Meta: Neue nicht-stimmberechtigte Aktien sollen Zuckerbergs Kontrolle sichern
Oppenheimer sieht in der Ausgabe nicht-stimmberechtigter Klasse-C-Aktien vor allem den Schutz von Mark Zuckerbergs Stimmrechten.

Oppenheimer hat den Plan von Meta Platforms bewertet, neue nicht-stimmberechtigte Aktien der Klasse C auszugeben. In einer am Freitag veröffentlichten Research-Notiz kommt die Investmentbank zu dem Schluss, dass das Vorhaben in erster Linie dem Schutz der Stimmrechtskontrolle von CEO Mark Zuckerberg dient. Analyst Jason Helfstein behält zugleich seine Bewertung „Perform" sowie das Kursziel von 710 US-Dollar je Meta-Aktie unverändert bei. Ein Aufwärtspotenzial sieht die Bank auf dem aktuellen Niveau damit nicht.
Meta hatte in dieser Woche angekündigt, allen Aktionären am 19. Januar 2027 neue nicht-stimmberechtigte Aktien der Klasse C zuzuteilen. Mit der Ausgabe erhalten bestehende Anteilseigner zusätzliche Papiere, die jedoch keine Stimmrechte tragen. Für die bestehenden Stimmrechtsverhältnisse bedeutet das eine Verwässerung der Stimmen der übrigen Aktionäre, während Zuckerbergs Einfluss relativ dazu stabiler bleibt.
Helfstein begründet seine Einschätzung mit zwei Faktoren. „Wir glauben, dass dies dem Schutz der Stimmrechte von Mark Zuckerberg vor einer potenziellen kalifornischen Vermögenssteuer (Proposition 40) sowie den Kapitalbedürfnissen zur Finanzierung von KI-Investitionen dient", schrieb der Analyst. Die vorgeschlagene kalifornische Vermögenssteuer sieht eine einmalige Abgabe in Höhe von 5 Prozent auf Bewohner mit einem Nettovermögen über 1 Milliarde US-Dollar vor.
Die Details
Oppenheimer schätzt, dass Zuckerberg im Jahr 2027 mit einer Steuerlast zwischen 10 Milliarden und 15 Milliarden US-Dollar rechnen könnte. Das Unternehmen fügte hinzu, dass die Gefahr besteht, dass eine Form der Vermögenssteuer auch in Zukunft fortbestehen könnte. Eine dauerhafte Belastung würde die Finanzplanung des Meta-Chefs über den einmaligen Termin hinaus erschweren.
Neben der Steuerfrage nennt Oppenheimer den Kapitalbedarf als zweiten Grund für die geplante Aktienausgabe. Meta muss nach Einschätzung der Bank Kapital aufbringen, um den Ausbau seiner KI-Infrastruktur und seiner Rechenzentren zu finanzieren. Diesen Bedarf beschrieb das Unternehmen in einem Bericht als Bedarf an „hundert Milliarden US-Dollar". Oppenheimer geht allerdings davon aus, dass jede einzelne Kapitalerhebung deutlich unter diesem Niveau liegen wird.
Entscheidend für die Bewertung des Schrittes sind die bestehenden Besitzverhältnisse. Stand Oktober 2023 hielt Zuckerberg 60,6 Prozent der Stimmrechte bei Meta und 13,4 Prozent der ausgegebenen Aktien. Diese Kombination aus hoher Stimmrechtsmacht bei relativ geringem Kapitalanteil ist die Grundlage der Kontrolle des Gründers über den Konzern.
Oppenheimer rechnet in einem Szenario durch, was ohne die Ausgabe nicht-stimmberechtigter Aktien passieren würde. Wenn Zuckerberg persönlich 15 Milliarden US-Dollar aufbrächte und Meta im Laufe der Zeit 150 Milliarden US-Dollar sammelte, ohne nicht-stimmberechtigte Aktien auszugeben, würde sein Stimmrecht auf 56,3 Prozent sinken. Das wären rund vier Prozentpunkte weniger als der zuletzt bekannte Wert.
„Obwohl dies immer noch größer als 50 Prozent ist, schafft die Ausgabe nicht-stimmberechtigter Aktien einen Puffer, falls das Unternehmen stärker auf Eigenkapital statt auf Fremdkapital angewiesen wäre", sagte Helfstein. Der Puffer soll also sicherstellen, dass Zuckerberg auch bei umfangreichen Kapitalmaßnahmen die Mehrheit der Stimmen behält.
