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KI-Boom treibt Gewinne – aber auf wessen Kosten?

Bank of America sieht ein „Goldenes Zeitalter der Profitabilität" – doch das Citrini-Szenario zeigt die Schattenseiten des KI-Booms.

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KI-Boom treibt Gewinne – aber auf wessen Kosten?

Analysten der Bank of America zeichnen ein verlockendes Bild: Ein „Goldenes Zeitalter der Profitabilität" soll auf Unternehmen zukommen – angetrieben vom KI-Boom. Künstliche Intelligenz soll Gewinne in neue Höhen treiben und Aktionäre beglücken. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart diese Entwicklung eine beunruhigende Kehrseite.

Bereits im Februar sorgte ein Papier des Analysehauses Citrini Research für erhebliche Aufregung an den Märkten – und kurzzeitig sogar für fallende Kurse bei zahlreichen Aktien. Die Autoren beschreiben darin ein düsteres Zukunftsszenario: Der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz könnte eine schwere Wirtschaftskrise mit Massenentlassungen und einem Börsencrash nach sich ziehen.

Das Citrini-Szenario: Gewinne auf Kosten der Arbeitnehmer

Die Kernthese der Citrini-Analysten lässt sich vereinfacht so zusammenfassen: Unternehmen ersetzen zunehmend menschliche Arbeitskräfte durch KI-Systeme, senken damit ihre Personalkosten und steigern ihre Gewinne. Dieses zusätzliche Kapital fließt wiederum in weitere KI-Investitionen – was die nächste Entlassungswelle auslöst. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf entsteht.

Am Ende dieses Prozesses steht eine Wirtschaftswelt, in der Unternehmen zwar glänzende Gewinne ausweisen, aber immer mehr Menschen ohne Arbeit oder im Niedriglohnsektor beschäftigt sind. Das Bruttoinlandsprodukt wächst – doch dieses Wachstum ist laut den Autoren hohl, weil es breiten Bevölkerungsschichten nicht zugutekommt. Citrini selbst betonte ausdrücklich: Dies sei keine Prognose, sondern lediglich ein Szenario.

Was das Ganze für Privatanleger besonders relevant macht: Die Analyse der Bank of America klingt in Teilen unangenehm vertraut. Auch die US-Großbank stellt fest, dass der wachsende Konkurrenzdruck durch KI die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer beschneide. Sinkende Löhne und Gehälter erhöhen demnach den Unternehmensgewinn – und dessen Anteil am Bruttoinlandsprodukt.

Mitarbeiteraktien als kurzfristiger Schutz

Ob dies der erste Schritt in die Citrini-Dystopie ist, bleibt offen. Selbst wenn einzelne Elemente des Szenarios einträfen, würde das nicht zwingend bedeuten, dass das Worst-Case-Szenario vollständig eintritt. Dennoch stellt sich für viele Arbeitnehmer und Anleger die Frage: Wie kann man sich absichern?

Ein möglicher – zumindest kurzfristiger – Hedge wären Mitarbeiteraktien. Erzielt das eigene Unternehmen auf Kosten der Belegschaft hohe Gewinne, können Arbeitnehmer über Aktienbesitz im besten Fall reale Lohnrückgänge kompensieren. Gemeint sind damit ausbleibende Lohnsteigerungen bei gleichzeitig anziehender Inflation. Diese Strategie funktioniert allerdings nur so lange, wie es nicht zur letzten Stufe des Citrini-Szenarios kommt – dem großen Börsencrash.

Für Privatanleger bleibt die Botschaft zwiespältig: Steigende Unternehmensgewinne durch KI sind kurzfristig eine gute Nachricht für Aktionäre. Langfristig jedoch könnte ein Wirtschaftsmodell, das auf sinkenden Löhnen und wachsender Ungleichheit basiert, die Grundlage für eben jene Konsumnachfrage untergraben, von der Unternehmensgewinne letztlich abhängen.

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