Micron-Zahlen am Mittwoch: SanDisk-Anleger blicken auf das NAND-Geschäft
Am 25. Juni sprang die SanDisk-Aktie um 22 Prozent, ausgelöst durch Microns NAND-Zahlen. Am Mittwoch legt Micron erneut vor.

Die Aktie von SanDisk (SNDK) legte am 25. Juni um 22 Prozent zu – und das, obwohl das Flash-Speicherunternehmen an diesem Tag keine eigenen Ergebnisse veröffentlichte. Den Impuls lieferte der Konkurrent Micron Technology (MU), der am Vortag nach Börsenschluss seine Zahlen für das dritte Geschäftsvierteljahr vorgelegt hatte. Microns eigene Aktie kletterte daraufhin um rund 16 Prozent, doch SanDisk reagierte noch stärker.
Warum bewegte die Nachricht SanDisk heftiger als das Unternehmen, das die Zahlen tatsächlich vorlegte? Microns Bericht lieferte einen frühen, detaillierten Einblick in die Kalkulation der Speicherhersteller für NAND-Flash – jene Chips, die Daten in Smartphones, PCs und Rechenzentrumsfestplatten speichern. Und praktisch alles, was SanDisk verkauft, basiert auf NAND. Für Anleger war Microns Zahlenwerk damit ein Vorabindikator für das eigene Portfolio.
Micron wird erneut am Mittwoch, den 30. September, berichten, die Telefonkonferenz findet nach Börsenschluss statt. Diesmal startet SanDisk mit einem Kurs von rund 1.688 Dollar – etwa 28 Prozent unter dem Hoch von 2.354 Dollar, das die Aktie im Juni erreichte. Am Montag fielen die Papiere um rund 5 Prozent, nachdem OpenAI angekündigt hatte, das Training seiner leistungsfähigsten KI-Modelle zu pausieren.
Die Details
Bei Micron entfällt der Großteil des Geschäfts auf DRAM, den Speicher, der mit Prozessoren zusammenarbeitet. NAND machte in den drei Monaten bis zum 28. Mai – dem dritten Geschäftsvierteljahr – nur 24 Prozent des Umsatzes aus. Genau dieser Anteil enthielt jedoch die für SanDisk-Investoren relevanten Nachrichten. Um zu zeigen, wie schnell die Flash-Preise stiegen: Die NAND-Umsätze bei Micron legten sequenziell um 99 Prozent auf 9,9 Milliarden Dollar zu. Die durchschnittlichen Verkaufspreise sprangen im Bereich von -80 Prozent nach oben, während die Bit-Liefermengen – also die verkaufte Speichermenge – nur um einen mittleren einstelligen Prozentsatz wuchsen.
Das folgte auf einen sequenziellen Anstieg von 82 Prozent im zweiten Geschäftsvierteljahr, als die NAND-Preise im hohen Bereich von -70 Prozent lagen. Einfach gesagt: Die Preissteigerungen bei Flash beschleunigten sich im Frühjahr weiter. Investoren hörten diese Nachricht rund sechs Wochen, bevor SanDisk am 5. August seine eigenen Ergebnisse für das vierte Geschäftsvierteljahr vorlegte. SanDisks Bericht bestätigte den Trend: Der Umsatz im am 3. Juli beendeten Quartal stieg sequenziell um 51 Prozent auf 8,97 Milliarden Dollar und lag zudem 372 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Nur rund ein Drittel des sequenziellen Gewinns resultierte aus dem Versand von mehr Flash – höhere Preise leisteten den Rest.
Doch der Sprung im Juni hielt nicht an. SanDisk schloss am 25. Juni bei 2.335 Dollar und am 2. Juli bei 1.745 Dollar – unter dem Niveau, auf dem die Aktie vor Microns Bericht stand. Hinzu kommt die zeitliche Überlappung der Berichtsperioden: Microns viertes Geschäftsvierteljahr dauerte 14 Wochen und endete Anfang September, sodass es die Sommermonate Juni bis August abdeckt. SanDisks aktuelles Quartal begann am 4. Juli. Microns Kennzahlen decken damit rund zwei Monate davon ab, während SanDisk diese Monate wahrscheinlich erst später im Herbst selbst berichten wird.
SanDisk hat bereits ein langsameres Wachstum signalisiert. Das Management prognostizierte einen Umsatz im ersten Geschäftsvierteljahr von 10,3 Milliarden bis 10,8 Milliarden Dollar, was rund 15 bis 20 Prozent über dem vierten Geschäftsvierteljahr liegt. Zugleich stellte es eine nicht-GAAP-bereinigte Bruttomarge von 83 bis 85 Prozent in Aussicht, nach 84,6 Prozent im letzten Quartal. Ein weiterhin wachsender Umsatz bei stabiler Marge deutet darauf hin, dass SanDisk erwartet, dass die Preisgewinne erheblich vom Tempo des Frühlings abfallen werden. Microns Bericht am Mittwoch liefert hier eine frühe externe Überprüfung.