Der Analyst nennt noch eine zweite Variante. Würde Zuckerberg persönlich 15 Milliarden bis 30 Milliarden US-Dollar aufbringen und Meta keine neuen Aktien ausgeben, bliebe sein Stimmrecht bei 56,6 Prozent bis 58,7 Prozent. Für Helfstein deutet dies darauf hin, dass das Unternehmen damit rechnet, im Laufe der Zeit eine erhebliche Menge an Eigenkapital auszugeben.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 29.01.2026 berichtete aktien.news, dass Meta seine KI-Investitionen auf bis zu 135 Milliarden Dollar verdoppelt. Nach starken Quartalszahlen schossen die Aktien im nachbörslichen Handel um bis zu 10 Prozent nach oben. Geplant waren für 2026 Investitionsausgaben zwischen 115 und 135 Milliarden Dollar, vor allem für Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Trotz der Kostenexplosion zeigten sich Investoren beruhigt, weil das Werbegeschäft weiter robust wuchs.
Am 07.06.2026 meldete aktien.news, dass Morgan Stanley Meta als KI-Gewinner mit vier Wachstumskatalysatoren sieht. Analyst Brian Nowak hielt die Skepsis der Wall Street für übertrieben und behielt ein Kursziel von 775 US-Dollar bei. Das Unternehmen plante für die Jahre 2027 und 2028 Kapitalaufwendungen in Höhe von 380 Milliarden US-Dollar – eine Summe, die viele Investoren verunsicherte.
Am 11.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Meta-Aktie nach der Ankündigung eines Cloud-Geschäfts um fast 18 Prozent seit dem Schlusskurs vom 30. Juni stieg. Allein an einem Freitag legte das Papier um mehr als 5 Prozent zu und überstieg die Marke von 667 US-Dollar.
Am 20.07.2026 beschrieb aktien.news die Spaltung des Marktes: Bullische Analysten sahen Meta als unterbewerteten Wachstumsmotor, Skeptiker warnten vor den Risiken massiver Investitionsausgaben. Metas Forward-KGV lag trotz überdurchschnittlichem Umsatzwachstum unter dem vieler Big-Tech-Konkurrenten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die geplante Ausgabe nicht-stimmberechtigter Klasse-C-Aktien in erster Linie ein Governance-Thema. Wer Meta-Aktien hält, verliert durch die neuen Papiere keine Stimmrechte, gewinnt aber auch keine hinzu – das relative Gewicht der eigenen Stimme sinkt jedoch, wenn Zuckerberg parallel Kapital aufnimmt. An der Bewertung von Oppenheimer ändert der Schritt nichts: Die Bank belässt es bei „Perform" und einem Kursziel von 710 US-Dollar.
Zu beachten ist, dass die Kapitalaufnahme für KI-Infrastruktur und Rechenzentren nach Einschätzung von Oppenheimer im Laufe der Zeit erheblich ausfallen dürfte. Eine stärkere Finanzierung über Eigenkapital statt über Fremdkapital würde die Aktienanzahl erhöhen und damit die Kennzahlen je Anteilsschein belasten. Zugleich sichert die Konstruktion die Kontrolle des Gründers – ein Aspekt, der bei Anlegern traditionell unterschiedlich bewertet wird.
Ausblick
Der konkreteste Termin steht bereits fest: Die Zuteilung der neuen nicht-stimmberechtigten Aktien der Klasse C an alle Aktionäre ist für den 19. Januar 2027 vorgesehen. Oppenheimer erwartet zudem, dass Zuckerberg im Jahr 2027 mit einer Steuerlast zwischen 10 Milliarden und 15 Milliarden US-Dollar rechnen könnte, sollte die kalifornische Vermögenssteuer in der vorgeschlagenen Form kommen.
Für die Jahre danach bleiben die Kapitalaufwendungen für KI-Infrastruktur der zentrale Faktor. Die Bank rechnet damit, dass Meta im Laufe der Zeit eine erhebliche Menge Eigenkapital ausgeben wird, ohne dass sie ein konkretes Volumen nennt – jede einzelne Kapitalerhebung dürfte nach ihrer Einschätzung aber deutlich unter dem beschriebenen Bedarf von „hundert Milliarden US-Dollar" liegen.
Kurz erklärt
- Nicht-stimmberechtigte Klasse-C-Aktien: Zusätzliche Anteilsscheine, die am Gewinn beteiligt sind, aber kein Stimmrecht auf der Hauptversammlung tragen.
- Stimmrechtskontrolle: Die Mehrheit der Stimmen, mit der ein Großaktionär die Ausrichtung eines Unternehmens bestimmen kann.
- Vermögenssteuer: Eine Abgabe auf das gesamte Nettovermögen einer Person, hier als einmalige Belastung für sehr wohlhabende Bewohner eines US-Bundesstaats diskutiert.
- Eigenkapital: Kapital, das ein Unternehmen durch die Ausgabe neuer Aktien aufnimmt, im Gegensatz zur Aufnahme von Krediten.
