KI als Pandora's Box: CEOs zögern vor Investoren
Viele US-Unternehmen setzen auf KI, doch das Thema bleibt in Earnings Calls oft ausgespart.

Künstliche Intelligenz gilt als die Zukunftstechnologie schlechthin, doch nicht alle Führungskräfte in den USA sind bereit, das Thema gegenüber ihren Aktionären offen anzusprechen. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass die Begeisterung für KI in den Quartalszahlenpräsentationen der Unternehmen stagniert – und das aus gutem Grund.
Nicholas Colas, Mitbegründer von DataTrek, hat eine Untersuchung des Datenanbieters FactSet ausgewertet, die sich mit der Häufigkeit von KI-Erwähnungen während der Earnings Calls von US-Unternehmen befasst. Das Ergebnis ist aufschlussreich: Zwar sprachen Führungskräfte bei etwa zwei Dritteln der S&P-500-Unternehmen in ihren Präsentationen zum zweiten Quartal über die Technologie, doch die Dynamik hat nachgelassen.
Stagnation auf hohem Niveau
Colas wies darauf hin, dass die Anzahl der Unternehmen, die KI in diesen Telefonkonferenzen thematisieren, seit Ende des vergangenen Jahres im Wesentlichen stagniert. Das ist bemerkenswert, denn die öffentliche Debatte um Künstliche Intelligenz hat seit dem Durchbruch von ChatGPT im Jahr 2022 enorm an Fahrt aufgenommen.
Der Grund für die Zurückhaltung liegt laut der Analyse auf der Hand: Viele Managementteams zögern, das Thema gegenüber Investoren anzusprechen, da sich KI bislang noch nicht in messbare finanzielle Ergebnisse übersetzen lässt. Solange die Technologie keine klaren Umsatz- oder Gewinnsteigerungen liefert, bleibt sie für viele Finanzvorstände ein heikles Terrain.
Vorsicht statt Euphorie
Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung von besonderem Interesse. Während hierzulande ebenfalls viele Unternehmen über KI-Anwendungen sprechen, zeigt der US-Markt, dass zwischen Ankündigungen und tatsächlichen Geschäftsergebnissen oft eine große Lücke klafft. Die Zurückhaltung der CEOs signalisiert, dass der Hype um Künstliche Intelligenz möglicherweise schneller gewachsen ist als die realen wirtschaftlichen Effekte.
Die Analyse von DataTrek und FactSet liefert damit ein wichtiges Stimmungsbild: KI bleibt ein zentrales Thema für die Wirtschaft, doch die anfängliche Euphorie weicht einer nüchterneren Betrachtung. Investoren tun gut daran, genau hinzuschauen, ob hinter den KI-Ankündigungen eines Unternehmens auch handfeste Geschäftszahlen stehen.
Derzeit sprechen noch immer zwei Drittel der S&P-500-Firmen in ihren Earnings Calls über KI – das ist ein hoher Wert. Doch die Stagnation seit Jahresende 2025 könnte ein frühes Warnsignal sein, dass der Markt beginnt, die Realität hinter der Rhetorik zu hinterfragen.
