Neue US-Steuerregeln 2026: So meistern Sie die Jahresendplanung
Trumps „One Big Beautiful Bill" verändert die Steuerplanung grundlegend – Top-Berater erklären, worauf Anleger jetzt achten müssen.

Die US-Steuerplanung zum Jahresende 2026 ist komplexer denn je. Mit dem „One Big Beautiful Bill Act" hat Präsident Donald Trump nicht nur die Steuersenkungen aus dem Jahr 2017 dauerhaft verlängert, sondern auch eine Reihe neuer Vergünstigungen und Einschränkungen eingeführt. Top-Berater warnen: Wer jetzt nicht handelt, riskiert unnötige Steuerzahlungen oder den Verlust wertvoller Vorteile.
Die meisten steuerlichen Strategien müssen bis zum 31. Dezember abgeschlossen sein, um Auswirkungen auf die Steuererstattung oder Nachzahlungen der folgenden Steuererklärungssaison zu haben. Häufig findet die Planung über das gesamte Jahr hinweg statt – doch gerade in den letzten Wochen des Jahres verdichten sich die Entscheidungen. Für deutsche Privatanleger mit US-Bezug oder Interesse an internationalen Steuertrends lohnt ein genauer Blick auf die aktuellen Entwicklungen.
Die Details
Ein zentrales Element des neuen Gesetzes ist die Ausweitung der Obergrenze für den Bundesabzug von staatlichen und lokalen Steuern, bekannt als SALT (State and Local Taxes). Gleichzeitig wurden neue Steuervergünstigungen für Trinkgelder, Überstundenvergütungen, Zinsen für Autokredite sowie ein Abzug für Senioren eingeführt – Maßnahmen, die bereits in früheren Berichten als Kernbestandteile des Gesetzes identifiziert wurden.
Besonders relevant für viele Haushalte ist die sogenannte „ACA-Klippe". Die während der Pandemie erhöhte Prämiensteuergutschrift, die Krankenversicherungen auf dem Marktplatz des Affordable Care Act (ACA) günstiger machte, ist nach 2025 ausgelaufen. Ab 2026 verlieren ACA-Versicherte jeglichen Anspruch auf Subventionen, sobald das Haushaltseinkommen 400 % der bundesstaatlichen Armutsgrenze überschreitet. Für 2026 liegen diese Grenzen bei etwa $63.000 für eine Einzelperson oder $129.000 für eine vierköpfige Familie. Wer auch nur $1 mehr verdient, zahlt die volle Krankenversicherungsprämie.
Eine Strategie zur Vermeidung dieses „Absturzes" ist die Kombination eines Krankenversicherungsplans mit hoher Selbstbeteiligung mit Beiträgen zu einem Gesundheitssparkonto (Health Savings Account, HSA). Solche Beiträge senken das bereinigte Bruttoeinkommen (Adjusted Gross Income, AGI) und können damit den Anspruch auf Subventionen erhalten.
Ab 2026 sieht Trumps Gesetzgebung zudem einen neuen Spendenabzug für Steuerpflichtige vor, die keine Einzelaufschlüsselung (Itemized Deductions) vornehmen. Dieser beträgt bis zu $1.000 für Alleinstehende und $2.000 für Ehepaare. Der Abzug gilt für Geldspenden an berechtigte gemeinnützige Organisationen. Ein Ehepaar in der Steuerklasse von 22 %, das $2.000 spendet, könnte die Bundeseinkommensteuer um bis zu $440 senken. Laut Experten bietet dieser Spielraum die Möglichkeit, Maßnahmen auszugleichen, die das steuerpflichtige Einkommen erhöhen – etwa den Verkauf profitabler Anlagen oder sogenannte Roth-Konvertierungen.
Wer hingegen Abzüge einzeln aufführt und für wohltätige Zwecke spendet, muss zwei neue Einschränkungen beachten. Erstens gibt es ab 2026 eine „Untergrenze" für Spendenabzüge: Der Steuervorteil greift erst, wenn die Spenden 0,5 % des AGI übersteigen. Vor dem Steuergesetz von 2025 gab es keine solche Untergrenze. Bei einem AGI von $200.000 und Spenden von $10.000 sind die ersten $1.000 (entspricht 0,5 % des AGI) nicht abzugsfähig. Zweitens wird der Abzug für Haushalte im obersten Grenzsteuersatz von 37 % effektiv bei 35 % gedeckelt.
