Nike-Aktie auf 13-Jahres-Tief: Was hinter dem Absturz steckt
Nike-Aktien notieren 80 Prozent unter ihrem Höchststand – ein Turnaround, der länger dauert als erwartet.

Die Nike-Aktie (NKE-1,46 %) befindet sich in einer katastrophalen Talfahrt. Der Sportartikelriese vermarktet zwar einige der weltbesten Athleten, die für ihre Siegesserie bekannt sind – doch die Aktie selbst kann mit dieser Erfolgsbilanz nicht mithalten. Der Kurs handelt derzeit 80 Prozent unter seinem Höchststand (Stand: 25. September) und notiert auf einem rund 13 Jahre hohen Tiefststand. Für Anleger stellt sich die Frage: Was ist mit diesem zyklischen Wert aus dem Bereich der Verbrauchsgüter (Consumer Discretionary) los?
Aus finanzieller Sicht stolpert Nike. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2026, das am 31. Mai endete, belief sich auf 46,4 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von 9 Prozent im Vergleich zum exakt vor drei Jahren liegenden Zeitraum. Und der Konsens der Analysten lautet, dass der Umsatz im Geschäftsjahr 2027 weiter sinken wird. Damit fehlt dem Unternehmen derzeit die wichtigste Grundlage für eine nachhaltige Erholung: Wachstum.
Das Management befindet sich mitten in einer umfassenden Turnaround-Bemühung, die darauf abzielt, einige der Mängel der vorherigen Führungsspitze zu korrigieren. Der aktuelle CEO Elliott Hill gab an, dass die Fortschritte länger dauern als erwartet. Diese Aussage dürfte für viele Investoren ernüchternd sein, denn sie signalisiert, dass die erhoffte Trendwende nicht kurzfristig zu erwarten ist.
Belastete Ergebnisrechnung und gesunkene Margen
Die Kombination aus rückläufigen Umsätzen, intensiven Werbeaktivitäten und Investitionen in den Turnaround hat die Ergebnisrechnung massiv belastet. Die Gewinnmargen sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Für ein Unternehmen, das traditionell für seine starke Marke und seine Preissetzungsmacht bekannt war, ist dies ein alarmierendes Signal.
Hinzu kommt ein strategisches Problem: Es war für Nike schwierig, seine Vertriebsstrategie neu auszurichten, um das richtige Gleichgewicht zwischen Dritthändlern und eigenen Kanälen zu finden. Diese Neuausrichtung ist ein zentraler Bestandteil des Turnarounds, doch sie bindet Ressourcen und Zeit.
Auch die Produktinnovation litt unter den Turbulenzen. Es fehlte an der für die Marke typischen Innovationskraft – ein Wettbewerbsnachteil in einem Markt, in dem Konsumenten ständig neue Impulse suchen. Die Nachfrage in China hat erheblich nachgelassen, und der Wettbewerb ist intensiv, wodurch die Aufmerksamkeit der Verbraucher und deren Anteil am Warenkorb von Nike abgelenkt wird.
Bewertung nahe 17-Jahres-Tief – aber Vorsicht bleibt geboten
Trotz dieser düsteren Nachrichten gibt es einen Lichtblick für Bewertungsfanatiker: Die Aktie handelt zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das nahe an einem 17-Jahres-Tief liegt. Das KGV setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie und gilt als klassische Kennzahl zur Bewertung eines Unternehmens. Anleger könnten es daher als attraktiv empfinden, dieses branchenführende Unternehmen in ihr Portfolio aufzunehmen.
Doch die günstige Bewertung allein ist kein ausreichendes Kaufargument. Solange sich die Fundamentaldaten nicht drastisch verbessern, ist es ratsam, die Nike-Aktie zu meiden. Der Turnaround braucht Zeit, und die nächsten Quartalszahlen dürften zeigen, ob CEO Hill und sein Team die Trendwende tatsächlich einleiten können.
Für deutsche Anleger bedeutet das: Nike bleibt ein spannender, aber riskanter Titel. Wer auf eine Erholung setzen will, sollte die weitere Entwicklung der Umsätze, der Margen und der China-Nachfrage genau beobachten – und erst dann investieren, wenn sich die operative Lage nachhaltig stabilisiert.
