Kanada plant Rahmenwerk für internationale CO₂-Entfernungsmärkte
Kanada will inländischen Unternehmen den Zugang zu internationalen Kohlenstoffmärkten nach Artikel 6 des Pariser Abkommens ermöglichen.

Kanada arbeitet an der Entwicklung von Richtlinien, die es inländischen Unternehmen im Bereich der CO₂-Entfernung ermöglichen sollen, an internationalen Kohlenstoffmärkten teilzunehmen. Die Regierung gab am Donnerstag bekannt, einen politischen Rahmen gemäß Artikel 6 des Pariser Abkommens zu entwickeln. Befürworter dieser Maßnahme sind der Ansicht, dass dies Investitionen in neue Technologien ankurbeln und die wirtschaftlichen Verknüpfungen des Landes mit der EU und Asien vertiefen wird.
Artikel 6 des Pariser Abkommens erlaubt es Ländern, bei der Erreichung ihrer nationalen Klimaziele durch Maßnahmen wie internationale Kohlenstoffmärkte sowie den Handel mit verifizierten Gutschriften für Emissionsminderungen oder -entfernungen zusammenzuarbeiten. Ein solcher Rahmen würde klare Rechnungslegungs- und Genehmigungsregeln etablieren, damit kanadische Projekte zur CO₂-Entfernung Gutschriften produzieren können, die zu internationalen Vermögenswerten werden. Auf diese Weise würden sie einer größeren Nachfrage zugänglich gemacht.
Kanada beheimatet eine wachsende Branche der CO₂-Entfernung. Dazu zählt Deep Sky, das erste nordamerikanische Unternehmen, das verifizierte Gutschriften für Entfernungen mittels Direct-Air-Capture-Technologie liefert. Bei dieser Technologie wird überschüssiges Kohlendioxid direkt aus der Atmosphäre entfernt.
Geringe Nachfrage im Inland
Der inländische Markt für Käufer von CO₂-Entfernungsgutschriften ist im Vergleich zum Investitionsvolumen, das der Sektor benötigt, gering. Dies geht aus Angaben der Branchenvereinigung Carbon Removal Canada hervor. Ein Rahmenwerk nach Artikel 6 würde nach Einschätzung der Vereinigung neuen Projekten den Weg ebnen, da die internationale Nachfrage zusätzliche Investitionen ermöglichen könnte.
Derzeit verfügt Kanada über eine angekündigte Kapazität zur CO₂-Entfernung von etwa 11 Megatonnen durch Projekte, die noch auf den Baubeginn warten. Diese Zahl verdeutlicht das Potenzial, aber auch die Abhängigkeit von ausreichender Nachfrage, um die Projekte tatsächlich zu realisieren.
Internationale Anknüpfungspunkte
Die EU verfügt bereits über ein Zertifizierungsrahmenwerk für CO₂-Entfernung. Mehrere asiatische Länder haben ebenfalls Interesse an grenzüberschreitenden Lieferketten für CO₂-Entfernung bekundet. Für kanadische Anbieter eröffnet sich damit ein potenzieller Zugang zu Märkten außerhalb Nordamerikas.
Premierminister Mark Carney strebt danach, die wirtschaftlichen Verknüpfungen mit der EU und Asien zu vertiefen, um die Wirtschaft seines Landes angesichts eines Handelskriegs mit den USA zu stärken. Der geplante Rahmen für CO₂-Entfernungsmärkte fügt sich in diese Strategie der wirtschaftlichen Diversifizierung ein.
Für deutsche Anleger und Unternehmen ist die Entwicklung insofern relevant, als sie zeigt, wie sich internationale Märkte für CO₂-Entfernungsgutschriften zunehmend institutionalisieren. Die EU hat mit ihrem eigenen Zertifizierungsrahmen bereits die Grundlage gelegt, und die kanadischen Pläne könnten den grenzüberschreitenden Handel mit verifizierten Gutschriften weiter vorantreiben. Ob und wann der kanadische Rahmen konkret in Kraft tritt, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch offen.
