Lindner meldet Milliardenlücke im Haushalt
Ampel-Koalition ringt um Einsparungen und verfassungsrechtliche Bedenken bei Zuschüssen

Die Diskussionen um den Bundeshaushalt 2025 sorgen erneut für Unruhe in der Ampel-Regierung. Finanzminister Christian Lindner (FDP) meldet eine Finanzierungslücke von etwa fünf Milliarden Euro, ohne konkrete Vorschläge zu deren Schließung zu machen. Im ZDF-Sommerinterview äußerte sich Lindner zuversichtlich, dass sich eine tragfähige Lösung finden lasse. Bis Mitte August sollen Beratungen mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) stattfinden, bevor der Haushaltsentwurf in den Bundestag geht und Ende November beschlossen werden soll.
Die drei Spitzen der Ampel-Koalition hatten Anfang Juli verkündet, einen Kompromiss zum Haushalt gefunden zu haben, nachdem wochenlang um eine Lücke von mindestens 30 Milliarden Euro gerungen wurde. Dies sollte ohne allzu harte Sparmaßnahmen erreicht werden. Allerdings äußerte Lindner damals bereits Zweifel an mehreren Vorhaben und ließ diese verfassungsrechtlich sowie wirtschaftlich prüfen. Der Minister betonte, dass die Prüfungen durch unabhängige Experten vereinbart worden seien. Das Ergebnis dieser Prüfungen liegt nun vor und zeigt verfassungsrechtliche Bedenken bei Zuschüssen für die Deutsche Bahn und die Autobahn GmbH auf, die als Darlehen umgewidmet werden sollen. Unklar ist, ob diese Darlehen zurückgezahlt werden können, wodurch die Schuldenbremse in Gefahr gerät.
Das Finanzministerium schlussfolgerte, dass neu über die Ausgaben verhandelt werden muss. Die FDP erwartet von SPD und Grünen Vorschläge für Einsparungen. Lindner selbst machte jedoch keine Vorschläge, betonte aber, dass es "keine Steuererhöhungen für die arbeitende Mitte" geben werde. Die SPD kritisiert Lindner scharf und der Haushaltsstreit in der Ampel-Koalition geht somit in eine neue Runde. Die Union fordert unterdessen Kürzungen bei Sozialleistungen. Der Parlamentsgeschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei, betont die Notwendigkeit, die Prioritäten im Bundeshaushalt in Richtung mehr Investitionen in die Infrastruktur zu verschieben. Dies bedeute auch Einsparungen bei den konsumtiven Ausgaben, wie Sozialleistungen oder Entwicklungshilfe.
Der Investitionsstau in Deutschland sei auf zu geringe investive Ausgaben und zu hohe konsumtive Ausgaben zurückzuführen, so Frei. Eine schnelle Änderung sei notwendig, um den Wirtschaftsstandort Deutschland nicht weiter zu gefährden. Die Diskussionen um den Bundeshaushalt bleiben somit ein zentrales Thema und die Suche nach einer Lösung zur Schließung der Finanzierungslücke wird in den kommenden Wochen intensiv weitergeführt.
