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KI-Lieferverträge: Milliarden-Deals sind kein sicheres Fundament

Langfristige Rechenleistungsverträge treiben den KI-Boom an – doch Anleger sollten deren Beständigkeit nicht überschätzen.

• 2 Min
KI-Lieferverträge: Milliarden-Deals sind kein sicheres Fundament

Verträge im Wert von Milliarden US-Dollar sind zum kommerziellen Rückgrat des globalen KI-Booms geworden. KI-Anbieter nutzen diese Vereinbarungen, um Investoren mit Versprechen von Rekordumsätzen und -gewinnen zu beeindrucken. Doch Anleger sollten sich nicht darauf verlassen, dass diese Verträge auch dann Bestand haben, wenn der Boom nachlässt.

Die Vereinbarungen zur Bereitstellung von Rechenleistung für KI-Berechnungen sind mittlerweile so fest im Markt verankert, dass ganze Branchen begonnen haben, sich um sie herum neu zu organisieren. KI-Anbieter betonen, dass diese Verträge ihnen eine beispiellose Vorhersehbarkeit künftiger Umsätze ermöglichen. Das macht sie zu einem zentralen Argument gegenüber Investoren.

Speicherchip-Markt im Wandel

Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend im Geschäft mit Computer-Speichern. Speicheranbieter und ihre Kunden haben in den vergangenen Monaten verstärkt auf längerfristige Verträge gesetzt. Treiber dieser Entwicklung ist das explosive Wachstum autonomer KI-Agenten, die besonders speicherintensiv arbeiten.

Dieser Wandel verändert ein historisch hart umkämpftes, zyklisches Geschäft mit aggressivem Preiswettbewerb grundlegend. Was früher von starken Schwankungen geprägt war, entwickelt sich zu einem deutlich stabileren Marktumfeld. Für die großen Hersteller bedeutet das: Planungssicherheit auf einem neuen Niveau.

Die weltweit führenden Speicherchip-Hersteller profitieren bereits massiv von dieser Entwicklung. Die südkoreanischen Unternehmen Samsung Electronics und SK Hynix sowie der US-amerikanische Konzern Micron Technology fahren allesamt Rekordgewinne ein. Alle drei Unternehmen verweisen auf einen Versorgungsengpass, der ihrer Erwartung nach bis 2028 anhalten wird.

SK Hynix und Micron als Vorreiter

SK Hynix, das diesen Monat Aktien in New York notierte, um von der Begeisterung für Speicherchips zu profitieren, deutete bereits im April in einer Analystenkonferenz an, dass langfristige Verträge die Wahrnehmung des gesamten Speichermarktes verbessern könnten. Das Unternehmen setzt damit bewusst auf das Signal, das solche Vereinbarungen an den Kapitalmarkt senden.

Besonders aktiv beim Abschluss solcher Verträge zeigt sich Micron Technology. Die sogenannten „strategischen Kundenvereinbarungen" des Unternehmens haben in der Regel eine Laufzeit von fünf Jahren und basieren auf dem „Take-or-Pay"-Prinzip. Das bedeutet: Der Käufer muss zahlen, unabhängig davon, ob er die vereinbarte Speicherlieferung tatsächlich abnimmt oder nicht.

Micron-Chef Sanjay Mehrotra erklärte im vergangenen Monat in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen, dass diese Vereinbarungen in den kommenden Jahren mehr als die Hälfte des Unternehmensumsatzes ausmachen würden. Das ist eine bemerkenswerte Aussage, die die strategische Bedeutung dieser Vertragsstruktur für den Konzern unterstreicht.

Was Anleger beachten sollten

Für deutsche Privatanleger, die in KI-nahe Unternehmen investieren, ergibt sich daraus ein differenziertes Bild. Einerseits bieten langfristige Verträge nach dem Take-or-Pay-Modell tatsächlich eine höhere Umsatzsicherheit als klassische Spotmarkt-Geschäfte. Andererseits sind solche Vereinbarungen kein Garant für dauerhaften Erfolg – insbesondere dann nicht, wenn der KI-Hype abflaut oder sich die Nachfrage nach bestimmten Technologien verändert.

Die Entwicklung zeigt, wie tiefgreifend der KI-Boom die Strukturen ganzer Branchen verändert. Ob diese Veränderungen nachhaltig sind oder sich als zyklisches Phänomen erweisen, bleibt eine der zentralen Fragen für Investoren in den kommenden Jahren.

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