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Nike streicht Stellen und erwartet Umsatzrückgang im kommenden Jahr

Der Sportartikelkonzern kündigt ein Kostensenkungsprogramm über 2,5 Milliarden Dollar an und meldet einen Umsatzrückgang von 4 Prozent.

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Nike streicht Stellen und erwartet Umsatzrückgang im kommenden Jahr

Der US-Sportartikelkonzern Nike will Stellen streichen und rechnet für das kommende Jahr mit einem Umsatzrückgang. Wie das Unternehmen am Donnerstag bei der Vorlage seiner Ergebnisse für das erste Quartal mitteilte, stagnieren die Verkäufe von Schuhen und Sportbekleidung in Märkten von den USA bis China. Die Erlöse im laufenden Geschäftsjahr, das im Juni begonnen hat, dürften um Milliarden US-Dollar sinken. Im Rahmen einer neuen Kosteninitiative in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar beabsichtigt Nike, seine Belegschaft von 73.000 Mitarbeitern zu reduzieren.

An der Börse kam die Nachricht schlecht an. Die Aktien fielen im Nachbörsenhandel um 6,6 Prozent auf ihr niedrigstes Niveau seit 2013. Damit vertiefte sich ein Rückgang, der den Titel im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte fallen ließ.

Die Zahlen des ersten Quartals, das im August endete, fielen schwächer aus als erwartet. Der Umsatz belief sich auf 11,2 Milliarden Dollar, was einem Rückgang von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht und schlechter war als die von Visible Alpha ermittelten Konsensschätzungen. Das Nettoergebnis fiel um 2 Prozent auf 712 Millionen US-Dollar. Besonders deutlich zeigte sich die Schwäche in China, wo die Verkäufe um 22 Prozent abstürzten. Dort setzen konkurrierende lokale Marken, die ursprünglich als Hersteller für westliche Labels tätig waren, den Marktanteil von Nike unter Druck.

Die Details

Das neue Kostenreduzierungsprogramm trägt den Namen „Pace“ und soll in den nächsten fünf Jahren Einsparungen in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar bringen. Wie viele Stellen abgebaut werden oder wo diese erfolgen, teilte Nike nicht mit. Klar ist bislang nur, dass die Belegschaft von 73.000 Mitarbeitern schrumpfen soll.

Strukturell plant der Konzern mehrere Veränderungen. So will Nike einen neuen Campus in Bengaluru in Indien eröffnen und seine geografischen Divisionen von vier auf drei zusammenfassen. Chief Executive Elliott Hill beschrieb Indien in einem Schreiben an die Mitarbeiter als „einen wichtigen Wachstumsmarkt und Produktionsstandort für Nike mit starken Fähigkeiten und Zugang zu Talenten“.

Hill begründete den Schritt mit dem Tempo des Wettbewerbs: „Der Zukunft gehören Unternehmen, die sich schneller bewegen, Athleten und Verbraucher lokaler bedienen und aggressiver in Innovation investieren. Um dies zu erreichen, muss Nike Veränderungen vornehmen, um ein agileres, effizienteres und athletenzentriertes Unternehmen zu werden“, schrieb er. Weiter heißt es in dem Schreiben: „Während wir ändern, wie und wo wir arbeiten, wird Nike im Laufe der Zeit weniger Rollen benötigen.“ Die Entscheidungen zielten darauf ab, Investitionen in die Bereiche umzuleiten, „die für den Erfolg am kritischsten sind: Produktinnovation, Markenerzählung, Verbraucherbindung, Sport und Wachstum“.

Eine weitere Schwächequelle war die Marke Jordan für Basketballschuhe und -bekleidung, benannt nach dem ehemaligen NBA-Star. „Beim Schuhwerk der Jordan-Marke werden wir wieder zur Führung im von uns geschaffenen Modell der Knappheit zurückkehren. Einfach gesagt: Wir haben unser ikonisches Retro-Produkt überversorgt und ihm zu viel zugemutet“, sagte Hill gegenüber Analysten. Auch der Umsatz mit Sportbekleidung ging laut Hill gegenüber Analysten um zweistellige Beträge zurück.

