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KI-Chip-Boom: Trägt der Speicherchip-Zyklus den Keim des Untergangs?

Der KI-Hype treibt Speicherchiphersteller wie Micron zu Rekordgewinnen – doch die Geschichte des Sektors warnt vor einem jähen Absturz.

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KI-Chip-Boom: Trägt der Speicherchip-Zyklus den Keim des Untergangs?

Der Boom bei Künstlicher Intelligenz beschert Speicherchipherstellern wie Micron Technology außergewöhnliche Gewinne. Doch Branchenkenner warnen: Die zyklische Natur des Sektors könnte den aktuellen Höhenflug schon bald beenden. Investitionen in KI setzen den festen Glauben voraus, dass es „dieses Mal anders ist" – ein Glaube, der in der Vergangenheit oft enttäuscht wurde.

Micron Technology ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Dynamik. Erst vor drei Jahren verzeichnete das Unternehmen seinen bisher größten Verlust. Nun prognostizieren Analysten, dass Micron zur sechstprofitabelsten US-Aktie aufsteigen wird. In den nächsten zwölf Monaten soll das Unternehmen knapp unter 100 Milliarden US-Dollar erwirtschaften – mehr als Schwergewichte wie Meta oder Berkshire Hathaway.

Treiber des Booms: High-Bandwidth-Memory

Der Schlüssel zu diesem Aufstieg liegt im sogenannten High-Bandwidth-Memory (HBM), einem Spezialchip, der für KI-Anwendungen unverzichtbar ist. Micron gehört neben Samsung Electronics und SK Hynix zu den führenden Herstellern dieses Produkts. Alle drei Unternehmen befinden sich derzeit im idealen Bereich des Chipzyklus, was Preise, Gewinne und Aktienkurse gleichzeitig nach oben treibt.

Die Auswirkungen gehen weit über den Chipsektor hinaus. Micron trug maßgeblich dazu bei, dass die Wall Street ihre Gewinnprognosen für den gesamten S&P 500 nach oben revidierte. Die beiden koreanischen Aktien Samsung und SK Hynix haben den südkoreanischen Markt in diesem Jahr zum weltweit performancestärksten gemacht – ein Zeichen dafür, wie stark der KI-Chip-Boom ganze Volkswirtschaften bewegt.

Das Dilemma der Überkapazitäten

Doch genau hier liegt das strukturelle Problem der Branche. Speicherchips gelten als Paradebeispiel einer hochgradig zyklischen Industrie. Der Bau einer Fertigungsanlage – im Fachjargon „Fab" genannt – erfordert enorme Investitionen und dauert mehrere Jahre. Wenn die Nachfrage steigt, kann das Angebot nicht sofort nachziehen, was Preise und Gewinne in die Höhe treibt.

Diese hohen Gewinne verleiten Unternehmenslenker dazu, das Angebot massiv auszuweiten. Gleichzeitig zwingen die hohen Fixkosten die Produzenten dazu, ihre Fabs mit voller Kapazität zu betreiben – selbst dann, wenn das Angebot die Nachfrage bereits übersteigt. Das Ergebnis ist ein klassischer Schweinezyklus: Überangebot drückt die Preise, Gewinne brechen ein. Genau das geschah in den Jahren 2022 und 2023.

Milliarden-Investitionen trotz Zyklusrisiko

Trotz dieser bekannten Risiken fließen bereits jetzt wieder Milliarden in neue Kapazitäten. Micron investiert 150 Milliarden US-Dollar in den Bau oder Ausbau von Fertigungsanlagen in den US-Bundesstaaten New York, Idaho und Virginia. Parallel dazu entstehen neue Fabs in Südkorea.

Die entscheidende Frage für Anleger lautet daher: Wie lange kann die boomende Nachfrage nach Speicherchips anhalten? Die Geschichte der Branche zeigt, dass auf jeden Boom ein Bust folgt. Ob der KI-getriebene Nachfrageschub diesmal stark genug ist, um den Zyklus dauerhaft zu durchbrechen, bleibt offen. Die massiven Neuinvestitionen legen jedoch den Grundstein für das nächste potenzielle Überangebot – und damit möglicherweise für den nächsten Absturz.

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