ANZEIGE

KI und die Engels-Pause: Droht eine neue Verteilungskrise?

Ein historischer Vergleich zur Industriellen Revolution zeigt, wie KI-Investitionen Kapital bereichern könnten – auf Kosten der Arbeitnehmer.

•• 3 Min
KI und die Engels-Pause: Droht eine neue Verteilungskrise?

Wie genau verändert Künstliche Intelligenz unsere wirtschaftlichen Aussichten? Diese Frage beschäftigt Ökonomen, Investoren und Politiker gleichermaßen. Die Bandbreite möglicher Szenarien reicht von der nahenden „Singularität" bis zur schlichten Enttäuschung. Journalist und Autor Ryan Avent beleuchtet in einem Beitrag für die Financial Times eine oft übersehene historische Parallele – und sie ist alles andere als beruhigend.

In den vergangenen Monaten hat sich die öffentliche Meinung zur KI merklich abgekühlt. Als Unternehmen angesichts steigender Nutzerkosten vom sogenannten „Tokenmaxxing" – dem exzessiven Einsatz von KI-Sprachmodellen – Abstand nahmen, wuchs die Skepsis. Ökonom Paul Krugman formulierte es so: „Die rasant steigende Nachfrage nach ‚Compute', mit der die enormen Ausgaben für Rechenzentren gerechtfertigt wurden, verlangsamt sich deutlich und erreicht vielleicht sogar ihren Höhepunkt." Krugman sieht die bisherigen Erkenntnisse eher im Einklang mit einem „bescheideneren, weniger apokalyptischen Szenario".

Doch Avent hinterfragt, ob die abflachende Nachfrage nach Rechenleistung wirklich der richtige Indikator für eine geringere wirtschaftliche Wirkung der KI ist. Bereits im April erhöhten Unternehmen wie OpenAI und Anthropic ihre Nutzerpreise deutlich. Viele Firmen, die Frontier-Modelle für einfache Aufgaben wie das Schreiben von Abwesenheitsnotizen nutzten, stellten fest: Der Gegenwert rechtfertigte die Kosten nicht.

Engpass bei Rechenkapazität treibt Preise

Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass die Preiserhöhungen weniger ein Zeichen schwindender Nachfrage sind, sondern vielmehr eine Reaktion auf massive Kapazitätsengpässe. Nutzer berichteten Anfang des Jahres, dass Anthropic seinen Dienst Claude in Spitzenzeiten gedrosselt habe. Ausfälle nahmen zu. Der frühe Zugang zu Anthropics neuestem Modell „Mythos" wurde offenbar beschränkt, weil schlicht nicht genug Rechenressourcen vorhanden waren, um die erwartete Nachfrage zu bedienen.

Die Logik dahinter ist klassisch ökonomisch: Höhere Preise verdrängen Nutzungen mit geringem Mehrwert und rationieren die knappe Rechenkapazität. Wer echten Nutzen aus der KI zieht, zahlt die höheren Preise – und finanziert damit weitere Investitionen. Dieses Schwungrad, so Avent, könnte sich theoretisch unbegrenzt weiterdrehen: Mehr Rechenleistung ermöglicht leistungsfähigere Modelle, sinkende Kosten erschließen neue Anwendungsfälle.

Die Lehre aus der Industriellen Revolution

Hier zieht Avent eine historische Parallele, die nachdenklich stimmt. Der Wirtschaftshistoriker Robert Allen beschreibt, wie die neuen Technologien der Industriellen Revolution zwar enorme Produktionsmöglichkeiten schufen, aber zunächst massive komplementäre Kapitalinvestitionen erforderten – in mechanische Webstühle, Bergwerke und Eisenbahnen. Die sprunghafte Nachfrage nach knappem Kapital trieb die Profitraten für Kapitalbesitzer in die Höhe, und diese Gewinne flossen wieder in neue Investitionen.

Das Ergebnis war dramatisch: Der Anteil des Kapitals am britischen Nationaleinkommen stieg von etwa 20 Prozent im Jahr 1770 auf fast 50 Prozent im Jahr 1870. Während die Produktion pro Arbeiter stetig zunahm, stagnierte der reale Lebensstandard der Bevölkerung über Jahrzehnte. Allen nennt dieses Phänomen die „Engels-Pause" – benannt nach Friedrich Engels, der in seinem 1845 erschienenen Werk „Die Lage der arbeitenden Klasse in England" das Elend der Industriearbeiter dokumentierte, wenige Jahre bevor er gemeinsam mit Karl Marx das Kommunistische Manifest verfasste.

