Iranische Beamte pessimistisch: Kein US-Deal vor den Zwischenwahlen
Intern rechnen iranische Beamte damit, dass der Konflikt mit Washington nach dem 3. November eskalieren könnte.

Iranische Beamte haben intern ihren Pessimismus darüber geäußert, dass vor den US-Zwischenwahlen im November noch ein Abkommen zur Beendigung der Feindseligkeiten mit Washington und zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus zustande kommt. Das berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Gespräche zwischen dem Iran und den USA hatten während der Verhandlungen in New York am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen in der vergangenen Woche nur geringe Fortschritte erzielt.
Nach Angaben dieser Personen, von denen einige von iranischen Beamten unterrichtet wurden, geht die Islamische Republik davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der Konflikt nach der Wahl am 3. November eskaliert. Die Quellen baten um Anonymität, da sie sich über sensible Themen äußerten. Damit trübt sich die Hoffnung auf eine rasche diplomatische Lösung des seit Monaten andauernden Konflikts weiter ein.
Für die Finanzmärkte ist die Entwicklung von erheblicher Bedeutung, hängt doch die Wiedereröffnung der Straße von Hormus unmittelbar mit der Versorgungslage an den globalen Öl- und Gasmärkten zusammen. Solange die Meerenge blockiert bleibt, dürften die Energiepreise unter Aufwärtsdruck stehen.
Die Details
Im Zentrum der jüngsten Gespräche standen die Beendigung der Feindseligkeiten und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Die Verhandlungen fanden in New York am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen statt und brachten nach Einschätzung der Beteiligten nur geringe Fortschritte. Der Zeitpunkt der US-Zwischenwahlen im November gilt dabei als entscheidende Marke: Aus Sicht der iranischen Führung sinkt die Aussicht auf eine Einigung, je näher dieser Termin rückt.
Die mit der Angelegenheit vertrauten Personen, von denen einige von iranischen Beamten unterrichtet wurden, beschreiben die Stimmung in Teheran als pessimistisch. Die Islamische Republik erwartet demnach vielmehr eine Eskalation nach dem Wahltermin am 3. November. Die Quellen äußerten sich nur unter der Bedingung der Anonymität, da es sich um sensible Informationen handelt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 07.05.2026 berichtete aktien.news, dass die USA und der Iran einen neuen Vorschlag zur Beendigung des Krieges sondierten. Präsident Donald Trump suchte damals nach einem Ausweg aus einem Konflikt, der die Energiepreise in die Höhe getrieben und seinem politischen Ansehen geschadet hatte. Die Gespräche befanden sich in einem frühen Stadium, eine Einigung war bislang nicht erzielt worden. Washington hatte laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person eine einseitige Absichtserklärung vorgelegt, die eine schrittweise Wiedereröffnung der Straße von Hormus sowie die Aufhebung der US-Blockade iranischer Häfen vorsah.
Am 25.04.2026 berichtete aktien.news, dass interne Spaltungen innerhalb der iranischen Führung die Aussichten auf eine rasche Beilegung des Iran-Krieges zunehmend gefährdeten. Während die Trump-Administration auf einen diplomatischen Durchbruch drängte, um die globalen Energiemärkte zu stabilisieren, drohte das Tauziehen in Teheran zwischen pragmatischen Beamten und gestärkten Hardlinern die Dynamik der vorangegangenen Verhandlungsrunde zunichtezumachen. Im Zentrum der Reibungen stand die Frage, wie weit der Iran bei Zugeständnissen gehen kann, um eine Lockerung der Sanktionen zu erreichen. Mitglieder der iranischen Delegation hatten Bereitschaft signalisiert, bei kritischen Themen – darunter das Atomprogramm des Landes – entgegenzukommen.
Am 30.05.2026 berichtete aktien.news, dass Teheran aus strategischem Kalkül zögerte. Ein wachsender Chor von US-Politikern und Experten verurteilte jede Vereinbarung, die dem Iran Milliarden einbringt, während er gleichzeitig die Kontrolle über die Meerenge und ein Nuklearprogramm behält. US-Beamte machten die Unbeugsamkeit Teherans für die gespaltene iranische Führung verantwortlich. In Teheran ging es jedoch um eine andere Frage: Wie klug es ist, der US-Regierung überhaupt zu vertrauen.
Am 23.09.2026 berichtete aktien.news, dass der Iran über einen katarischen Vermittler in New York seine Bedingungen für eine Beendigung des siebenmonatigen Konflikts mit den USA übermittelt hatte. Der Vorschlag Teherans hätte die Wiedereröffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus ermöglichen können, durch die vor dem Krieg etwa ein Fünftel der globalen Öl- und Gaslieferungen transportiert wurden. Die iranischen Rohölexporte waren unterdessen vollständig zum Erliegen gekommen, nachdem die USA ihre Seeblockade wieder eingeführt hatten. Laut dem Analysehaus Kpler waren die iranischen Rohölladungen im September auf null gefallen, nachdem sie im Juli noch bei 893.000 Barrel pro Tag gelegen hatten.
Was das für Anleger bedeutet
Die jüngste Meldung reiht sich in eine Serie von Berichten ein, die allesamt auf eine zähe und von Rückschlägen geprägte Verhandlungsdynamik hindeuten. Für deutsche Privatanleger ist vor allem die Verbindung zwischen dem Konflikt und den Energiemärkten relevant. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Seerouten für Öl- und Gaslieferungen weltweit; vor dem Krieg wurden durch sie nach Angaben aus dem Archivmaterial etwa ein Fünftel der globalen Lieferungen transportiert. Bleibt die Meerenge blockiert, könnte dies die Preise für Energie und damit auch die Inflationsentwicklung beeinflussen.
Hinzu kommt die bereits vollständig zum Erliegen gekommene iranische Rohölausfuhr. Nach Angaben des Analysehauses Kpler waren die iranischen Rohölladungen im September auf null gefallen, nachdem sie im Juli noch bei 893.000 Barrel pro Tag gelegen hatten. Diese Entwicklung verknappt das globale Angebot zusätzlich. Anleger, die in energieintensive Branchen oder in Rohstoffwerte investiert sind, dürften die weitere Entwicklung daher besonders aufmerksam verfolgen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der entscheidende Termin bleibt die US-Zwischenwahl am 3. November. Aus Sicht der iranischen Beamten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Konflikt nach diesem Datum eskaliert. Ob es zuvor noch zu einer Einigung kommt, ist nach den jüngsten Gesprächen in New York offen – die Verhandlungen hatten dort nur geringe Fortschritte erzielt. Weitere konkrete Termine oder Verhandlungsrunden nennt der vorliegende Bericht nicht.
Kurz erklärt
- Straße von Hormus: Eine strategisch wichtige Meerenge, durch die ein erheblicher Teil der globalen Öl- und Gaslieferungen transportiert wird.
- Zwischenwahlen: Die Wahlen zum US-Kongress, die in der Mitte der Amtszeit eines Präsidenten stattfinden.
- Seeblockade: Die militärische Absperrung von Seehäfen, die den Waren- und Rohstoffverkehr eines Landes unterbindet.
