Lila Ibrahim: Googles KI-Readiness-Chefin bereitet die Welt vor
Lila Ibrahim ist Chief AI Readiness Officer bei Google DeepMind – möglicherweise die einzige Person weltweit mit diesem Titel.

Lila Ibrahim bekleidet eine Position, die es so wohl kein zweites Mal auf der Welt gibt: Als Chief AI Readiness Officer bei Google DeepMind ist sie dafür verantwortlich, Arbeitnehmer, Schulen und Gemeinschaften auf die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz vorzubereiten. CNBC hat sie in die „Changemakers"-Liste 2025 aufgenommen. Anfang dieses Jahres wechselte Ibrahim von ihrer vorherigen Rolle als Chief Operating Officer bei Google DeepMind in diese neue Funktion.
Ibrahim betont, dass ihre Aufgabe nicht die KI-Bereitschaft von DeepMind selbst betrifft. Vielmehr gehe es darum, dem Rest der Welt zu helfen, den beschleunigten Wandel zu verstehen und sich anzupassen. KI bewege sich zunehmend aus dem Labor in weitere Bereiche des täglichen Lebens – von der wissenschaftlichen Forschung und Wettervorhersage bis hin zu Bildung und Produktivität am Arbeitsplatz. Den Titel hätte sie nicht angenommen, wenn sie nicht davon überzeugt wäre, dass sich die Waagschale bei der KI letztlich zum Positiven neigen wird.
Die Details
Ibrahim hat fast ein Jahrzehnt damit verbracht, Google DeepMind beim Aufbau künstlicher Intelligenz zu unterstützen und den ethischen sowie existenziellen Fragen zuvorzukommen, die mit der rasant fortschreitenden Technologie einhergehen. Für sie stellt sich nicht die Frage, ob oder wie genau KI leistungsfähiger werden wird. Die entscheidende Frage sei vielmehr, ob die Menschen ein Mitspracherecht bei ihrer Anwendung haben. „Auch wenn ich vielleicht nicht weiß, was sie tun wird, weiß ich, dass wir immer noch die Handhabe haben, den Weg dorthin zu gestalten", sagte sie.
Dabei legt Ibrahim großen Wert auf die Einbeziehung der betroffenen Gemeinschaften: „Man kann die richtige Zukunft nur gemeinsam mit den Gemeinschaften gestalten, die von ihr betroffen sein werden." Arbeitnehmern, die mit Schlagzeilen über KI-bedingte Entlassungen und Automatisierung konfrontiert sind, gibt sie einen pragmatischen Rat: Beginnen Sie, die Technologie zu nutzen.
Im eigenen Arbeitsalltag bei DeepMind setzt Ibrahim dies konsequent um. Den für sie „transformativsten" KI-Anwendungsfall sieht sie bei Briefing-Dokumenten. „Ich bin unter anderem deshalb in den Ingenieursbereich gegangen, weil ich nicht viel lesen und schreiben wollte. Die Fähigkeit, Informationen so zusammenzufassen, dass ich sie sehr schnell aufnehmen kann, war bahnbrechend – nicht nur für mich, sondern auch für das Team, das diese Unterlagen vorbereiten muss", erklärte sie. Effizienz in diesem Bereich schaffe Freiräume für das eigentliche Denken und die wirklich wertschöpfende Arbeit.
Ibrahim unterteilt ihre Methode für tägliche KI-Anwendungsfälle in drei Fragen, die sie allen Teammitgliedern stellt. Die dritte dieser Fragen betrifft das Element des menschlichen Talents – und sie betonte, dass dies entscheidend sei. „Dafür müssen wir einstellen; das müssen wir belohnen. Das ist es, was wir bei unseren Mitarbeitern weiterentwickeln wollen", sagte sie. Für sie selbst gilt dasselbe Prinzip: „KI kann helfen, all meine Aufgaben zu automatisieren, aber sie kann nicht meine Dienstage automatisieren."
