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Kennzahlen, Rankings und Spiele: Was „The Score" Investoren lehrt

Philosoph Thi Nguyen erklärt im Motley-Fool-Podcast, warum Punktesysteme im Leben Werte zerstören können.

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Kennzahlen, Rankings und Spiele: Was „The Score" Investoren lehrt

Im Motley-Fool-Podcast „Rule Breaker Investing" trifft Mitgründer David Gardner erneut auf den Philosophen und Spieleforscher C. Thi Nguyen. Anlass ist Nguyens neues Buch „The Score: How to Stop Playing Somebody Else's Game", das Gardner als mögliches Magnum Opus des Autors bezeichnet. Das Gespräch dreht sich um eine Frage, die weit über Brettspiele hinausgeht: Was passiert, wenn das Leben beginnt, Punkte zu zählen?

Gardner, der sich selbst als lebenslangen Gamer beschreibt, hat in seiner Kindheit Strat-O-Matic Baseball und Dungeons & Dragons gespielt, bevor Pong und tausende weitere Spiele folgten. Seit 2023 ist Nguyen regelmäßiger Gast im Podcast – zunächst mit seinem preisgekrönten Buch „Games: Agency As Art", das 2021 den Buchpreis der American Philosophical Association gewann.

Vom Spieldesign zur Gesellschaftskritik

Nguyens neues Werk entstand aus einem intellektuellen Widerspruch, den er in seiner eigenen Arbeit entdeckte. Einerseits hatte er Punktesysteme in Spielen als etwas Wunderschönes beschrieben – als Werkzeuge, mit denen Spieldesigner „in die Seele greifen und Wünsche festlegen" können. Andererseits hatte er in anderen Texten argumentiert, dass Kennzahlen und Rankings zu den größten Zerstörern menschlicher Werte gehören.

Diesen Widerspruch nennt Nguyen „Value Capture" – auf Deutsch etwa: Werte-Aneignung. Gemeint ist der Prozess, bei dem Menschen mit reichen, vielschichtigen Werten in Umgebungen geraten, die ihnen vereinfachte Versionen dieser Werte anbieten – typischerweise in Form von Kennzahlen oder Rankings. Diese vereinfachten Versionen gewinnen dann die Oberhand. Wer auf Twitter geht, um sich zu vernetzen, wird besessen von Likes und Followern. Wer podcastet, um Ideen zu teilen, fixiert sich auf Abonnentenzahlen.

Das Kernproblem liegt laut Nguyen in der Skalierung: Institutionen brauchen klare, stabile und für alle lesbare Messkriterien. Freude, Glück oder poetische Werte lassen sich nicht in großem Maßstab messen – Produktivitätszahlen, Schlafwerte oder Gewicht hingegen schon. Sobald eine Institution ein Punktesystem im großen Maßstab durchsetzt, verliert der Einzelne die Kontrolle darüber.

Der entscheidende Unterschied: Hausregeln

Nguyen bringt den Unterschied auf eine prägnante Formel: Den eigenen Notendurchschnitt (GPA) kann man nicht per Hausregel ändern, und die eigene Abonnentenzahl auch nicht. Aber das Regelwerk eines Dungeons-&-Dragons-Abends lässt sich problemlos anpassen. Man kann sogar wählen, welches Spiel man überhaupt spielt.

Genau hier liegt für Nguyen der entscheidende Unterschied zwischen Spielen und institutionellen Kennzahlen. Spiele sind kleine, flexible Blasen, zwischen denen man sich leichtfüßig bewegen kann. Kennzahlen hingegen sind Punktesysteme, die mit einer Forderung nach absoluter Stabilität im großen Maßstab verschmelzen. Diese Starrheit macht sie mächtig – und potenziell gefährlich für die eigene Werteorientierung.

Nguyen schildert ein persönliches Beispiel: Als er die Lernergebnisse der Philosophieabteilung an die Legislative des US-Bundesstaates Utah melden musste, empfand er das als „die Hölle" – weil er komplexe Bildungsziele in klare, für jeden lesbare Kennzahlen pressen musste. Am selben Abend öffnete er zu Hause ein Brettspiel und unterwarf sich freiwillig einem klaren Punktesystem. Die Frage, die ihn seitdem antreibt: Was ist hier eigentlich los?

Relevanz für Investoren und die Wirtschaft

Gardner betont ausdrücklich, dass es in diesem Gespräch nicht nur um Brettspiele oder Videospiele geht. Alle Spiele sind eingeschlossen – auch die Spiele der Wirtschaft und des Investierens. Für Anleger ist die Frage nach Kennzahlen und Rankings hochrelevant: Aktienkurse, KGV, Wachstumsraten – all das sind Punktesysteme, die das Verhalten von Investoren und Unternehmen formen können, oft auf Kosten tieferer Werte wie Nachhaltigkeit oder Unternehmenskultur.

Im Podcast kündigt Gardner auch den nächsten Gast der Reihe „Authors in August" an: Vasant Dhar, Professor an der New York University und KI-Pionier, mit seinem Buch „Thinking With Machines". Das Thema künstliche Intelligenz wird damit in der Folgewoche in den Mittelpunkt rücken – ein weiteres Feld, in dem Algorithmen und Kennzahlen zunehmend menschliche Entscheidungen prägen.

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