Ein zweiter wichtiger Bereich ist das Rechenzentrumsgeschäft. Microns Umsatz mit Solid-State-Drives (SSD) für Rechenzentren überschritt im dritten Geschäftsvierteljahr 5 Milliarden Dollar und verdoppelte sich damit im Vergleich zum vorherigen Quartal. Es handelt sich um denselben Markt hinter SanDisks am schnellsten wachsendem Geschäftsbereich, wo der Umsatz im vierten Geschäftsvierteljahr sequenziell um 103 Prozent auf rund 3 Milliarden Dollar stieg – etwa ein Drittel aller Verkäufe. Im Juni sagte Micron zudem voraus, dass das Angebot angesichts der Nachfrage sowohl für DRAM als auch für NAND über das Kalenderjahr 2027 hinaus knapp bleiben werde, wobei das NAND-Angebot stärker unter Druck geraten dürfte, da Anbieter Reinraumbereiche von NAND auf DRAM verlagern. Jede Abschwächung dieser Prognose könnte SanDisk härter treffen als Micron, denn SanDisk verfügt über kein DRAM-Geschäft, auf das es zurückgreifen könnte.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 08.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Sandisk-Aktie im Mai um 54,6 Prozent zulegte und damit den S&P 500 (plus 5,2 Prozent) sowie den Nasdaq Composite (plus 8,4 Prozent) deutlich hinter sich ließ. Auslöser war damals der Quartalsbericht zum am 2. April beendeten dritten Quartal, der die Analystenerwartungen deutlich übertraf. Am 27.06.2026 folgte der Bericht über den 50-fachen Kursanstieg: Wer vor einem Jahr Sandisk-Aktien für rund 40 Dollar gekauft hätte, säße heute auf einem Kurs von über 2.300 Dollar. Der jüngste Kurssprung sei durch Microns Rekordquartalsumsatz von 41,5 Milliarden Dollar ausgelöst worden, wobei sich der NAND-Umsatz gegenüber dem Vorquartal auf 9,9 Milliarden Dollar fast verdoppelte.
Am 29.07.2026 meldete aktien.news, dass SanDisk und Micron in diesem Jahr bereits Kursgewinne von 362 beziehungsweise 188 Prozent erzielt hatten und Analysten beiden Werten weiterhin massives Aufwärtspotenzial zubilligten. Beide Unternehmen zählen zu den Herstellern von Speicherhalbleitern, die für die Entwicklung von KI-Modellen benötigt werden. Am 23.09.2026 folgte die Einordnung, wonach die Micron-Aktie um 541 Prozent und SanDisk um phänomenale 1.600 Prozent zugelegt hatte. Analysten sahen für Micron kurzfristig mehr Potenzial als für SanDisk; das 12-Monats-Median-Preisziel von Micron lag laut 57 Analysten bei 1.600 Dollar.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Micron-Bericht am Mittwoch vor allem als Frühindikator zu lesen. Die hilfreichste Kennzahl dürfte sein, wie stark Microns NAND-Preise im vierten Geschäftsvierteljahr gestiegen sind. Nach zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit Steigerungen von über 75 Prozent wäre selbst eine deutlich geringere Steigerung immer noch ein Gewinn. Eine starke Verlangsamung könnte jedoch signalisieren, dass sich die Preisgestaltung hinter SanDisks Bruttomarge von 84,6 Prozent nivelliert. Hinzu kommt: Während die Entwicklung der beiden Aktien am Tag nach dem Bericht viel Aufmerksamkeit erzeugt, sagt sie wenig über die tatsächliche Preisentwicklung aus.
Auffällig ist die Bewertungssituation. Bei rund 1.688 Dollar notiert die Aktie etwa zum 23-fachen des Gewinns des vergangenen Jahres. Annualisiert man die vom Management für dieses Quartal allein prognostizierten bereinigten Gewinne je Aktie von 44 bis 46 Dollar, handelt die Aktie unter dem 10-fachen des Gewinns. Darin spiegelt sich Skepsis der Investoren wider, ob die aktuellen Flash-Preise Bestand haben werden. Ein einzelner Bericht von Micron wird nicht zeigen, wie lange die Flash-Preise so hoch bleiben – doch seine NAND-Zahlen decken den größten Teil des Quartals ab, das SanDisk gerade beendet, und im Juni war das genug, um SanDisk stärker zu bewegen als Micron selbst.
Ausblick
Micron legt am Mittwoch, den 30. September, seine Zahlen vor, die Telefonkonferenz folgt nach Börsenschluss. SanDisk selbst wird seine Ergebnisse für das aktuelle Quartal voraussichtlich erst später im Herbst veröffentlichen; das Management rechnet für dieses Quartal mit einem Umsatz von 10,3 Milliarden bis 10,8 Milliarden Dollar und einer bereinigten Bruttomarge von 83 bis 85 Prozent. Im Fokus steht, ob Micron seine im Juni gegebene Prognose bestätigt, wonach das Angebot an DRAM und NAND über das Kalenderjahr 2027 hinaus knapp bleiben soll. Beobachten dürften Anleger dabei weniger die Kursentwicklung beider Aktien am nächsten Tag als vielmehr Microns konkrete Aussagen zu den NAND-Preisen.
Kurz erklärt
- NAND-Flash: Ein Speicherchip, der Daten auch ohne Stromzufuhr behält und in Smartphones, PCs sowie Rechenzentren eingesetzt wird.
- DRAM: Ein Arbeitsspeicher, der eng mit dem Prozessor zusammenarbeitet und Daten nur bei laufender Stromversorgung hält.
- Bit-Liefermenge: Die insgesamt verkaufte Speichermenge eines Herstellers, gemessen in Datenbits.
- Bruttomarge: Der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkten Herstellungskosten übrig bleibt.
