KI-Boom in Asien: Rechenzentren, Chips und Cyberangriffe
Chinas Rechenzentrum-Offensive, das Qualcomm-Huawei-Lizenzabkommen und eine Welle von Cyberangriffen prägen Asiens Tech-Landschaft.

Die asiatische Tech-Branche erlebt einen beispiellosen Boom: China baut in rasantem Tempo Rechenzentren in seinem energiereichen Hinterland auf, Huawei erzielt einen Durchbruch bei Patentlizenzen mit Qualcomm, und Unternehmen in Japan und Südkorea werden von einer Serie schwerer Cyberangriffe getroffen. Der KI-Infrastrukturaufbau dominiert die gesamte Region – mit weitreichenden wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen.
Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur ist so groß, dass Führungskräfte aus der Lieferkette kaum noch zur Ruhe kommen. Ein leitender Angestellter eines Nvidia-Server-Anbieters berichtete, er und seine Kollegen hätten selbst während des chinesischen Mittherbstfestes in der Fabrik gearbeitet, um Kundenaufträge zu erfüllen. „So müde, aber auch sehr glücklich", schrieb er per SMS. Ein Elektronikkomponenten-Lieferant verbrachte den gesamten Sommer damit, taiwanesische Kunden auf Reisen nach Japan zu begleiten – mit dem einzigen Ziel, sich mehr Lieferungen eines japanischen Komponentenherstellers zu sichern.
Huawei und Qualcomm: Historisches Lizenzabkommen
Ein besonders bedeutsames Ereignis ist das neue gegenseitige Lizenzabkommen zwischen Huawei und Qualcomm, das 5G-, KI- und Netzwerktechnologien abdeckt. Die Vereinbarung sieht auch vor, dass der amerikanische Chiphersteller einige US-Patente von Huawei erwirbt. Der Gesamtwert der Transaktion überschreitet die Schwelle von 133,9 Millionen US-Dollar und löst damit eine regulatorische Prüfung durch Washington aus.
Bemerkenswert ist: Es wäre das erste Mal in der 25-jährigen Beziehung zwischen beiden Unternehmen, dass Qualcomm ein Nettozahler für geistiges Eigentum gegenüber Huawei ist. Die lizenzierten Patente decken Huaweis neue Halbleiter- und Systemdesign-Prinzipien ab, die als „Tau Scaling Law" bezeichnet werden. Diese im Mai vorgestellte Technologie wurde entwickelt, um die strengen US-Exportkontrollen zu umgehen, die Huawei den Zugang zu fortschrittlichen Chiptechnologien aus dem Ausland verwehren. Die Ankündigung erfolgte kurz nach dem Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping in Washington.
Chinas Rechenzentrum-Offensive in der Inneren Mongolei
China baut in seinem energiereichen Hinterland in rasantem Tempo Rechenzentren auf. Besonders auffällig ist die Entwicklung in Ulanqab in der Inneren Mongolei: In dieser abgelegenen Agrarstadt, bekannt für ihre Kartoffeln und Joghurt-Snacks, sind 89 Rechenzentren gebaut oder geplant. Etwa 15 Gigawatt an Rechenkapazität wurden zugesagt – nach einigen Schätzungen ist dies der am schnellsten wachsende Standort für Rechenzentren in Asien.
Die Stadt profitiert von Vorteilen, die in anderen Märkten immer seltener werden: reichlich Strom, billiges Land, ein kaltes Klima und Schnelligkeit beim Bau. Analysten zufolge weist die Innere Mongolei wahrscheinlich den „weltweit größten lokalen Stromüberschuss" aller Verwaltungsregionen auf. Rechenzentren zahlen dort weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Stundensatzes, der in Peking verlangt wird. Ingenieure wandeln sogar eine leerstehende Highschool in ein Rechenzentrum um – bald werden Reihen von Computer-Racks den ehemaligen Schulhof besetzen. Vorgefertigte Computermodule, sogenannte „Lego-Rechenzentren", ermöglichen einen besonders schnellen Bau.
Die große offene Frage bleibt jedoch, ob Chinas Halbleiterfabriken angesichts der US-Exportbeschränkungen für Nvidia-Chips genügend fortschrittliche Prozessoren herstellen können, um all diese Anlagen zu bestücken.
AirTrunk verdreifacht Investitionen in Japan
Der Hyperscale-Rechenzentrumsbetreiber AirTrunk plant, seine Investitionen in Japan in den nächsten fünf Jahren auf 30 Milliarden US-Dollar zu verdreifachen. Das in Sydney ansässige Unternehmen, das 2024 von der US-Private-Equity-Gruppe Blackstone übernommen wurde, will damit die wachsende Nachfrage nach KI-Infrastruktur in Asien decken. CEO Robin Khuda prognostiziert, dass die Nachfrage in Japan „massiv" sein wird.
AirTrunk plant zudem, seine derzeit zugesagte Kapazität von 530 Megawatt in Japan auf über 1 Gigawatt zu verdoppeln. Die Nachfrage nach Rechenzentren im asiatisch-pazifischen Raum belief sich im vergangenen Jahr auf 28 Gigawatt – etwa ein Drittel des weltweiten Gesamtwerts. Laut Prognosen von McKinsey & Co soll die Kapazität bis 2030 auf das Dreifache anwachsen.
Cyberangriffe treffen Japan und Südkorea
Parallel zum KI-Boom wächst die Bedrohung durch Cyberkriminalität. Unternehmen in Japan und Südkorea wurden zuletzt von einer Serie schwerer Cyberangriffe getroffen, bei denen Millionen von Kundendaten offengelegt wurden. Zu den Zielen gehörten Banken, Einzelhändler, Restaurantketten und Autovermietungen.
Das Cybersicherheitsunternehmen CrowdStrike identifizierte, dass der Claude-Code-Agent von Anthropic und das chinesische Open-Source-Tool Artex dazu verwendet wurden, in die Netzwerke südkoreanischer Banken einzudringen. In Japan wurden bis Ende September dieses Jahres mindestens 600 Fälle von unbefugtem Zugriff und anderen Cybervorfällen gemeldet, so das Unternehmen Trend Micro. ThreatBook erklärte zudem, dass Japan und Südkorea zwischen Juni 2025 und Juni 2026 zu den fünf am stärksten von Cyberangriffen betroffenen Märkten im asiatisch-pazifischen Raum gehörten. Experten warnen, dass KI es Hackern ermöglichen könnte, Cyberbedrohungen weiter zu verstärken.
