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Ölmarkt: Star-Stratege Jeff Currie sieht Wendepunkt vor Midterm-Wahlen

Der ehemalige Goldman- und Carlyle-Stratege Jeff Currie rät nach der starken Rohöl-Rallye kurzfristig zu Gewinnmitnahmen.

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Ölmarkt: Star-Stratege Jeff Currie sieht Wendepunkt vor Midterm-Wahlen

Jeff Currie, ehemaliger Stratege bei Goldman Sachs und beim Finanzinvestor Carlyle, zählt zu den bekanntesten Stimmen im Rohstoffmarkt. Seit der Pandemie vertritt er eine optimistische Haltung gegenüber Rohstoffen – eine Überzeugung, die er in diesem Jahr noch verstärkt hat, als die iranische Krise ausbrach. Jetzt aber wendet er sich mit einer klaren Botschaft an Anleger: Es sei an der Zeit, Gewinne aus dem Öl-Handel kurzfristig zu realisieren.

Der Hinweis fällt auf einen besonderen Zeitpunkt. Er erreicht die Märkte am Vorabend der Midterm-Wahlen in den USA, einem Termin, dem Anleger traditionell erhöhte Aufmerksamkeit widmen. Currie, der die Rallye am Rohölmarkt in diesem Jahr eng begleitet hat, sieht dennoch Anlass, einen Teil der erzielten Gewinne zu sichern.

Zwei Gründe sprechen für kurzfristige Gewinnmitnahmen

Für seinen Rat nennt der Stratege zwei Gründe. Erstens ist der Preis stark und schnell gestiegen – ein Tempo, das nach Einschätzung von Currie kurzfristig Risiken birgt. Zweitens wäre eine Eskalation im Streit um die Straße von Hormus für beide Seiten gegenseitig zerstörerisch, weshalb er das Risiko einer weiteren Zuspitzung als begrenzt einschätzt.

Diese Argumentation ist bemerkenswert, weil sie von einem ausgewiesenen Bullen kommt. Currie hat den Rohstoffsektor seit der Pandemie durchgehend positiv beurteilt und diese Haltung während der iranischen Krise noch ausgeweitet. Sein aktueller Hinweis ist damit keine grundsätzliche Abkehr von seiner optimistischen Linie, sondern eine taktische Empfehlung: Wer in diesem Jahr vom Anstieg des Rohöls profitiert hat, könnte einen Teil der Gewinne kurzfristig mitnehmen.

Für deutsche Privatanleger ist die Einordnung wichtig. Wer über Rohstoff-ETFs, Öl-Aktien oder entsprechende Fonds am Ölmarkt engagiert ist, sollte zwischen der langfristigen Einschätzung eines Marktbeobachters und dem kurzfristigen Timing unterscheiden. Currie selbst trennt genau hier: Seine grundsätzlich positive Haltung zu Rohstoffen bleibt bestehen, doch nach dem starken und schnellen Preisanstieg hält er eine Verschnaufpause für angebracht.

Der Hormus-Streit begrenzt das Eskalationsrisiko

Der zweite Grund verweist auf die geopolitische Lage. Die Straße von Hormus gilt als eine der zentralen Transportrouten für Rohöl, weshalb Konflikte in dieser Region die Ölpreise unmittelbar bewegen können. Currie argumentiert jedoch, dass eine Eskalation des Streits für beide Seiten gegenseitig zerstörerisch wäre – ein Umstand, der aus seiner Sicht die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zuspitzung begrenzt.

Genau darin liegt die Logik seiner Empfehlung. Solange eine Eskalation als unwahrscheinlich gilt, fehlt dem Ölpreis der zusätzliche Schub, den eine Zuspitzung auslösen könnte. Gleichzeitig hat der Markt bereits einen großen Teil der Rallye hinter sich. Beide Faktoren zusammen sprechen aus Curries Sicht dafür, die Gewinne nicht vollständig laufen zu lassen, sondern kurzfristig zu realisieren.

Ob sich diese Einschätzung bestätigt, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung im Hormus-Streitfall ab. Anleger, die Curries Argumentation folgen, könnten ihre Positionen überprüfen und Gewinne sichern, ohne ihre grundsätzliche Rohstoff-Ausrichtung aufzugeben. Wer dagegen auf eine Fortsetzung der Rallye setzt, muss das Risiko eines schnellen Rücksetzers einkalkulieren.

Der Fall zeigt, wie stark die Ölpreise derzeit von geopolitischen Nachrichten getrieben werden. Ein einzelner Konflikt in einer zentralen Transportregion kann die Kurse binnen kurzer Zeit deutlich bewegen. Umso wichtiger ist es für Anleger, sowohl die fundamentale als auch die politische Lage im Blick zu behalten – und die eigene Risikoposition entsprechend anzupassen.

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