Hintergrund: Was bisher geschah
Das Thema KI und Arbeitswelt beschäftigt Expertinnen und Experten weltweit seit Monaten intensiv. Bereits am 30. September 2026 berichtete aktien.news über Gina Raimondo, ehemalige US-Handelsministerin, die sich als Optimistin in Bezug auf KI bezeichnet, aber gleichzeitig vor massiven Entlassungen warnt, die den sozialen Zusammenhalt gefährden könnten. Raimondo betonte, die Vorteile der KI müssten breitenwirksam ankommen.
Am 1. Oktober 2026 berichtete aktien.news vom CNBC AI Forum in Dallas, Texas, wo Führungskräfte aus Wirtschaft und Forschung die praktische Herausforderung diskutierten, von einzelnen KI-Experimenten zur unternehmensweiten Einführung zu gelangen. Am 23. September 2026 zeigte ein Bericht, wie KI in der Londoner Werbeagentur Catalyst bereits Routinearbeit übernimmt und ein einzelner Mitarbeiter heute fünf Kundenkonten betreuen kann – eine Aufgabe, für die zuvor mehrere Mitarbeiter nötig waren. Eine ifo-Studie vom 13. Juni 2026 ergab zudem, dass knapp 20 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen es für leicht oder sehr leicht halten, Hochschulabsolventen durch KI-gestützte, geringer qualifizierte Kräfte zu ersetzen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger verdeutlicht Ibrahims Rolle, dass die großen Technologiekonzerne das Thema gesellschaftliche KI-Vorbereitung zunehmend als strategische Aufgabe begreifen. Google DeepMind schafft mit dieser Position ein Signal: Die Akzeptanz von KI in der Breite der Gesellschaft ist eine Voraussetzung für den langfristigen Erfolg der Technologie. Unternehmen, die frühzeitig in die Qualifizierung ihrer Belegschaft investieren und KI sinnvoll in Arbeitsprozesse integrieren, dürften langfristig wettbewerbsfähiger sein.
Die von Ibrahim beschriebene Effizienzsteigerung durch KI bei Routineaufgaben wie der Zusammenfassung von Briefing-Dokumenten zeigt, dass der Nutzen nicht nur in spektakulären Anwendungsfällen liegt, sondern im Alltag. Für Anleger, die in KI-nahe Unternehmen investieren, ist die gesellschaftliche Akzeptanz und die Fähigkeit zur breiten Implementierung ein wesentlicher Faktor für nachhaltiges Wachstum.
Ausblick
CNBC nimmt ab sofort Nominierungen für die „Changemakers"-Liste 2027 entgegen. Ibrahim selbst plant, den KI-Lernprozess auch für jüngere Generationen voranzutreiben: Mit Blick auf ihre zwei Töchter im Teenageralter betont sie, dass die Vorbereitung auf KI lange vor dem Eintritt ins Berufsleben beginnen müsse. Rückblickend auf ihren Werdegang – vom Studium der Elektrotechnik über die Arbeit am Design des Pentium-Prozessors von Intel bis hin zu Google DeepMind – sieht sie lebenslanges Lernen als Kernkompetenz: „Alles, was wir tun können, ist, die Liebe zum Lernen und zur Neugier zu lehren sowie die Resilienz, zu wissen, dass Veränderungen kommen und dass man tatsächlich eine Rolle dabei spielen kann, wie dieser Wandel geschieht."
Kurz erklärt
- AI Readiness: Bezeichnet den Grad der Vorbereitung von Einzelpersonen, Organisationen oder Gesellschaften auf den Einsatz und die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz.
- Chief Operating Officer (COO): Eine Führungsposition in einem Unternehmen, die für das operative Tagesgeschäft und die Umsetzung der Unternehmensstrategie verantwortlich ist.
- Automatisierung: Der Einsatz von Technologie, um Aufgaben oder Prozesse ohne oder mit minimalem menschlichem Eingriff auszuführen.
