Nscale unter Druck: Geplatzter Microsoft-Deal und Skepsis bei IPO-Bewertung
Microsoft beendet Rechenzentrums-Zusammenarbeit in Essex, Norwegen-Projekt verzögert sich, Investoren zweifeln an 30-Milliarden-Bewertung.

Das britische Neocloud-Unternehmen Nscale gerät in einer kritischen Phase seines geplanten Börsengangs unter Druck. Wie Bloomberg berichtet, hat Microsoft eine geplante Zusammenarbeit für ein Rechenzentrum in Loughton, Essex, überraschend beendet. Ein konkreter Grund für den Rückzug des US-Technologieriesen wurde nicht genannt.
Gleichzeitig kämpft das von Nvidia unterstützte Unternehmen mit erheblichen Verzögerungen bei seinen Infrastrukturprojekten. Diese operativen Rückschläge fallen mit einem wachsenden Widerstand von Investoren gegen die angestrebte IPO-Bewertung zusammen.
Die Nachricht trifft Nscale zu einem heiklen Zeitpunkt. Das Unternehmen strebt einen Börsengang an, sieht sich aber mit einer deutlich zurückhaltenderen Stimmung im Markt für KI-Infrastruktur konfrontiert.
Die Details
Microsoft beendete die geplante Zusammenarbeit für ein Rechenzentrum in Loughton, Essex. Das Projekt in Großbritannien kämpfte bereits seit Längerem mit Verzögerungen, die primär auf Engpässe bei der Stromversorgung zurückzuführen sind. Einen konkreten Grund für den Rückzug des US-Technologieriesen nannte das Unternehmen nicht.
Auch das Flaggschiff-Projekt von Nscale in Norwegen liegt derzeit sechs Monate hinter dem Zeitplan zurück. Von der geplanten Kapazität von 30 Megawatt sind bislang lediglich 6,4 Megawatt in Betrieb. Damit bleibt der Ausbau der Rechenleistung deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück.
Parallel zu den operativen Schwierigkeiten sieht sich Nscale mit massivem Widerstand von Investoren hinsichtlich seiner angestrebten IPO-Bewertung konfrontiert. Während das Unternehmen laut informierten Kreisen eine Bewertung von rund 30 Milliarden US-Dollar anstrebt, halten potenzielle Investoren dies angesichts der aktuellen Marktstimmung für zu ambitioniert. Eine Gruppe von Geldgebern plädiert stattdessen für eine Bewertung im Bereich von 16 bis 19 Milliarden US-Dollar.
Diese Zurückhaltung ist auch auf ein schwierigeres Marktumfeld für Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz zurückzuführen. Verdeutlicht wurde dies unter anderem durch das Scheitern der IPO-Pläne des australischen Anbieters Firmus.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 09.03.2026 berichtete aktien.news, dass Nscale eine Finanzierungsrunde der Serie C abgeschlossen hat und dabei mit 14,6 Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Angeführt wurde die Runde vom norwegischen Industriekonzern Aker und 8090 Industries. Zu den weiteren namhaften Investoren zählen Nvidia, Citadel, Dell und der Finanzdienstleister Jane Street. Das erst 2024 gegründete Unternehmen besitzt und betreibt eigene Rechenzentren, Grafikprozessoren (GPUs) sowie Software-Stacks, um groß angelegte KI-Rechenleistung bereitzustellen. Zu den Kunden gehörten bereits Schwergewichte wie Microsoft und OpenAI.
Am 19.09.2026 meldete aktien.news, dass Nscale offiziell den Börsengang an der New York Stock Exchange (NYSE) eingeleitet hat. Das erst 2024 aus der Bitcoin-Mining-Gruppe Arkon Energy hervorgegangene Unternehmen strebte eine Bewertung von bis zu 35 Milliarden US-Dollar an. Trotz eines Nettoverlusts von einer Milliarde US-Dollar hielt das Unternehmen an seinen Börsenplänen fest.
Ebenfalls am 19.09.2026 berichtete aktien.news über beeindruckende Umsatzzahlen von Nscale. Das Unternehmen verzeichnete in den sechs Monaten bis zum 30. Juni einen Umsatzsprung von 1.252 Prozent auf 140,6 Millionen US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte Nscale lediglich 10,4 Millionen US-Dollar umgesetzt. Allerdings fiel der Nettoverlust im Berichtszeitraum mit 1,02 Milliarden US-Dollar deutlich höher aus als die 368,9 Millionen US-Dollar im Vorjahr.
Am 21.09.2026 berichtete aktien.news, dass Nscale bei der US-Börsenaufsicht SEC die Registrierung für einen Börsengang in New York eingereicht hat. Das Unternehmen strebte dabei eine Bewertung von rund 30 Milliarden Dollar an und reichte am späten Freitag seine S-1-Registrierung ein. Geplant war die Aufnahme von bis zu drei Milliarden Dollar. Nscale tritt damit gegen etablierte Konkurrenten wie CoreWeave (CRWV) und Nebius (NBIS) an.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Fall Nscale, wie eng operative Ausführung und Kapitalmarktbewertung bei KI-Infrastrukturunternehmen zusammenhängen. Die Verzögerungen beim norwegischen Flaggschiff-Projekt und der geplatzte Microsoft-Deal in Essex sind konkrete Hinweise darauf, dass der Ausbau der Rechenkapazitäten nicht im geplanten Tempo gelingt.
Die Diskrepanz zwischen der angestrebten Bewertung von rund 30 Milliarden US-Dollar und der von Investoren genannten Spanne von 16 bis 19 Milliarden US-Dollar verdeutlicht die bestehende Unsicherheit. Investoren bewerten das Risiko offenbar höher als das Unternehmen selbst.
Hinzu kommt das schwierigere Marktumfeld für KI-Unternehmen. Das Scheitern der IPO-Pläne des australischen Anbieters Firmus zeigt, dass die Bereitschaft der Kapitalmärkte, ambitionierte Bewertungen zu akzeptieren, nachgelassen hat. Anleger sollten die weitere Entwicklung daher aufmerksam verfolgen.
Ausblick
Nscale strebt weiterhin einen Börsengang an. Offen ist, auf welche Bewertung sich das Unternehmen und die Investoren einigen werden. Ebenso unklar bleibt, ob und wann die Verzögerungen beim norwegischen Flaggschiff-Projekt aufgeholt werden können und ob Microsoft seine Zusammenarbeit wieder aufnimmt. Konkrete neue Termine oder Zusagen nennt die Quelle nicht.
Kurz erklärt
- Neocloud: Bezeichnung für junge Cloud-Anbieter, die sich auf groß angelegte KI-Rechenleistung spezialisiert haben.
- IPO: Der erstmalige Börsengang eines Unternehmens, bei dem Aktien an einer Börse ausgegeben werden.
- Megawatt: Maßeinheit für Leistung, die bei Rechenzentren die verfügbare Strom- und Rechenkapazität beschreibt.
