Kenzoll Capital investiert 50 Millionen Dollar in Namibias Diamantenabbau
Der niederländische Investor Kenzoll Capital nimmt gemeinsam mit MSF Commercials den Diamantenabbau im Elizabeth Bay wieder auf.

Der niederländische Private-Equity-Investor Kenzoll Capital geht eine Partnerschaft mit dem in Namibia registrierten Unternehmen MSF Commercials ein, um den Diamantenabbau im Elizabeth Bay wieder aufzunehmen. Geplant ist eine Investitionssumme von 50 Millionen US-Dollar. Das teilte Kenzoll Capital am Mittwoch mit. Damit kehrt ausländisches Kapital in eine Mine zurück, deren vorheriger Eigentümer De Beers den Betrieb wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit aufgegeben hatte.
Die Wiederaufnahme des Betriebs fällt in eine schwierige Phase der namibischen Diamantenbranche. Das Land erlebt einen starken Abschwung in einer seiner Schlüsselindustrien. Die Diamantexporte sanken von 2022 bis 2025 um 67 Prozent – von 5,1 Milliarden Namibia-Dollar (306,9 Millionen US-Dollar) im Jahr 2022 auf 1,7 Milliarden Namibia-Dollar (102,3 Millionen US-Dollar) im Jahr 2025. Die Bank of Namibia stuft den Einbruch der Branche als erhebliche Bedrohung für das Wirtschaftswachstum ein.
Das Betriebsgelände Sperrgebiet, früher bekannt als Elizabeth Bay, beherbergt nach Angaben von Kenzoll Capital 10,5 Millionen Karat an Land- und Offshore-Diamantenreserven. Ein Teil der geplanten Investitionen soll zudem für die Exploration weiterer Mineralien verwendet werden. Kenzoll Capital positioniert das Engagement damit nicht nur als Diamantenprojekt, sondern als Einstieg in den breiteren Rohstoffsektor des Landes.
Die Details
Im Zentrum der Vereinbarung steht die Investitionssumme von 50 Millionen US-Dollar, die Kenzoll Capital gemeinsam mit MSF Commercials in die Wiederaufnahme des Abbaus im Elizabeth Bay lenken will. Ein Teil dieser Mittel ist ausdrücklich für die Exploration weiterer Mineralien vorgesehen. Das Betriebsgelände Sperrgebiet umfasst nach Unternehmensangaben 10,5 Millionen Karat an Land- und Offshore-Diamantenreserven.
Corné Melissen, CEO von Kenzoll Capital, begründet das Engagement mit der regionalen Bedeutung des Projekts: „Wir sind entschlossen, den Bergbau wieder anzukurbeln, Arbeitsplätze zu schaffen und wirtschaftlichen Mehrwert in eine Region zu bringen, die seit über einem Jahrhundert stark von Diamanten abhängt." Er ergänzt: „Diese Partnerschaft ist Teil unseres langfristigen Engagements und unserer Investitionen in Namibia, wobei Diamanten den Anfang machen und kritische Mineralstoffe folgen werden."
Kenzoll Capital hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 10 Millionen US-Dollar in Namibia investiert, um die lokale Beschäftigung und die breitere Wirtschaft zu stützen. Die Partnerschaft mit MSF Commercials markiert die Rückkehr ausländischen Kapitals zu einer Mine, deren vorheriger Eigentümer De Beers aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit nicht weiter betreiben wollte.
De Beers hatte den Verkaufsprozess für Elizabeth Bay im Jahr 2018 eingeleitet, und der endgültige Kaufvertrag wurde im darauffolgenden Jahr abgeschlossen. Das kaufende Konsortium bestand aus der Lewcor Group als Mehrheitsaktionärin und MSF Commercials als Minderheitsaktionär. MSF Commercials ist damit heute der Partner von Kenzoll Capital bei der Wiederaufnahme des Betriebs.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Entwicklung ist Teil eines größeren Musters im südlichen Afrika. Bereits am 13.07.2026 berichtete aktien.news, dass De Beers die Produktion in seiner Mine Venetia – dem wertvollsten Diamantenbetrieb Südafrikas – für zwei Jahre einstellt. Das von Anglo American kontrollierte Unternehmen reagierte damit auf einen anhaltenden Abschwung auf dem Rohdiamantenmarkt und wollte durch Kostensenkungen und eine Straffung des Geschäftsbetriebs die Widerstandsfähigkeit des Konzerns stärken. Die Unterbrechung sollte die Ausgaben für die Untertage-Erweiterung von Venetia reduzieren und aufschieben, während die Investitionen in die Infrastruktur aufrechterhalten werden sollten, die für ein schnelles Hochfahren der Produktion bei einer Markterholung notwendig sind.
