KI-Boom beflügelt DAX: SK Hynix mit Rekordgewinn, Fed im Fokus
Rekordzahlen beim Speicherchip-Hersteller SK Hynix geben der KI-Euphorie neue Nahrung, während Anleger auf die Fed-Entscheidung warten.

Der KI-Boom kehrt an die Finanzmärkte zurück und stützt die Kurse rund um den Globus. Auslöser ist der südkoreanische Speicherchip-Hersteller SK Hynix, der einen Rekordgewinn meldet und damit die Zuversicht in das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz neu befeuert. Der DAX dürfte am Donnerstag leicht höher in den Handel starten, nachdem er am Mittwoch bereits um 0,7 Prozent auf 25.590 Punkte zugelegt hatte.
In Asien sorgten die Nachrichten für kräftige Kursgewinne. Der südkoreanische Kospi schnellte um 6,6 Prozent nach oben, der japanische Nikkei legte um 1,2 Prozent zu. Auch an der Wall Street setzte sich die freundliche Stimmung fort: Der Nasdaq gewann 1,2 Prozent hinzu. Getragen wurde die Erholung laut Marktbeobachtern von der wiederkehrenden Zuversicht für Künstliche Intelligenz, von Finanzierungsankündigungen – unter anderem von Meta – sowie vom geplanten Börsengang des KI-Entwicklers Anthropic, der der gesamten Branche Schwung verleiht.
Im Mittelpunkt des Handelstages steht jedoch die US-Notenbank Federal Reserve. Sie entscheidet am heutigen Donnerstag über ihren Leitzins und dürfte ihn unverändert lassen. Mit Spannung erwarten die Märkte zugleich Hinweise auf eine mögliche Zinserhöhung im Dezember. Parallel dazu legen mit Alphabet und Microsoft zwei Schwergewichte der US-Tech-Branche ihre Quartalsberichte nach US-Börsenschluss vor.
Die Details
Den stärksten Impuls lieferte SK Hynix. Der Chipkonzern meldete für das abgelaufene Quartal ein Ergebnis, das sich mehr als versiebenfachte. Das Unternehmen erklärte zugleich, die Nachfrage nach seinen Produkten übersteige das Angebot bis zum Jahr 2030. Diese Aussage ist bemerkenswert, weil sie eine längerfristige Knappheit im Speicherchip-Markt unterstellt – ein Segment, das als Hardware-Grundlage für den Betrieb von KI-Rechenzentren gilt.
Auch aus der deutschen Unternehmenslandschaft kamen am Mittwoch gewichtige Zahlen. Die Deutsche Bank übertraf im dritten Quartal, also im Zeitraum von Juli bis September, die Erwartungen. Der Gewinn nach Steuern lag bei rund 1,9 Milliarden Euro und damit rund zwei Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Für das Gesamtjahr peilt der Konzern ein Ertragsziel von 33 Milliarden Euro an. Die Tochtergesellschaft DWS, die ebenfalls Zahlen vorlegte, sammelte zwischen Juli und September Mittelzuflüsse in Höhe von 30,9 Milliarden Euro ein – ein Rekordwert. Beim Gewinn blieb die Fondsgesellschaft allerdings unter den Erwartungen der Analysten.
Der Chemiekonzern BASF hob seine Jahresziele für 2026 erneut an. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 15 Prozent auf 1,64 Milliarden Euro, der Umsatz legte um 14 Prozent auf knapp 16,4 Milliarden Euro zu. Für 2026 stellt BASF nun ein bereinigtes Ergebnis zwischen 7,4 und 7,8 Milliarden Euro in Aussicht – zuvor hatte die Spanne bei 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro gelegen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Entwicklung reiht sich in ein Muster ein, das aktien.news in den vergangenen Monaten mehrfach beschrieben hat. Bereits am 14.10.2026 berichtete aktien.news, dass sich die asiatischen Tech-Werte nach einem jüngsten Ausverkauf bei KI-Aktien wieder erholten und Anleger erneut bei den großen Chipherstellern zugriffen. Damals waren die Aktien von Samsung Electronics und SK Hynix gefragt, der Nikkei legte um 0,8 Prozent zu, der Kospi stieg um mehr als 1 Prozent.
Schon am 11.07.2026 hatte aktien.news auf die KI-Rally in Asien und den USA hingewiesen. Der DAX startete damals kaum verändert, nachdem er am Vortag bei 25.118 Punkten mit einem Plus von 0,89 Prozent geschlossen hatte. Der Bericht hob hervor, dass die großen Treiber der KI-Euphorie in den USA und Asien sitzen und deutsche Unternehmen in diesem Technologiezyklus eine Nebenrolle spielen – ein Aspekt, der den DAX im internationalen Vergleich bremst.
Noch weiter zurück liegt der Bericht vom 25.02.2026. Damals notierten die asiatischen Indizes durchweg im Plus, angetrieben von der Erkenntnis, dass die Region als Hardware-Lieferant des globalen KI-Booms besonders profitiert. Südkoreas Kospi hatte in jener Woche fast 5 Prozent zugelegt und ein neues Rekordhoch markiert. Am 18.03.2026 schließlich stiegen die asiatischen Börsen vor einer Fed-Entscheidung deutlich, wobei der Kospi um 5,0 Prozent und der Nikkei um 2,2 Prozent zulegten. SK Hynix verteuerte sich damals um 8,9 Prozent.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger zeigt sich an diesen Zahlen ein wiederkehrendes Muster: Die Impulse für den KI-Zyklus kommen überwiegend aus Asien und den USA, während der DAX vor allem über seine Industrie- und Finanzwerte profitiert. Die Deutsche Bank und BASF liefern mit ihren Zahlen Belege dafür, dass die Geschäfte in der Breite solide laufen – unabhängig vom Technologiezyklus. Die DWS wiederum zeigt, dass Mittelzuflüsse und Gewinnentwicklung nicht zwangsläufig im Gleichschritt verlaufen.
Interessant ist die Diskrepanz zwischen den Rekordzuflüssen bei der DWS und dem Gewinn, der unter den Analystenerwartungen blieb. Solche Abweichungen erinnern daran, dass Zuflüsse allein noch kein Maßstab für Profitabilität sind. Anleger sollten daher sowohl die Ertrags- als auch die Gewinnkennzahlen im Blick behalten, statt sich auf einzelne Schlagzeilen zu verlassen.
Ausblick
Der heutige Handelstag bleibt von zwei Ereignissen geprägt. Zum einen entscheidet die Federal Reserve über ihren Leitzins, wobei sie diesen voraussichtlich unverändert lässt und Hinweise auf eine Zinserhöhung im Dezember geben könnte. Zum anderen legen Alphabet und Microsoft nach US-Börsenschluss ihre Quartalsberichte vor. Deren Ausgang dürfte maßgeblich darüber entscheiden, ob die jüngste KI-Zuversicht anhält oder ob die Märkte erneut zwischen Optimismus und Risikofurcht schwanken.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld beschaffen können.
- Bereinigtes Ebitda: Eine Gewinnkennzahl vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, die Sondereffekte ausblendet.
- Mittelzufluss: Das Geld, das Anleger einer Fondsgesellschaft innerhalb eines Zeitraums neu anvertrauen.
- Kospi: Der wichtigste Aktienindex Südkoreas, in dem viele Technologie- und Chipwerte gelistet sind.
