Strategy-Chef Saylor: Der nächste Bitcoin-Bullenmarkt hat bereits begonnen
Michael Saylor verweist auf den 200-Wochen-Durchschnitt, Verkaufsdaten und die Halbierung 2028 – der Autor stimmt seiner Schlussfolgerung zu.

Michael Saylor, geschäftsführender Vorsitzender von Strategy (ehemals MicroStrategy), erklärt, dass der nächste Bitcoin-Bullenmarkt bereits im Gange ist. Als ersten Beleg nennt er den Aufwärtstrend, der begann, als der Bitcoin-Kurs nach dem Erreichen des Tiefs eines Bärenmarktes Ende Juni an seiner 200-Wochen-Durchschnittslinie abprallte. Zusätzlich führt Saylor Bankkredite gegen Bitcoin und die zunehmende Tokenisierung von Vermögenswerten als weitere Faktoren für seine These an. Der Bitcoin-Kurs notierte zum Zeitpunkt der Analyse 0,74 Prozent im Plus.
Der Verfasser der Analyse teilt Saylors Schlussfolgerung, dass der nächste Aufschwung höchstwahrscheinlich begonnen hat, äußert jedoch Bedenken gegenüber dem ersten Beweis. Dieser stützt sich ausschließlich auf Preisbewegungen. Aus diesem Grund bevorzugt der Autor eine Einordnung des Marktregimes über andere Faktoren: die Frage, welche Halter aufgeben und mit hohen Verlusten verkaufen – und welche kaufen.
Der 200-Wochen-Durchschnitt markierte am 30. Juni einen Boden bei 58.525 Dollar
Der 200-Wochen-Durchschnitt bildet den Durchschnitt der wöchentlichen Schlusskurse über einen Zeitraum von etwa vier Jahren. Das Tief vom 30. Juni in Höhe von 58.525 Dollar schloss 6,5 Prozent unter diesem gleitenden Durchschnitt – nahe dem Niveau, bei dem frühere Bärenmärkte ihren Boden fanden. Der Autor nennt die Methode allerdings unvollkommen, denn im Jahr 2022 fiel die Münze um 34,2 Prozent unter den 200-Wochen-Durchschnitt. Nach seinen Worten gibt es kein Naturgesetz, das besagt, dass der Kursabfall gestoppt werden muss, sobald der Preis unter einen bestimmten willkürlichen gleitenden Durchschnitt fällt.
Deshalb stützt der Verfasser seine Einschätzung auf die Verteilung von Gewinnen und Verlusten unter den Haltern. Bei den Tiefs im Juni übertrafen die Coins, die mit Verlust verkauft wurden, diejenigen, die mit Gewinn verkauft wurden, um ein Verhältnis von etwa 12 zu 1. In früheren Bärenmärkten war dieses Verhältnis nach den vorliegenden Beobachtungen nie so schlecht.
Das Verhältnis von Gewinn- zu Verlustverkäufen drehte Ende August auf vier zu eins
Wichtig ist, dass sich das Gleichgewicht zwischen mit Verlust und mit Gewinn verkauften Coins Ende August umkehrte. In jedem Bullenmarkt seit 2011 überwog die Gewinnmitnahme die Verlustrealisierung. Aktuell bewegen sich nach dieser Beobachtung etwa vier Coins in den Gewinnbereich für jeden Coin, der mit Verlust verkauft wird. Nach diesem Test hat Bitcoin die Grenze zwischen Bullen- und Bärenmarkt also bereits überschritten.
Ein weiterer Hinweis auf einen neuen Aufschwung: Langjährige Halter haben Anfang Juli den Netto-Kauf von Bitcoin wieder aufgenommen. Damit stützt sich die These des Autors nicht allein auf gleitende Durchschnitte, sondern auf das tatsächliche Verhalten unterschiedlicher Anlegergruppen.
Die nächste Halbierung senkt die Ausgabe neu geschürfter Bitcoins Anfang April 2028
Ein Faktor, der in Saylors Argumentation fehlt – obwohl er sich dessen zweifellos bewusst ist –, ist die bevorstehende Halbierung, die die Ausgabe neu geschürfter Bitcoins halbieren wird. Die nächste Halbierung findet Anfang April 2028 statt. In der Vergangenheit erlebte Bitcoin signifikante Vor-Halbierungs-Rallyes, die 400 bis 518 Tage dauerten und oft Gewinne von 100 Prozent oder mehr verzeichneten.