Da der S&P 500 nahe einem Rekordhoch notiert, verfügen viele Anleger über profitable Vermögenswerte auf steuerpflichtigen Brokerage-Konten. Eine Möglichkeit, Schenkungen unter dem neuen Gesetz zu maximieren, ist das sogenannte „Bunching": Dabei werden Spenden, die man ansonsten schrittweise geleistet hätte, in einem einzigen Jahr gebündelt. Charissa Anderson, zertifizierte Finanzplanerin (CFP) und Executive Vice President bei Ferguson Wellman Capital Management in Portland, Oregon – Platz 52 auf der CNBC-Liste der „Financial Advisor 100" für 2026 – empfiehlt zudem das direkte Spenden von profitablen Anlagen, da dies „weiterhin die Vorteile der Vermeidung von Kapitalertragsteuern" biete.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 4. Juni 2026 berichtete aktien.news, dass das „One Big Beautiful Bill Act" in der amerikanischen Finanzberatungsbranche für erhebliche Unruhe sorgt. Anwälte für vermögende Privatkunden entdeckten in einem Steuerleitfaden des Beraterstabs des US-Kongresses eine Bestimmung, die auf eine Doppelbesteuerung von Trusts und Nachlässen hinauslaufen könnte. Konkret geht es um die Begrenzung der Einzelabzüge für Spitzenverdiener: Steuerzahler in der höchsten Steuerklasse erhalten demnach nur noch einen Abzugsvorteil von 35 Cent pro Dollar.
Am 18. Januar 2026 berichtete aktien.news über den neuen Steuerabzug für Senioren ab 65 Jahren, der bis 2028 gültig ist. Der sogenannte „Bonus-Abzug" ermöglicht es Steuerzahlern ab 65 Jahren, ihre Steuerlast um bis zu $6.000 pro Person zu reduzieren – bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren verdoppelt sich dieser Betrag auf $12.000.
Am 18. September 2026 ordnete aktien.news ein, dass die Steuererleichterungen des Gesetzes nicht bei allen Amerikanern gleichermaßen ankommen. Experten zufolge profitieren bestimmte Einkommensgruppen deutlich stärker als andere – ein Befund, der die aktuelle Debatte über die Verteilungswirkung des Gesetzes prägt.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger mit US-Investments oder amerikanischen Familienangehörigen sind die Änderungen vor allem im Bereich der Kapitalertragssteuer und der Spendenstrategien relevant. Wer profitable US-Aktien oder ETFs auf einem amerikanischen Brokerage-Konto hält, sollte prüfen, ob eine direkte Sachspende an eine gemeinnützige Organisation steuerlich vorteilhafter ist als ein Verkauf mit anschließender Geldspende. Die Vermeidung von Kapitalertragsteuern durch Sachspenden bleibt auch unter dem neuen Gesetz ein anerkanntes Instrument.
Die Änderungen beim AGI sind besonders für Personen relevant, die ACA-Krankenversicherungen nutzen. Schon kleine Einkommensveränderungen können den Anspruch auf Subventionen vollständig entfallen lassen. HSA-Beiträge sind daher nicht nur ein Instrument der Gesundheitsvorsorge, sondern auch ein wirksames Mittel zur Steueroptimierung.
Ausblick
Die meisten der beschriebenen Regelungen gelten ab dem Steuerjahr 2026 und müssen bis zum 31. Dezember 2026 umgesetzt werden, um in der nächsten Steuererklärungssaison wirksam zu sein. Der neue Senioren-Abzug ist laut früheren Berichten bis einschließlich 2028 gültig. Die ACA-Subventionsregelung in ihrer erweiterten Form ist nach 2025 ausgelaufen, was Millionen von Amerikanern ab 2026 der „ACA-Klippe" aussetzt.
Kurz erklärt
- AGI (Adjusted Gross Income): Das bereinigte Bruttoeinkommen ist das Gesamteinkommen einer Person abzüglich bestimmter zulässiger Abzüge, das als Grundlage für viele Steuerberechnungen dient.
- SALT-Abzug: Ein Bundessteuerabzug, der es Steuerzahlern erlaubt, gezahlte staatliche und lokale Steuern von ihrem zu versteuernden Einkommen abzuziehen.
- HSA (Health Savings Account): Ein steuerbegünstigtes Sparkonto, das in Verbindung mit bestimmten Krankenversicherungsplänen genutzt werden kann, um Gesundheitsausgaben zu finanzieren.
