Niederländisches Start-up sichert 50 Mio. Dollar für Chip-Verschlüsselung
50 Mio. Dollar für Hardware-Sicherheit: Silizium-Fingerabdruck schützt Netzwerke vor Quantencomputern

Ein niederländisches Start-up hat 50 Millionen US-Dollar für eine Technologie eingesammelt, die den einzigartigen digitalen Fingerabdruck von Siliziumchips nutzt, um Computernetzwerke zu sichern. Das Unternehmen Fortaegis mit Sitz in Amsterdam und Niederlassungen in den USA, Europa und Asien arbeitet bereits mit 25 Unternehmen und Nationen zusammen.
Die Finanzierungsrunde wurde von Serendipity Capital, einer in Singapur ansässigen Venture-Capital-Firma, angeführt. Beteiligt war auch der Venture-Capital-Arm von Tokyo Electron, Japans größtem Hersteller von Chipfertigungsanlagen. Das frische Kapital soll die kommerzielle Fertigung der Technologie im Jahr 2027 ermöglichen.
Die Technologie hinter dem Sicherheitsversprechen
Im Kern nutzt Fortaegis eine physikalische Eigenschaft von Silizium, die jedem Chip einen einzigartigen digitalen Fingerabdruck verleiht. Das Unternehmen extrahiert diese Fingerabdrücke, um Verschlüsselungsschlüssel zu generieren und zu randomisieren. Da die Schlüssel ständig wechseln und nicht auf Geräten gespeichert werden, gilt das System als sicherer als herkömmliche Ansätze.
„Die große Innovation besteht darin, dass wir diesen Fingerabdruck extrahieren und daraus Schlüssel ableiten konnten“, sagte Boudewijn Wijnands, Gründer und Chief Executive von Fortaegis. Die Einbettung der Technologie in Hardware bietet eine zusätzliche Sicherheitsebene im Vergleich zur reinen Softwarelösung.
Ein entscheidender Vorteil: Die Architektur ist nach Angaben des Unternehmens „quantensicher“. Da die Schlüssel zufällig und organisch erstellt werden und nicht auf mathematischen Modellen beruhen, können selbst Quantencomputer sie nicht knacken. „Es ist im Grunde ein Geschenk der Mutter Natur“, sagte Wijnands. „Ein Quantencomputer kann nur etwas knacken, wenn es ein mathematisches Modell gibt.“
Zusammenarbeit mit Regierungen und Forschungseinrichtungen
Fortaegis arbeitet mit Regierungen in den USA, Großbritannien, Japan, Singapur, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden zusammen. Nationale Labors in einigen dieser Länder haben die drei Jahre alte Technologie validiert. Das Unternehmen hat zudem Kontakt mit der NATO aufgenommen und nimmt an Übungen zur Integration neuer Technologien in militärische Systeme teil.
Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit der Niederländischen Organisation für Angewandte Wissenschaftsforschung (TNO). Kees Buijsrogge, Leiter der Abteilung für Raumfahrt und wissenschaftliche Instrumentierung bei TNO, erklärte, man wolle optische Konnektivität zwischen Drohnen schaffen. Dies sei eine viel schnellere Kommunikationsmethode, um Barrieren für große Schwärme zu verringern und Störungen zu verhindern.
Wijnands sagte, das Unternehmen habe bereits Verträge mit mehr als einem Land unterzeichnet, um massive Drohnenschwärme aufzubauen. Die Technologie könnte die Erstellung von Schwärmen aus Zehntausenden von Drohnen ermöglichen. Auch Militärs könnten sie nutzen, um die von Sensoren übertragenen Daten zu authentifizieren – ein kritischer Bestandteil von „Combat Cloud-Umgebungen“.
Externe Validierung und beeindruckende Testergebnisse
Marc Zegveld, Leiter der Testgruppe bei TNO, sagte, man habe die aggressivsten Formen von Hacking angewendet, sei aber nicht in die integrierte Architektur von Fortaegis eingedrungen. Externe Tests hätten zudem gezeigt, dass das System mit der 200-fachen Geschwindigkeit aktueller kryptografischer Protokolle kommuniziert.
Paul Taylor, ehemaliger hochrangiger technischer Experte für nationale Sicherheit der britischen Regierung und heute Mitglied des Rates für Wissenschaft und Technologie des britischen Premierministers, bewertete die Technologie ebenfalls positiv. „Es ist sehr aufregend“, sagte Taylor, der kein kommerzielles Interesse hat. „Es ist eines der am besten anwendbaren und implementierbaren Hardware-Sicherheitssysteme, die ich gesehen habe.“
Taylor betonte, dass Gegner wie China nicht auf die Verschlüsselungsschlüssel zugreifen könnten. „Sie könnten die Technologie stehlen, wie sie Raketen oder Laser oder was auch immer stehlen können. Aber die Vorstellung, dass sie eindringen und einen Schlüssel erhalten würden... ist keine Sache.“
Anwendungen in der Chipindustrie und KI-Sicherheit
Mitsunobu Koshiba, eine der prominentesten Figuren in Japans Chipindustrie und Mitglied des Aufsichtsrats von Fortaegis, sieht großes Potenzial in Japan. Die Technologie könne Chipfertigungsanlagen – die „Kronjuwelen“ des Landes – vor China schützen. Zudem könne sie helfen, „vertrauenswürdige Netzwerke“ zu schaffen, um internationale Partner vom Schutz geistigen Eigentums zu überzeugen, etwa beim gemeinsamen Kampfflugzeugprogramm mit Großbritannien und Italien.
Fortaegis führt zudem Gespräche mit US-Hyperscalern und KI-Laboren. Das Unternehmen ist an einem Projekt mit ASML, dem niederländischen Hersteller der weltweit fortschrittlichsten Lithographie-Maschinen, und der Technischen Universität Eindhoven beteiligt. Ziel ist die Entwicklung eines Sicherheitsrahmens für autonome KI-Systeme.
Ilyas Khan, Vorsitzender von Fortaegis und Gründer des kürzlich börsennotierten Quantencomputing-Unternehmens Quantinuum, beschrieb die Technologie als den „Heiligen Gral“ und sagte voraus, dass sie zum „Standard für Sicherheit auf Silizium“ werden würde.
Robert Jesudason, CEO von Serendipity und Mitglied des Aufsichtsrats von Fortaegis, begründete die Investition mit der Technologie und der potenziellen Marktgröße. „Boudewijn versucht nicht, ein Unicorn zu bauen“, sagte Jesudason. „Er versucht, ein Unternehmen aufzubauen, in dem die Chips in jedem ernsthaften Produkt der Welt enthalten sein werden.“
