MSCI-Herabstufung droht: Indonesiens Börse erlebt historischen Kurseinbruch
Der IDX Composite verliert rund elf Prozent – der stärkste Einbruch seit Januar 1998. MSCI stellt den Schwellenland-Status infrage.

Der indonesische Leitindex IDX Composite hat am Freitag seinen stärksten Tagesverlust seit Januar 1998 erlitten. Bis Freitagmittag fiel das Barometer um rund elf Prozent. Der Handel in Jakarta musste zum dritten Mal in diesem Jahr ausgesetzt werden. Auslöser ist die wachsende Sorge, dass der Indexanbieter MSCI dem Land den Status eines Schwellenlands entzieht und es zum Frontier Market herabstuft.
Besonders hart traf es die Schwergewichte. Die größten Bankaktien brachen um bis zu 14 Prozent ein. Telkom Indonesia verlor mehr als zwölf Prozent, Jasa Marga fast 15 Prozent. Der Ausverkauf erfasste damit zentrale Sektoren der Börse: Finanzen, Telekommunikation und Infrastruktur.
MSCI zählt zu den wichtigsten Indexanbietern der Welt und hat großen Einfluss auf internationale Kapitalströme. Ob ein Markt als Schwellenland eingestuft wird, entscheidet darüber, ob er in großen Schwellenländerindizes enthalten ist – und damit, ob passive Fonds automatisch in diese Aktien investieren. Grundlage der Einstufung sind Kriterien wie Marktzugang, Liquidität und Regulierung.
Transparenz und Streubesitz als Kernproblem
MSCI begründet die Prüfung mit zwei Kritikpunkten: einer undurchsichtigen Eigentümerstruktur und einem zu geringen Streubesitz. Beides erschwert es Investoren, die tatsächlichen Besitzverhältnisse und die Handelbarkeit der Aktien einzuschätzen. Seit dem Frühjahr wurden keine neuen indonesischen Unternehmen in die MSCI-Indizes aufgenommen.
Die Regierung hat bereits Reformen angekündigt. Die Offenlegungsschwelle für Anteilseigner soll von fünf auf ein Prozent gesenkt werden. Ziel ist ein Streubesitz von mindestens 15 Prozent. Zudem ist ein neues Warnsystem namens High Shareholding Concentration geplant, das riskante Häufungen von Beteiligungen frühzeitig anzeigen soll.
Ob diese Maßnahmen ausreichen, ist offen. MSCI reagierte zurückhaltend: Die Reformen werden anerkannt, doch der Anbieter prüft zusätzlich die Zuverlässigkeit der gelieferten Daten. Eine Entscheidung über eine mögliche Herabstufung soll spätestens im Juni 2027 fallen.
Politische Unsicherheit verstärkt den Druck
Zu den strukturellen Problemen gesellt sich politische Unsicherheit. Präsident Prabowo Subianto ist seit Oktober 2024 im Amt und hat in dieser Zeit bereits drei Finanzminister verschlissen. Im Juli kam es zudem zu einem überraschenden Wechsel an der Spitze der Zentralbank. Beobachter sorgen sich um höhere Staatsausgaben und einen wachsenden staatlichen Einfluss auf die Wirtschaft – Prabowos Neffe kam in das Führungsgremium der Notenbank.
Auch die Kapitalströme zeichnen ein klares Bild. Im vergangenen Jahr zogen ausländische Anleger netto 834 Millionen Dollar aus Indonesien ab. Im laufenden Jahr 2026 summierten sich die Abflüsse auf fast fünf Milliarden Dollar. Goldman Sachs schätzt, dass bei einer Herabstufung bis zu 13 Milliarden Dollar abfließen könnten.
Was eine Herabstufung konkret bedeuten würde
Sollte MSCI Indonesien zum Frontier Market herabstufen, fiele das Land aus den großen Schwellenländerindizes heraus. Passive Fonds, die diese Indizes abbilden, müssten indonesische Aktien verkaufen; aktive Manager würden ihre Positionen reduzieren. Das verteuert die Kapitalbeschaffung heimischer Unternehmen. Zusätzlich könnte die Rupiah unter Druck geraten, was Importe verteuert und die Inflation anheizt. Unter den G20-Staaten wäre Indonesien neben Russland dann das einzige Land mit Frontier-Status.
Für andere Schwellenländer könnte die Herabstufung dagegen von Vorteil sein. Denn das Gewicht, das Indonesien in den Indizes verliert, verteilt sich auf die verbleibenden Märkte – etwa Taiwan, China, Indien und Südkorea.
Zuletzt machte Indonesien im MSCI Emerging Markets nur noch 0,4 Prozent aus, nach 1,16 Prozent Ende 2025. In Deutschland sind drei reine Indonesien-ETFs erhältlich, aufgelegt von Amundi, Xtrackers und HSBC. Wer breit gestreute Schwellenländer-ETFs hält, ist dagegen kaum betroffen: Der Amundi Prime Emerging Markets ETF kommt auf einen Indonesien-Anteil von etwa 0,7 Prozent, der iShares MSCI EM ESG Enhanced CTB ETF auf 0,4 Prozent, der State Street SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap UCITS ETF auf etwa 1,2 Prozent.
Trotz der Börsenturbulenzen bleibt der realwirtschaftliche Ausblick robust. Der Internationale Währungsfonds hob seine Wachstumsprognose für Indonesien von 5,0 auf 5,1 Prozent an – für 2026 und 2027. Das Weltwirtschaftswachstum veranschlagt der IWF für 2026 auf 3,1 Prozent. Die MSCI-Einstufung betrifft also in erster Linie den Aktienmarkt, nicht die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die Entscheidung fällt spätestens im Juni 2027.