Auch abseits des Diamantensektors bewegt sich der Bergbau in der Region. Am 16.09.2026 meldete aktien.news, dass der namibische Bergbausektor einen deutlichen Aktivitätsschub verzeichnet. Gleich zwei Unternehmen meldeten bedeutende Fortschritte: Ongwe Minerals startete eine erste Bohrkampagne auf seinen Goldprospekten, während Unicorn Mineral Resources eine Mehrheitsbeteiligung an einem historischen Kupferprojekt erwarb. Die Entwicklungen unterstrichen den wachsenden Investitionsfluss in die Rohstoffvorkommen des südafrikanischen Landes.
Der breitere regionale Kontext bleibt jedoch angespannt. Am 13.08.2026 berichtete aktien.news, dass die südafrikanische Bergbauproduktion im Juni im Jahresvergleich um 4 Prozent zurückgegangen ist. Besonders stark belastet wurden die Gesamtzahlen durch schwache Förderergebnisse bei Platingruppenmetallen, Kohle und Eisenerz. Den größten negativen Beitrag leisteten die Metalle der Platingruppe (PGM), die im Jahresvergleich um 8,4 Prozent einbrachen und damit 2,4 Prozentpunkte zum Gesamtrückgang beisteuerten.
Ein Gegenbeispiel lieferte am 19.06.2026 die simbabwische Platinmine Mimosa, die sich im gemeinsamen Besitz von Impala Platinum und Sibanye-Stillwater befindet. Sie nahm ihr 130 Millionen US-Dollar schweres North-Hill-Projekt wieder auf, nachdem sich die Metallpreise auf dem globalen Platinmarkt spürbar erholt hatten. Das Unternehmen hatte das Projekt im Jahr 2024 ausgesetzt, als die Preise für Platingruppenmetalle stark einbrachen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht vor allem ein Signal für die Risikobereitschaft im afrikanischen Rohstoffsektor. Während De Beers als großer etablierter Player Kapazitäten zurückfährt, springen private Investoren in Projekte, die zuvor als nicht wirtschaftlich galten. Das kann Chancen eröffnen, geht aber mit erheblichen Risiken einher: Der Diamantenmarkt befindet sich laut den vorliegenden Zahlen in einem deutlichen Abschwung, und die Bank of Namibia bewertet den Einbruch der Branche als erhebliche Bedrohung für das Wirtschaftswachstum.
Anleger sollten beachten, dass es sich bei Kenzoll Capital um einen nicht börsennotierten Private-Equity-Investor handelt. Ein direkter Zugang zu diesem Engagement über die Börse besteht daher nicht. Relevant ist die Nachricht vielmehr als Indikator für die Stimmung im Rohstoffsektor und für die Frage, wie sich Angebot und Nachfrage am Diamantenmarkt mittelfristig entwickeln. Die genannten Zahlen – etwa die 10,5 Millionen Karat Reserven oder die 50 Millionen US-Dollar Investitionsvolumen – stammen aus Unternehmensangaben und sind nicht unabhängig verifiziert.
Ausblick
Kenzoll Capital hat angekündigt, dass Diamanten den Anfang machen und kritische Mineralstoffe folgen werden. Ein Teil der geplanten Investitionen ist bereits für die Exploration weiterer Mineralien vorgesehen. Konkrete Zeitpläne für die Wiederaufnahme der Produktion oder für die Explorationsaktivitäten nennt das Unternehmen in der Mitteilung nicht. Beobachten lässt sich, ob sich der namibische Bergbausektor weiter belebt – wie zuletzt im September 2026 mit den Aktivitäten von Ongwe Minerals und Unicorn Mineral Resources.
Kurz erklärt
- Private Equity: Beteiligungskapital, das Investoren außerhalb der Börse in nicht börsennotierte Unternehmen einbringen.
- Karat: Maßeinheit für das Gewicht von Diamanten und anderen Edelsteinen.
- Sperrgebiet: Ein abgegrenztes Areal, in dem der Abbau von Rohstoffen unter besonderen Auflagen erfolgt.
