raffineriedynamik beeinträchtigte", erklärte Jeff Barbuto, Senior Vice President für globale Ölmärkte bei der ICE. Analysten schätzten, dass der Wintersturm Ende Januar zum Ausfall von bis zu 2 Millionen Barrel pro Tag der Rohölproduktion führte.
Kanadisches Öl unter Druck
Besonders interessant entwickelte sich der Handel mit kanadischem Rohöl. Bei den ICE Houston Western Canadian Select Futures handelten Investoren eine Rekordzahl von 188.000 Kontrakten. Der Grund: Die Rückkehr venezolanischen Rohöls auf den US-Markt schafft neue Konkurrenz für kanadische Lieferungen.
Am 6. Januar verzeichnete der WCS-Referenzpreis einen Tagesvolumenrekord von 19.965 Lots. An diesem Tag hatten Caracas und Washington eine Einigung über den Export von venezolanischem Rohöl im Wert von bis zu 2 Milliarden Dollar in die USA erzielt. Diese südamerikanischen Barrel könnten kanadische Lieferungen an der Golfküste verdrängen und auch in anderen Exportmärkten wie China für zusätzlichen Wettbewerb sorgen.
Hedging-Strategien ermöglichen es Produzenten, ihre Produktion vor starken Marktbewegungen zu schützen, indem sie einen festen Preis für ihr Öl vereinbaren. Für Händler bieten sie zudem die Möglichkeit, in Zeiten erhöhter Volatilität Gewinne zu erzielen. Die Rekordvolumen im Januar zeigen, wie nervös der Markt angesichts der aktuellen Gemengelage reagiert.
