NSA setzt Anthropics KI-Modell Mythos trotz Blacklist ein
Der US-Geheimdienst nutzt laut Axios das leistungsstarke KI-Modell Mythos Preview – obwohl es auf einer Sperrliste steht.

Die US-amerikanische National Security Agency (NSA) setzt das KI-Modell Mythos Preview des Unternehmens Anthropic offenbar in größerem Umfang ein – und das trotz einer bestehenden Blacklist. Das berichtete das US-Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf Insider. Reuters konnte den Bericht zunächst nicht unabhängig verifizieren.
Anthropic, die NSA sowie das US-Verteidigungsministerium reagierten außerhalb der regulären Geschäftszeiten zunächst nicht auf Anfragen für eine Stellungnahme. Die NSA ist als Teil des Verteidigungsministeriums in die übergeordnete Behördenstruktur eingebettet.
Streit zwischen Pentagon und Anthropic als Hintergrund
Der Einsatz des Modells erfolgt vor dem Hintergrund eines schwelenden Konflikts: In der vergangenen Woche erörterten die Regierung von US-Präsident Donald Trump und der CEO von Anthropic erstmals seit einem Streit zu Beginn dieses Jahres eine mögliche Zusammenarbeit. Der Disput zwischen dem Pentagon und dem KI-Unternehmen hatte sich genau um die Verwendung der Modelle von Anthropic gedreht – und macht den nun gemeldeten Einsatz durch die NSA umso brisanter.
Die Gespräche über eine Zusammenarbeit fanden dabei nicht im luftleeren Raum statt. Sie wurden von wachsenden Sicherheitsbedenken begleitet: Experten warnen, dass das neueste Modell Mythos des KI-Startups Cyberangriffe massiv verstärken könnte.
Mythos gilt als besonders leistungsfähig – und gefährlich
Anthropic selbst hatte das Modell Mythos Preview zuvor als das bisher „leistungsfähigste für Programmier- und agentische Aufgaben" bezeichnet. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Fähigkeit des Modells, autonom zu agieren – also ohne direkte menschliche Steuerung Aufgaben selbstständig zu erledigen.
Genau diese Fähigkeiten machen das Modell aus Sicht von Experten zu einem potenziell zweischneidigen Werkzeug. Seine Kapazitäten im Bereich Programmierung auf hohem Niveau verliehen ihm eine potenziell beispiellose Fähigkeit, Cybersicherheitslücken zu identifizieren und Wege zu deren Ausnutzung zu entwickeln, so Fachleute.
Für deutsche Beobachter ist der Vorgang aus mehreren Gründen relevant. Zum einen zeigt er, wie intensiv westliche Geheimdienste bereits KI-Modelle der neuesten Generation in ihre Arbeit integrieren. Zum anderen verdeutlicht er das grundlegende Dilemma moderner KI-Entwicklung: Dieselben Fähigkeiten, die ein Modell für legitime Zwecke wertvoll machen, können es gleichzeitig zu einem gefährlichen Werkzeug in den falschen Händen werden lassen.
Der Fall Mythos steht exemplarisch für die wachsende Spannung zwischen dem strategischen Interesse von Regierungen, modernste KI-Technologie einzusetzen, und den Sicherheitsrisiken, die mit besonders leistungsfähigen Modellen einhergehen. Wie die USA mit diesem Widerspruch umgehen werden, dürfte auch für die internationale KI-Regulierungsdebatte richtungsweisend sein.