Engels schrieb damals: „Was soll aus diesen besitzlosen Millionen werden, die nichts besitzen und heute verbrauchen, was sie gestern verdient haben? Die englische Mittelklasse zieht es vor, die Not der Arbeiter zu ignorieren, und dies gilt insbesondere für die Industriellen, die am Elend der Masse der Lohnempfänger reich werden."

Was bedeutet das für die KI-Ära?

Die Parallele ist nicht perfekt, wie Avent selbst einräumt. Seit der Industriellen Revolution hat sich die Welt grundlegend verändert. Der flächendeckende Einsatz immer leistungsfähigerer KI ist kein Selbstläufer: Das Tempo der Modellverbesserungen könnte nachlassen, Regierungen könnten die leistungsfähigsten Modelle aus Sicherheitsgründen einschränken, und KI-Unternehmen könnten bei Preiserhöhungen zögern, um keine Nutzer an Konkurrenten zu verlieren.

Dennoch bleibt die zentrale Frage bestehen: Wenn KI die Wirtschaft tatsächlich transformiert, wird das erforderliche Investitionsvolumen alles übersteigen, was die heutige Generation je erlebt hat. Und wenn die Geschichte der Industrialisierung als Maßstab dient, könnten die nächsten ein bis zwei Jahrzehnte zwar enorme Produktivitätsgewinne bringen – aber diese Gewinne könnten zunächst überproportional dem Kapital zugutekommen, während Löhne und Lebensstandard der breiten Bevölkerung hinterherhinken.

Für deutsche Privatanleger und Arbeitnehmer ist diese Perspektive relevant: Die KI-Debatte sollte nicht nur auf Aktienkurse und Technologiebewertungen verengt werden. Die eigentliche wirtschaftspolitische Frage lautet, wie die Erträge des KI-Zeitalters verteilt werden – und ob die Politik rechtzeitig die richtigen Weichen stellt.

Künstliche Intelligenz WirtschaftEngels-Pause KiKi Investitionen KapitalTokenmaxxing Anthropic OpenaiKi VerteilungsgerechtigkeitIndustrielle Revolution Ki VergleichKi Rechenkapazität Engpass

Meistgelesene News

  1. Galeria-Insolvenz: Schicksal von 12.000 Jobs hängt an BA-Entscheidung
  2. Gaming und Wetten: Krypto-Klage, GTA 6 und Aktivisten-Investor im Fokus
  3. SpaceX-Aktie: Könnte eine Investition von 5.000 Dollar Millionär machen?
  4. Take-Two-Aktie vor GTA-6-Release: Chance oder Risikofalle?
  5. Rheinmetall-Aktie legt 3 Prozent zu – Morgan Stanley beflügelt Rüstungssektor

Disclaimer


Wichtiger Hinweis auf bestehende Interessenkonflikte:

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass im Rahmen dieser Publikation Interessenkonflikte bestehen:

1. Die Stock Market Media Ltd. und ihr nahestehende Personen besitzen Aktien der hier empfohlenen Gesellschaften und beabsichtigen, diese im Rahmen und zu jedem Zeitpunkt dieser Empfehlung zu verkaufen. Hierin besteht ein eindeutiger und konkreter Interessenkonflikt.

2. Der Herausgeber dieser Publikation, sowie die verantwortlichen Redakteure erhalten für die Erstellung eine finanzielle Vergütung. Auch hierin besteht ein eindeutiger und konkreter Interessenkonflikt.

3. Beachten Sie auch die weitergehenden Ausführungen zu bestehenden Interessenkonflikten im nachfolgenden Disclaimer, u.a. unter Ziff. 2.

Wichtige Informationen und Pflichtmitteilungen gemäß Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) sowie gemäß Finanzanlageverordnung (FinAnV).

Stock Market Media Ltd. hat ihre Tätigkeit als Ersteller von Anlagestrategieempfehlungen im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Nummer 34 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 oder von Anlageempfehlungen im Sinne des Artikels 3 Absatz 1 Nummer 35 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014, (bisher „Finanzanalysen“) der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht („BaFin“) gemäß WpHG angezeigt. Die Pflichten der Stock Market Media Ltd. regeln sich primär nach den §§ 85, 86 WpHG, der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 und der Delegierten Verordnung (EU) 2016/958.