Hintergrund: Was bisher geschah

Der nun angekündigte Schritt ist Teil einer längeren Reihe von Einschnitten. Bereits am 27.01.2026 berichtete aktien.news, dass Nike 775 Arbeitsplätze in seinen US-Distributionszentren streicht. Die Entlassungen betrafen hauptsächlich Mitarbeiter in den Lagerhäusern in Tennessee und Mississippi und kamen zusätzlich zu den bereits im vergangenen Sommer angekündigten 1.000 Stellen im Verwaltungsbereich. Nach Unternehmensangaben zielten die Maßnahmen darauf ab, „die Komplexität zu reduzieren, die Flexibilität zu verbessern und einen reaktionsschnelleren, widerstandsfähigeren und effizienteren Betrieb aufzubauen“. Die Kürzungen waren Teil von Nikes strategischem Ziel, zu „langfristigem, profitablem Wachstum“ zurückzukehren und die Margen zu verbessern.

Am 06.03.2026 meldete aktien.news, dass Nike im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 Vorsteuerbelastungen von rund 300 Millionen Dollar verbucht. Der Großteil dieser Kosten entfiel auf Abfindungszahlungen an entlassene Mitarbeiter. Konzernchef Elliott Hill trieb damit eine umfassende Restrukturierung voran, um die Profitabilität des Unternehmens wiederherzustellen. Auch die Tochtermarke Converse baute laut einem Reuters-Bericht vom Februar Verwaltungsstellen ab, um ihr Betriebsmodell enger an die Muttergesellschaft anzupassen.

Am 24.04.2026 folgte der nächste Schritt: Nike kündigte an, rund 1.400 Stellen zu streichen, knapp 2 Prozent der weltweiten Belegschaft. Betroffen waren vor allem der Technologiebereich und das globale operative Geschäft in Nordamerika, Asien und Europa. Chief Operating Officer Venkatesh Alagirisamy informierte die Belegschaft in einem internen Memo über die Maßnahmen. Ziel war es, Arbeitsabläufe zu rationalisieren und die Lieferketten für Materialien, Schuhe und Bekleidung besser zu integrieren. Die Technologieaktivitäten sollten künftig auf zwei Hauptstandorte konzentriert werden: den Firmensitz in Beaverton, Oregon, sowie das Nike India Technology Center. Am 25.04.2026 berichtete aktien.news erneut über diesen Abbau und das Ziel, die Komplexität der globalen Geschäftsabläufe des Unternehmens zu verringern.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger zeigt sich an der jüngsten Ankündigung, dass die von Hill verfolgte Wende-Strategie nur langsam greift. Der Konzern leidet nach eigenen Angaben unter einer übermäßigen Abhängigkeit von klassischen Marken und hat nach der Betonung direkter Vertriebswege Marktflächen in Einzelhandelsgeschäften verloren. Die Erholung verläuft langsam — das belegen der Umsatzrückgang von 4 Prozent im ersten Quartal und der Absturz in China um 22 Prozent.

Zugleich summieren sich die Restrukturierungslasten. Auf der einen Seite stehen Einsparungen von 2,5 Milliarden Dollar über fünf Jahre, auf der anderen Seite wiederkehrende Belastungen aus Abfindungen und Umbau. Die Serie von Stellenabbau-Ankündigungen seit Januar 2026 zeigt, dass Nike seine Kostenbasis in mehreren Wellen senkt. Wie viele Mitarbeiter diesmal betroffen sind, bleibt offen — diese Unsicherheit dürfte die Aktie belasten. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

Für das laufende Geschäftsjahr, das im Juni begonnen hat, erwartet Nike einen Umsatzrückgang in Milliardenhöhe. Das Programm „Pace“ soll in den nächsten fünf Jahren Einsparungen von 2,5 Milliarden Dollar bringen. Zudem will der Konzern einen neuen Campus in Bengaluru eröffnen und seine geografischen Divisionen von vier auf drei reduzieren. Hill ist bald zwei Jahre im Amt; ob die eingeleiteten Maßnahmen die Wende bringen, wird sich an den kommenden Quartalszahlen messen lassen müssen.

Kurz erklärt

  • Kostensenkungsprogramm: Ein Bündel von Maßnahmen, mit dem ein Unternehmen seine Ausgaben dauerhaft senken will.
  • Nachbörsenhandel: Der Handel mit Aktien außerhalb der regulären Börsenzeiten, in dem Kurse auf neue Nachrichten reagieren.
  • Direktvertrieb: Der Verkauf von Waren direkt an Endkunden unter Umgehung des klassischen Einzelhandels.
  • Konsensschätzung: Der Durchschnitt der Prognosen mehrerer Analysten zu Umsatz oder Gewinn eines Unternehmens.
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