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Europas Banken: Regulierungsreform könnte zwei Billionen Euro Kredite freisetzen

Einfachere Bankenvorschriften in der EU könnten laut Branchenverbänden die Kreditvergabe massiv ankurbeln und das Wirtschaftswachstum stärken.

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Europas Banken: Regulierungsreform könnte zwei Billionen Euro Kredite freisetzen

Der europäische Bankensektor könnte die Kreditvergabe um mehr als zwei Billionen Euro steigern – vorausgesetzt, die Regulierungsbehörden vereinfachen die bestehenden Vorschriften, ohne dabei die finanzielle Widerstandsfähigkeit zu gefährden. Das erklärte Alejandra Kindelan, Leiterin des spanischen Bankenverbandes AEB, am Freitag in Madrid. Die Aussage unterstreicht den wachsenden Druck der Branche auf europäische Entscheidungsträger, die regulatorische Last zu reduzieren.

Die AEB und ihre Partnerverbände CECA und UNACC machen regulatorische Komplexität und sich überschneidende Kapitalanforderungen für eine eingeschränkte Kreditvergabe verantwortlich. Allein in Spanien, so die Schätzung der Verbände, könnte eine Vereinfachung der Regeln die Kreditvergabe um rund 250 Milliarden Euro erhöhen. Dies würde nicht nur der spanischen Wirtschaft zugutekommen, sondern auch das BIP-Wachstum in der gesamten Eurozone ankurbeln.

Investitionslücke und Wettbewerbsdruck

Der Ruf nach Reformen kommt nicht von ungefähr: Europas Banken hatten bereits in der Vorwoche auf einfachere Regeln gedrängt und dabei auf eine wachsende jährliche Investitionslücke von 1,4 Billionen Euro hingewiesen. Diese Lücke gefährdet nach Ansicht der Branche die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents – insbesondere in strategisch wichtigen Bereichen.

Carlos Torres, Verwaltungsratsvorsitzender der spanischen Großbank BBVA, und Santander-CEO Hector Grisi warnten auf der Finanzveranstaltung in Madrid eindringlich vor den Folgen schwacher Investitionen und regulatorischer Fragmentierung. „Ohne (Investitionen) läuft die Region Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten, insbesondere in schnelllebigen Bereichen wie Technologie, Energie und Verteidigung", sagte Torres. Die Botschaft der Bankenchefs ist klar: Europa muss handeln, um im globalen Wettbewerb nicht abgehängt zu werden.

EZB und Europäische Kommission im Fokus

Auf politischer Ebene bewegt sich ebenfalls etwas. Eine Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit des Bankensektors durch die Europäische Kommission wird für Juli erwartet, legislative Vorschläge sollen voraussichtlich im Jahr 2027 folgen. Laut einem Bericht der Financial Times, der sich auf einen Entwurf eines Kommissionsberichts stützt, plant die EU zudem, Hindernisse zu beseitigen, die Banken daran hindern, Gelder innerhalb des Blocks zu transferieren.

Der Gouverneur der spanischen Zentralbank, Jose Luis Escriva, betonte auf der Veranstaltung, dass die „Beseitigung von Barrieren", welche die EU-Bankenmärkte fragmentieren, der Schlüssel zur grenzüberschreitenden Integration und zur Steigerung der Kreditvergabe sei. Gleichzeitig mahnte er zur Vorsicht: „Dies erfordert jedoch die Vollendung der Bankenunion mit klaren Schutzmaßnahmen, um sicherzustellen, dass Mutterbanken ihre Tochtergesellschaften in Stressphasen unterstützen."

Spagat zwischen Deregulierung und Stabilität

Die Debatte spiegelt einen globalen Trend wider: Regulierungsbehörden weltweit erwägen eine Entlastung der Banken, um Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum zu fördern. In Europa ist der Spielraum jedoch begrenzt. Die Europäische Zentralbank hatte zuvor eine Straffung der Regeln vorgeschlagen, ohne die allgemeinen Kapitalanforderungen zu lockern – und die europäischen Banken wurden darauf vorbereitet, keine größeren Änderungen zu erwarten.

Für deutsche Privatanleger und Sparer ist die Entwicklung relevant: Eine stärkere Kreditvergabe der europäischen Banken könnte Investitionen in Schlüsselbranchen anschieben, die Konjunktur beleben und mittelfristig auch die Ertragslage der Banken verbessern. Ob und wann konkrete Reformen kommen, hängt jedoch vom politischen Prozess in Brüssel ab – und der ist erfahrungsgemäß langwierig.

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