Angaben über den/die Ersteller dieser Publikation:
Verantwortlich für die Erstellung der Texte und Inhalte dieser Publikation ist Herr Roberto Gonçalves de Albuquerque, als Analyst und Chefredakteur. Herausgeber ist die Stock Market Media Ltd., 405 Kings Road, Flat 600, London; SW10 0BB, Vereinigtes Königreich, vertreten durch den Director Roberto Gonçalves de Albuquerque.

Wichtige Hinweise zur Erstellung dieser Veröffentlichung:
Diese Veröffentlichung enthält sowohl Tatsachen und Fakten zu den besprochenen Unternehmen, als auch rein subjektive Werturteile, Interpretationen, Schätzungen, Hochrechnungen, Vorhersagen und Preisziele. Diese versuchen wir, möglichst transparent voneinander abzugrenzen, um irreführende Angaben zu vermeiden. Recherche, Aufbereitung und Formulierung erfolgen dabei unter Einsatz gängiger digitaler und KI-gestützter Hilfsmittel; die inhaltliche Prüfung und die redaktionelle Verantwortung liegen bei uns. Die wesentlichen Grundlagen und Maßstäbe unserer Werturteile und Bewertungen, der besprochenen Aktien, basieren auf folgender Vorgehensweise:

Beurteilung und Bewertung von Unternehmen nach herkömmlichen Bewertungsmethoden (grundlegender Bewertungsansatz)

  • Einschätzung des Potentials der zukünftigen Unternehmensentwicklung (Wachstumsansatz) und Hochrechnung auf das entsprechende Bewertungspotential (Kurs-Potential-Analyse) sowie einer möglichen Unternehmens-Aktien-Bewertung aufgrund potentieller Gewinnerwartungen (KGV Hochrechnung)
  • Einschätzung des von uns erwarteten Best-Case-Szenarios im absoluten Erfolgsfall des Unternehmens (Blue-Sky-Potential-Ansatz)
  • Effekt der von uns erwarteten, gesteigerten Bekanntheit der empfohlenen Aktie auf den Aktienkurs durch einen starken Anstieg der Nachfrage am Markt (insbesondere maßgeblich bei marktengen oder neu bzw. erstmals empfohlenen Aktien) aufgrund der von uns oder Dritten veröffentlichten Publikationen (meistens Kaufempfehlungen), (Multiplikator- / Momentum-Effekt, Hype), dadurch überproportional steigende Rendite/Aktienkurs bei entsprechend steigendem Risiko
  • Technische Analyse des Aktienkurses gemäß gängiger Analyse-Methoden, meist zur Voraussage von Kurs-Signalen (Kauf- oder Verkaufssignal, Ausbruch der Aktie, Festlegung von Kurszielen, Unterstützungs- oder Widerstandsbereichen, erwarteten Mindestbewegungen oder Mindest-Gegenbewegungen, Voraussage von Signalpunkten (wenn-dann), etc.), größtenteils auf der erwarteten Massenpsychologie aufbauend. (technischer Ansatz).

Herkömmliche Bewertungsansätze sind bei jungen oder noch umsatzlosen Unternehmen oft schlecht sinnvoll anwendbar. Daher stützen wir uns bei der Bewertung von solchen Unternehmen tendenziell auf die von uns errechnete Potential-Analyse, sowie die Einschätzung der Nachfrage nach solchen Aktien am Kapitalmarkt. Letztendlich entscheidet der Markt über den Aktienkurs eines Unternehmens. Entsteht durch umfangreiche Empfehlungen einer Aktie, eine exzessive Nachfrage nach dieser, ist es möglich, dass der Aktienkurs bei einem hohen Handelsvolumen überdurchschnittlich steigt. Dies führt zwar zu extremen Gewinnmöglichkeit, erhöht jedoch entsprechend das Risiko einer Blasenbildung mit entsprechendem Kursrückgang. Durch die gesteigerte Volatilität der Aktie in solchen Situationen ergeben sich überdurchschnittliche Gewinn- und Verlustmöglichkeiten, sowohl in beide Handelsrichtungen als auch bei wiederkehrenden Gegenbewegungen. Auch solche Marktentwicklungen sind ein wichtiger Teil unserer Handelsempfehlungen und Bewertungsansätze.

Diese Publikation befasst sich ausschließlich mit überdurchschnittlich volatilen Werten mit hohem Gewinn- und auch Verlustpotential.

