Ölpreis fällt zweite Woche: Iran-Entspannung und IEA-Prognose belasten
Brent und WTI verlieren erneut an Wert, während diplomatische Signale aus Washington die Risikoprämie reduzieren.

Die Ölpreise steuern auf den zweiten Wochenrückgang in Folge zu. Brent-Rohöl fiel am Freitag um 0,1 Prozent auf 67,46 Dollar pro Barrel, während die US-Sorte WTI um 0,2 Prozent auf 62,72 Dollar nachgab. Für die gesamte Woche zeichnet sich bei Brent ein Minus von 0,8 Prozent ab, WTI dürfte 1,1 Prozent verlieren.
Die Preise hatten zu Wochenbeginn noch zugelegt, als Sorgen über einen möglichen US-Militärschlag gegen den Iran wegen dessen Atomprogramms aufkamen. Doch Äußerungen von US-Präsident Donald Trump am Donnerstag ließen die Märkte wieder abkühlen. Trump erklärte, die USA könnten im nächsten Monat ein Abkommen mit dem Iran erzielen. Diese Aussicht auf eine diplomatische Lösung drückte die Notierungen deutlich.
"Die Ölpreise notieren niedriger angesichts von Anzeichen, dass die USA mehr Zeit für ein Atomabkommen mit dem Iran anstreben, was die kurzfristige geopolitische Risikoprämie verringert", analysiert Tony Sycamore von IG. Die nachlassende Kriegsgefahr im Nahen Osten nimmt dem Markt einen wichtigen Preistreiber.
IEA senkt Nachfrageprognose
Zusätzlichen Druck erzeugte die Internationale Energieagentur (IEA) mit ihrem Monatsbericht am Donnerstag. Die Organisation prognostiziert ein schwächeres Wachstum der weltweilen Ölnachfrage für 2026 als bisher angenommen. Zudem dürfte das Gesamtangebot die Nachfrage übersteigen – ein klassisches Überangebotsszenario, das die Preise belastet.
"Die Tatsache, dass die Preise angesichts der bärischen Schlagzeilen nicht deutlich weiter nachgegeben haben, ist bemerkenswert und deutet darauf hin, dass sich die Abwärtsdynamik kurzfristig verlangsamt", kommentiert Linh Tran, Marktanalystin bei XS.com. Der Markt scheint einen Boden zu suchen.
Venezuela als zusätzlicher Angebotsfaktor
Verstärkt wurde der Abwärtstrend durch Daten zu massiven Lageraufbauten in den USA sowie Erwartungen steigender Lieferungen aus Venezuela. Die Produktion des südamerikanischen Landes soll von derzeit 880.000 Barrel pro Tag auf etwa 1,2 Millionen Barrel steigen, sobald die US-Sanktionen weiter gelockert werden.
Das US-Finanzministerium will in dieser Woche weitere Genehmigungen zur Lockerung der Sanktionen gegen den venezolanischen Energiesektor erteilen, wie ein Energiebeamter des Weißen Hauses mitteilte. US-Energieminister Chris Wright bezifferte die von den USA kontrollierten Ölverkäufe aus Venezuela seit der Festnahme von Präsident Nicolas Maduro im Januar auf über eine Milliarde Dollar. In den kommenden Monaten sollen weitere fünf Milliarden Dollar folgen.
Die Kombination aus nachlassenden geopolitischen Spannungen, schwächerer Nachfrageprognose und steigendem Angebot aus Venezuela dürfte den Ölmarkt kurzfristig weiter unter Druck halten. Analysten beobachten nun genau, ob die Preise auf dem aktuellen Niveau Unterstützung finden oder weiter nachgeben.
