Kalifornien überwacht künftig PFAS-Pestizide in der Landwirtschaft
Gouverneur Newsom unterzeichnet Gesetz zur Erfassung von Ewigkeitschemikalien in Pestiziden.

Kalifornien wird künftig Pestizide überwachen, die giftige "Ewigkeitschemikalien" enthalten. Die entsprechende Gesetzgebung wurde diese Woche von Gouverneur Gavin Newsom unterzeichnet, wie die Nachrichtenagentur Reuters am 29. September berichtete. Damit reagiert der US-Bundesstaat, der als größter Produzent landwirtschaftlicher Erzeugnisse in den USA gilt, auf wachsende Bedenken über per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS).
Das neue Gesetz verpflichtet das kalifornische Amt für Pestizidregulierung (Department of Pesticide Regulation), bei der Meldung des Einsatzes von Pestiziden in einer öffentlichen Datenbank anzugeben, ob diese PFAS enthalten. Zusätzlich muss die Behörde die Trends beim Einsatz von PFAS-haltigen Pestiziden im Bundesstaat verfolgen. Die Bedeutung dieser Aufgabe ist erheblich: In Kalifornien findet fast die Hälfte des gesamten US-Gemüseanbaus sowie mehr als drei Viertel der Obst- und Nussproduktion statt.
Umweltverbände hoffen, dass bessere Daten über den Einsatz von PFAS und deren Auswirkungen letztlich zu strengeren Regulierungen führen werden. "Dies gibt dem Staat die Möglichkeit zu analysieren, was verwendet wird, wo es eingesetzt wird und wie man schrittweise vorgehen kann, um es abzuschaffen", sagte Monica Amarelo, Vizepräsidentin für Medienbeziehungen bei der Environmental Working Group, einer Lobbygruppe, die die Gesetzgebung unterstützt hat.
Gesundheitsrisiken durch PFAS
Forschungsergebnisse haben nach Angaben der US-Centers for Disease Control and Prevention einen Zusammenhang zwischen PFAS-Belastung und schädlichen gesundheitlichen Folgen hergestellt. Dazu zählen Krebs, ein hoher Cholesterinspiegel sowie Beeinträchtigungen des Immunsystems. PFAS-Chemikalien kommen in einer breiten Palette von Produkten zum Einsatz, darunter wasserabweisende Kleidung, Löschschaum sowie fett-, wasser- und ölresistente Produkte wie Antihaft-Kochutensilien.
Ursprünglich war die Gesetzgebung ambitionierter angelegt. Eine frühere Fassung des Gesetzentwurfs, initiiert vom demokratischen Abgeordneten Nick Schultz aus Burbank, hätte staatlichen Aufsichtsbehörden untersagt, neue Pestizide mit PFAS-Chemikalien zuzulassen. Diese Fassung, die von Umweltgruppen vorangetrieben wurde, stieß jedoch auf breiten Widerstand seitens der Landwirtschaftsverbände im Bundesstaat. In der Folge wurde sie auf die jetzige, abgeschwächte Version reduziert.
Ein "entscheidender erster Schritt"
Trotz der Abschwächung betonte Schultz die Bedeutung des Gesetzes. Es sei "ein entscheidender Schritt, um sicherzustellen, dass das landwirtschaftliche Erbe Kaliforniens durch Gesundheit und Innovation geprägt ist", so der Abgeordnete. Das Tracking und Monitoring sei der "entscheidende erste Schritt". Er fügte hinzu: "Was man nicht sehen kann, kann man auch nicht reparieren."
Für deutsche Anleger und Verbraucher ist die Entwicklung insofern relevant, als Kalifornien mit seiner Marktmacht häufig als Vorreiter für Regulierungen in den gesamten USA gilt. Verschärfte Vorschriften in dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat haben in der Vergangenheit oft Signalwirkung für andere Staaten und die nationale Gesetzgebung entfaltet. Der nun verabschiedete Ansatz setzt zunächst auf Transparenz und Datenerhebung statt auf ein sofortiges Verbot. Ob daraus strengere Regeln erwachsen, hängt maßgeblich von den künftig erhobenen Daten ab.