Hinweis zu Informationsquellen:
Die Zuverlässigkeit von Informationsquellen wird von uns vor deren Verwendung ausführlich geprüft und von uns entsprechend ihrer Glaubwürdigkeit und Bedeutung subjektiv bewertet. Dabei entscheiden wir nach eigenen Maßstäben, welche Quellen wir für relevant, zu konservativ oder zu optimistisch halten. Letztendlich legen wir unsere Empfehlungen aufgrund unserer persönlichen Einschätzungen fest. Bei der Informationsbeschaffung greifen wir auf zahlreiche öffentlich zugängliche Quellen zurück wie z.B. Pressemitteilungen, Ad-Hoc-Mitteilungen, Unternehmensmeldungen, Firmenpräsentationen, Publikationen und Artikeln zum besprochenen Unternehmen, gängige Finanzmedien im In- und Ausland sowie auf Unternehmens- oder Branchen-Analysen Dritter.

In unseren Publikationen werden ausschließlich öffentlich verfügbare Informationen und Quellen, sowie vom Unternehmen selbst verbreitete Informationen verwendet.

Hinweis zu bestehenden Interessenkonflikten:
Wir weisen hiermit darauf hin, dass Gesellschafter, Redakteure, Mitarbeiter sowie Personen bzw. Unternehmen die an der Erstellung dieser Veröffentlichung beteiligt sind, sowie Auftraggeber (Dritte) der Publikation von Stock Market Media Ltd. zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung direkt oder indirekt Anteile an Wertpapieren, welche im Rahmen der jeweiligen Publikation besprochen werden, halten. und daher an einer Kurs- und/oder Umsatzsteigerung, d.h. auch einer erhöhten Handelsliquidität interessiert sind, da die Absicht besteht, in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser Veröffentlichung diese Wertpapiere zu verkaufen und an steigenden Kursen und Umsätzen zu partizipieren. Ein Kurszuwachs der Aktien der vorgestellten Unternehmen kann zu einem Vermögenszuwachs bei diesen Personen führen. Durch die Besprechung des Unternehmens können jedenfalls der Aktienkurs des Unternehmens erheblich beeinflusst werden. Insbesondere wird auch durch Wertpapiertransaktionen der Aktienkurs der besprochenen Unternehmen maßgeblich beeinflusst. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um Unternehmen handelt deren Aktien keine breite Marktkapitalisierung haben und bei denen nur ein enger Markt besteht. Hier können auch nur geringe Auftragsvolumen erhebliche Auswirkungen auf die Kurse haben. Sie sind aber auch daran interessiert, dass der Kurs des besprochenen Unternehmens sinkt, wenn sie deren Aktien günstiger erwerben wollen. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen.

Stock Market Media Ltd. und seine Mitarbeiter werden zudem für die Vorbereitung, elektronische Verbreitung und Veröffentlichung dieser Publikation sowie für andere Dienstleitungen entgeltlich entlohnt. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen.

Diese Vergütung kann durch das Unternehmen über das die Stock Market Media Ltd. Informationen veröffentlicht, durch mit diesen Unternehmen verbundene Dritte oder sonstige Dritte, die ein Interesse in Bezug auf die im Zusammenhang mit dieser Veröffentlichung besprochenen Unternehmen verfolgen, erfolgen. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen. Dieser wird zunächst dadurch begründet, dass die Stock Market Media Ltd. im Interesse ihres Auftraggebers ihre Ausführungen vornehmen könnte. Die Stock Market Media Ltd. und/oder mit ihr verbundene Unternehmen haben mit der gegenständlichen Gesellschaft bzw. mit deren Aktionären eine kostenpflichtige Vereinbarung zur Erstellung der redaktionellen Besprechung getroffen. Dies begründet laut Gesetz einen Interessenskonflikt, auf den wir hiermit ausdrücklich hinweisen.

Hinweis zur Handhabe der internen Organisationspflichten:
Aufgrund der geringen Unternehmensgröße des Herausgebers, ist eine interne Kontrolle der Compliance Prozesse der an dieser Publikation mitwirkenden Mitarbeiter und sonstigen Beteiligten überschaubar.

Verantwortliche Aufsichtsbehörde:
Die Stock Market Media Ltd. hat ihre Tätigkeit gemäß § 86 WpHG bei der BaFin angezeigt.