Kryptowährungen mit Potenzial: Können Hyperliquid und Co. Bitcoin überholen?
Mehrere schnell wachsende Kryptowährungen könnten Bitcoin langfristig überholen, doch die dafür nötigen Wachstumsraten gelten als äußerst unwahrscheinlich.

Bitcoin hat im vergangenen Jahrzehnt eine jährliche Wachstumsrate von 34 Prozent erzielt. Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte die älteste Kryptowährung der Welt nach fünf Jahren einen Wert von 7 Billionen US-Dollar erreichen. Diese Rechnung stammt aus einer Analyse des US-Finanzportals Motley Fool, das sich mit der Frage beschäftigt, ob Bitcoin seine Spitzenposition im Kryptomarkt verteidigen kann.
Denn mehrere schnell wachsende Kryptowährungen haben laut dem Bericht das Potenzial, Bitcoin zu überholen. Konkret genannt werden vier Projekte: Hyperliquid, Zcash, NEAR Protocol und Venice. Alle vier zeichnen sich durch ein besonders rasches Wachstum aus und könnten in einem Zeitraum von fünf Jahren mehr wert sein als Bitcoin.
Die entscheidende Einschränkung folgt jedoch unmittelbar: Anleger müssten damit rechnen, dass die extrem hohen Wachstumsraten über fünf Jahre hinweg anhalten. Der Bericht stuft dieses Szenario als äußerst unwahrscheinlich ein. Die Vorstellung, dass eine der genannten Kryptowährungen Bitcoin überflügelt, bleibt damit eine theoretische Möglichkeit – keine belastbare Prognose.
Die Details
Im Zentrum der Analyse steht eine einfache Rechnung. Bitcoin wuchs über das vergangene Jahrzehnt um durchschnittlich 34 Prozent pro Jahr. Würde dieses Tempo beibehalten, ergäbe sich in fünf Jahren ein Wert von 7 Billionen US-Dollar für die Kryptowährung. Diese Zahl ist das Resultat einer Fortschreibung, nicht einer Zusage – sie beschreibt eine Möglichkeit, kein garantiertes Ergebnis.
Der Bericht nennt vier Kryptowährungen, denen zugetraut wird, Bitcoin langfristig zu übertreffen: Hyperliquid, Zcash, NEAR Protocol und Venice. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Projekte mit jeweils eigenen technischen Ansätzen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie zuletzt ein überdurchschnittlich starkes Wachstum zeigten.
Entscheidend ist der Zeitrahmen. Die Analyse legt einen Horizont von fünf Jahren zugrunde. Innerhalb dieser Spanne müssten die genannten Kryptowährungen ihre Dynamik nicht nur halten, sondern deutlich beschleunigen, um Bitcoin zu überholen. Genau an dieser Anforderung scheitern nach Einschätzung des Portals die meisten Wachstumsgeschichten im Kryptosektor.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Frage nach dem langfristigen Potenzial von Bitcoin und seinen Herausforderern beschäftigt aktien.news seit Monaten. Bereits am 09.05.2026 berichtete aktien.news über die wachsende Zahl von Bitcoin-Millionären. Laut dem damaligen Crypto Wealth Report von Henley & Partners zählte man Ende 2025 weltweit 145.100 Bitcoin-Millionäre – ein Anstieg von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In sieben der letzten 14 Jahre erzielte Bitcoin eine Jahresrendite von 100 Prozent oder mehr.
Deutlich nüchterner fiel der Bericht vom 12.06.2026 aus. Damals berichtete aktien.news über ein viel beachtetes Fair-Value-Modell für Bitcoin, das zu dem Ergebnis kommt, dass die annualisierte Rendite der Kryptowährung über mehrere Jahrzehnte hinweg bei weniger als 1 % liegt. Das Modell basiert auf dem Metcalfe'schen Gesetz aus der Netzwerktheorie, wonach der Wert eines Netzwerks proportional zum Quadrat der Anzahl seiner Teilnehmer wächst.
Auch einer der nun genannten Herausforderer war bereits Thema. Am 20.04.2026 berichtete aktien.news über Hyperliquid. Die dezentrale Kryptobörse erreichte seit ihrem Token-Launch im November 2024 eine Marktkapitalisierung von 10,6 Milliarden US-Dollar – ganz ohne einen einzigen Dollar an Risikokapital. Die Plattform spezialisiert sich auf den Handel mit Perpetual Futures, also unbefristeten Finanzkontrakten. Ihr nativer Token trägt das Kürzel HYPE, und seit dem Start generierte das Protokoll Handelsgebühren von mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar.
Schließlich ordnete aktien.news am 22.04.2026 die Rolle von Bitcoin im Markt ein. Damals hieß es, Bitcoin bleibe unangefochten der König der Kryptowährungen und mache fast 60 % der gesamten Krypto-Marktkapitalisierung aus – trotz jüngster Kursverluste. Diese dominante Stellung mache Bitcoin sowohl für institutionelle als auch für private Anleger zur bevorzugten und vergleichsweise risikoärmeren Wahl im digitalen Asset-Bereich.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefert der Bericht vor allem eines: eine Einordnung der Erwartungen. Die genannten 34 Prozent jährliches Wachstum über ein Jahrzehnt sind außergewöhnlich. Sie in die Zukunft fortzuschreiben, ist eine mathematische Übung – und der Bericht selbst warnt, dass die dafür nötigen Raten über fünf Jahre äußerst unwahrscheinlich sind.
Zugleich zeigt der Blick in die jüngere Berichterstattung, wie weit die Einschätzungen auseinanderliegen. Während der Crypto Wealth Report im Mai 2026 die Vermögensaufbaukraft von Bitcoin betonte, kam das Fair-Value-Modell im Juni 2026 zu einer annualisierten Rendite von weniger als 1 %. Beide Perspektiven beschreiben unterschiedliche Blickwinkel auf dasselbe Asset.
Wer über Kryptowährungen nachdenkt, sollte zudem die Dominanz von Bitcoin im Blick behalten. Mit fast 60 % der gesamten Krypto-Marktkapitalisierung stellt Bitcoin den Maßstab, an dem sich alle Herausforderer messen lassen müssen. Eine Kryptowährung, die Bitcoin überholen will, muss diesen Maßstab nicht nur erreichen, sondern übertreffen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten – der Bericht liefert eine Momentaufnahme, keine Anlagestrategie.
Ausblick
Der Bericht legt einen klaren Zeithorizont fest: fünf Jahre. Innerhalb dieser Spanne könnte Bitcoin bei fortgesetzter Dynamik einen Wert von 7 Billionen US-Dollar erreichen. Ebenso nennt er vier Kandidaten – Hyperliquid, Zcash, NEAR Protocol und Venice –, denen zugetraut wird, diese Marke zu übertreffen.
Ob eines dieser Projekte tatsächlich an Bitcoin vorbeizieht, hängt davon ab, ob es seine Wachstumsraten über die gesamten fünf Jahre halten kann. Genau das hält der Bericht für äußerst unwahrscheinlich. Für Anleger bleibt damit vor allem die Erkenntnis, dass schnelles Wachstum in der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft ist.
Kurz erklärt
- Bitcoin: die erste und am besten etablierte Kryptowährung, die den Maßstab des Kryptomarkts bildet.
- Marktkapitalisierung: der Gesamtwert aller im Umlauf befindlichen Einheiten einer Kryptowährung.
- Perpetual Futures: unbefristete Finanzkontrakte, mit denen Anleger auf Preisbewegungen spekulieren.
