Marvell kauft Lumentum für 115 Milliarden Dollar im KI-Wettlauf
Der Chipkonzern setzt mit einem der größten Deals des Jahres 2026 auf optische Komponenten und verschärft den Wettbewerb mit Broadcom.

Marvell Technology übernimmt den Hersteller optischer Komponenten Lumentum in einem Deal im Wert von 115 Milliarden Dollar. Damit verschärft der auf maßgeschneiderte Chips spezialisierte Konzern seine Herausforderung an den größeren Rivalen Broadcom. Der am Montag bekannt gegebene Zukauf ist einer der größten des Jahres 2026 und zugleich eine der bislang mutigsten unternehmerischen Wagnisse auf den KI-Boom, von dem Chip-Führungskräfte erwarten, dass er die Nachfrage der Branche noch über Jahre stützen wird.
Lumentum ist etwa halb so groß wie Marvell. Mit dem Kauf setzt Marvell darauf, dass der Ausgabenboom der großen Technologiekonzerne für künstliche Intelligenz anhält und die Nachfrage nach optischen Komponenten, die für den schnellen Transport von Daten sorgen, das Angebot weiterhin übersteigt. Marvell-Chef Matt Murphy und Lumentum-Chef Michael Hurlston wollen den Deal am Montag um 9:15 Uhr ET im Fernsehen erläutern.
Bemerkenswert ist die Rolle von Nvidia: Der KI-Chip-Gigant hat Anfang dieses Jahres jeweils zwei Milliarden Dollar in Marvell und in Lumentum investiert. Beide Unternehmen sind damit bereits über Kapitalbeteiligungen des Marktführers miteinander verbunden.
Marvell steigt vom Nischenanbieter zum 170-Milliarden-Konzern auf
Vor nur drei Jahren war Marvell ein relativ unbekannter Chip-Hersteller. Seither ist der Marktwert auf mehr als 170 Milliarden Dollar gestiegen – vor allem dank der Rolle des Unternehmens bei der Entwicklung kundenspezifischer KI-Chips für Tech-Riesen wie Amazon sowie bei Netzwerktechnologie für Rechenzentren. Im August gelang Marvell einer der größten Erfolge: ein Vertrag über Chips, die neben Googles KI-Prozessoren eingesetzt werden und bis zum Geschäftsjahr 2033 Verkäufe von bis zu 120 Milliarden Dollar generieren könnten. Im Gegenzug erhält der Suchmaschinenkonzern das Recht, einen Anteil im Wert von 12,2 Milliarden Dollar zu kaufen.
Der Umsatz hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt – von drei Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2021 auf 8,2 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2026. Im Juni erreichten die Marvell-Aktien ein Rekordhoch, nachdem Nvidia-Chef Jensen Huang das Unternehmen als das nächste „Billionen-Dollar-Unternehmen“ bezeichnet hatte.
Der Zukauf soll Marvell im Duell mit Broadcom stärken
Der Deal vom Montag könnte Marvell zusätzliche Muskeln im Rennen mit Broadcom verleihen. Der Wettbewerber ist seit Langem der wichtigste Partner für kundenspezifische Chips des zu Alphabet gehörenden Google und bietet seinen Kunden eine breitere Palette an KI-Rechenzentrumshardware unter einem Dach. Mit Lumentum käme Marvell dem Ziel näher, ebenfalls mehrere Bausteine der Infrastruktur aus einer Hand liefern zu können.
Marvell hat seine Photonik-Sparte in diesem Jahr bereits ausgebaut. Im Februar schloss das Unternehmen den 3,5 Milliarden Dollar teuren Kauf von Celestial AI ab, weil der steigende Einsatz von KI-Agenten und Chatbots die Nachfrage nach schnelleren optischen Verbindungen treibt, die Tausende von Chips in KI-Rechenzentren miteinander verbinden. Die Übernahme von Lumentum ist Marvells größter Kauf seit dem 10-Milliarden-Dollar-Zukauf von Inphi im Jahr 2021.
Kursdruck und ein mögliches Verbot chinesischer Transceiver
Für Anleger verlief die Entwicklung zuletzt unerfreulich. Seit die Gespräche zwischen Marvell und Lumentum Ende des vergangenen Monats erstmals öffentlich berichtet wurden, sind die Lumentum-Aktien um rund acht Prozent und die Marvell-Aktien um rund 22 Prozent gefallen. Hintergrund war ein breit angelegter Ausverkauf bei Chipwerten, der sich beschleunigte, nachdem Intel eine schwache Prognose veröffentlicht hatte.
Lumentum konkurriert mit dem in den USA gelisteten Anbieter Coherent und mit Chinas Zhongji Innolight. Das Unternehmen könnte von einem vorgeschlagenen US-Verbot neuer chinesischer optischer Transceiver profitieren, weil ein solcher Schritt die Nachfrage hin zu inländischen Lieferanten verschieben würde. Ob und wann eine solche Regelung kommt, ist in der Meldung nicht ausgeführt.
Für deutsche Anleger ist der Deal vor allem ein Signal für die Verschiebung der Wertschöpfung in KI-Rechenzentren: Neben den eigentlichen Beschleunigerchips gewinnt die Datenübertragung zwischen Tausenden von Prozessoren an Bedeutung. Genau in diesem Segment baut Marvell mit dem Zukauf von Lumentum seine Position aus – in direkter Konkurrenz zu Broadcom.