Daraus leitet der Autor einen wahrscheinlichen Startpunkt der Aufwärtsbewegung irgendwo zwischen Anfang November 2026 und Februar 2027 ab. Wenn diese Dynamik anhält – was nach seiner Einschätzung wahrscheinlich der Fall sein wird –, werde in den kommenden Wochen und Monaten immer deutlicher werden, dass der Bullenmarkt begonnen hat.
Strategy setzte im Juli 2026 vier Wochen lang mit Bitcoin-Käufen aus
Bereits am 25. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass Strategy seit vier aufeinanderfolgenden Wochen keinen einzigen Bitcoin mehr gekauft hatte. Das Unternehmen hatte in den Jahren 2024 und 2025 mit seiner aggressiven Akkumulationsstrategie für Aufsehen gesorgt und dafür massiv Aktien und Anleihen ausgegeben. Der Bitcoin-Preis war zu diesem Zeitpunkt gegenüber seinem Höchststand um fast die Hälfte gefallen, wie der damalige Bericht unter Verweis auf den jüngsten 8-K-Bericht des Unternehmens festhielt.
Am 22. September 2026 meldete aktien.news, dass die Aktien von Strategy um 9,47 Prozent zulegten, nachdem der Bitcoin-Preis die Marke von 86.000 Dollar überschritten hatte. Strategy hatte zwischen dem 14. und 20. September 2026 rund 950 Bitcoin für etwa 75,7 Millionen Dollar erworben, zu einem durchschnittlichen Kaufpreis von 79.670 Dollar pro Bitcoin. Der Gesamtbestand belief sich damit auf 846.000 Bitcoin bei einem aggregierten Kaufpreis von 63,80 Milliarden Dollar und einem Durchschnittspreis von 75.416 Dollar pro Bitcoin inklusive Gebühren und Aufwendungen. Parallel kaufte das Unternehmen STRC-Aktien zurück.
Zurückhaltender war das Bild am 9. Juni 2026, als aktien.news berichtete, dass Bitcoin unter die Marke von 63.000 Dollar gefallen war und Spot-Bitcoin-ETFs drei aufeinanderfolgende Wochen mit Nettoabflüssen verzeichneten. Allein in der Vorwoche wurden 1,7 Milliarden Dollar abgezogen, der schlimmste wöchentliche Abfluss seit Februar 2025. Der CEO von Transform Ventures erwartete damals neue Allzeithochs innerhalb von drei Jahren.
Für deutsche Privatanleger bleibt die Einordnung eine Wahrscheinlichkeitsaussage
Die Analyse liefert keine Garantie, sondern eine Wahrscheinlichkeitsaussage auf Basis historischer Muster. Der Autor selbst räumt ein, dass die 200-Wochen-Linie keine feste Grenze darstellt und dass der Kurs im Jahr 2022 deutlich tiefer darunter gefallen war. Wer die Argumentation nachvollziehen will, sollte daher nicht nur auf gleitende Durchschnitte achten, sondern auch auf die Verteilung von Gewinn- und Verlustverkäufen sowie auf das Verhalten langjähriger Halter.
Hinzu kommt die Hebelwirkung des Strategy-Modells: Die Kryptowährungsbestände machen den Großteil des Unternehmenswerts aus, weshalb der Aktienkurs den Preisschwankungen von Bitcoin in verstärktem Maße folgt. Das galt in beide Richtungen – im Juli 2026 stockte das Unternehmen seine Käufe nicht auf, im September 2026 reagierte die Aktie deutlich positiv auf die Rallye. Deutsche Anleger sollten zudem beachten, dass Krypto-Engagements hierzulande steuerlich und regulatorisch anders behandelt werden als klassische Aktieninvestments.
Die Vor-Halbierungs-Rallye dürfte zwischen November 2026 und Februar 2027 beginnen
Konkrete Termine nennt die Analyse zwei: Die nächste Halbierung ist für Anfang April 2028 angesetzt, der wahrscheinliche Startpunkt einer Vor-Halbierungs-Rallye wird zwischen Anfang November 2026 und Februar 2027 verortet. In den kommenden Wochen und Monaten soll sich zeigen, ob sich die These bestätigt. Bestätigen sich die Muster, dürfte die Diskussion über den Beginn des Bullenmarktes an Schärfe verlieren.
Drei zentrale Begriffe helfen beim Verständnis des Artikels
- 200-Wochen-Durchschnitt: gleitender Durchschnitt der wöchentlichen Schlusskurse über einen Zeitraum von etwa vier Jahren.
- Halbierung: Ereignis, bei dem sich die Ausgabe neu geschürfter Bitcoins halbiert.
- Tokenisierung: Umwandlung von Vermögenswerten in digitale Token auf einer Blockchain.
