Jefferies benennt führende Internet-Aktien in Asien-Pazifik
Die US-Investmentbank setzt im asiatisch-pazifischen Internetsektor auf KI-Kompetenz und operative Stärke – mit Fokus auf China.

Die Investmentbank Jefferies hat ihre Top-Picks im asiatisch-pazifischen Internetsektor neu bewertet. Als entscheidende Kriterien nennt die Wertpapierfirma die Fähigkeiten im Bereich künstliche Intelligenz (KI) sowie eine starke geschäftliche Umsetzung. Dabei hob Jefferies zwei Unternehmen in Chinas sich wandelnder Technologielandschaft hervor – den Schwerpunkt legte die Bank auf Cloud Computing, KI-Entwicklung und etablierte digitale Plattformen.
An erster Stelle steht für die Analysten der chinesische Cloud- und E-Commerce-Riese Alibaba (HK: 9988). Jefferies sieht das Unternehmen im Zentrum der chinesischen KI-Geschichte, da es über Full-Stack-Kompetenzen in den Bereichen Cloud, Modelle, Chips und Anwendungen verfügt. Die Wertpapierfirma erwartet, dass der steigende Beitrag des KI-Umsatzes das Gewinnwachstum stützen wird.
Alibaba: Beschleunigtes Cloud-Wachstum erwartet
Konkret rechnet Jefferies damit, dass sich das Wachstum des Cloud-Umsatzes von Alibaba im Quartal bis September um mehr als 50% im Jahresvergleich beschleunigt und in den Quartalen bis Dezember und März weiter zulegt. Der wiederkehrende Jahresumsatz belief sich im August auf RMB16 billion. Das Management strebt einen Zielwert von RMB30 billion bis zum Jahresende an – eine Verdopplung, die den Ausbau des KI- und Cloud-Geschäfts unterstreicht.
Auch im Quick-Commerce-Bereich erwartet die Bank eine Verbesserung der Unit Economics. Die Verluste sollen im Geschäftsjahr 2027 gegenüber dem Geschäftsjahr 2026 um mehr als die Hälfte sinken. Zudem wertet Jefferies die sich schließende Lücke zwischen dem Umsatzwachstum im Kundenmanagement und dem EBITA-Wachstum als Beweis für eine stärkere operative Umsetzung.
Die Schätzung der nicht-GAAP-Gewinne von Jefferies für Alibaba für das Geschäftsjahr 2027 liegt 3% über dem Konsens. Die Bank hat eine „Buy“-Empfehlung sowie ein Kursziel von 190 US-Dollar bzw. HK$184 für die in Hongkong notierten Aktien festgelegt.
Tencent: KI-Ökosystem und Spieleportfolio als Treiber
An zweiter Stelle nennt Jefferies Tencent (HK: 0700). Die Bank zeigt sich positiv gegenüber dem Unternehmen aufgrund seiner Weixin-KI-Ökosystemstrategie und einer aus Sicht der Wertpapierfirma starken operativen Umsetzung. Tencent dürfte demnach von seinem Spieleportfolio, seinem Werbegeschäft und seinen wachsenden KI-Fähigkeiten profitieren.
Laut QuestMobile-Daten, die Jefferies zitiert, belegten Tencents WorkBuddy und CodeBuddy den ersten Platz unter den PC-basierten KI-nativen Büroagenten in China. Die Bank erwartet zudem, dass das Weixin-KI-Ökosystem und die Xiaowei-Initiative des Unternehmens die zukünftige Monetarisierung unterstützen – bei gleichzeitig relativ effizienter Kostenstruktur.
Im Spielebereich rechnet Jefferies damit, dass der Umsatz von Evergreen-Titeln und der Portfolio-Strategie profitiert. KI-getriebene Verbesserungen bei Traffic, Engagement und Monetarisierung sollten die Gewinne an Marktanteilen im Werbebereich stützen. Für Tencent hat Jefferies ein Kursziel von HK$750 festgelegt, basierend auf einer Sum-of-the-Parts-Bewertung, die 15% über dem durchschnittlichen Konsens liegt. Die Schätzungen liegen dabei grob im Einklang mit dem Konsens.
Bedeutung für deutsche Anleger
Für deutsche Privatanleger sind die Einschätzungen von Jefferies vor allem deshalb relevant, weil sowohl Alibaba als auch Tencent zu den größten Schwergewichten der asiatischen Technologiebranche zählen. Beide Konzerne sind in den Portfolios international ausgerichteter Fonds häufig vertreten und gelten als zentrale Werte für Anleger, die auf das Wachstum der chinesischen Digitalwirtschaft setzen wollen.
Die Analyse der US-Bank zeigt dabei ein klares Muster: Im Fokus stehen nicht mehr allein klassische E-Commerce- und Werbeumsätze, sondern zunehmend das KI-Geschäft. Die Kombination aus Cloud-Infrastruktur, eigenen Modellen und Anwendungen macht Alibaba nach Einschätzung von Jefferies zu einem zentralen Akteur der chinesischen KI-Story. Bei Tencent wiederum bildet das Weixin-Ökosystem die Grundlage für die künftige Monetarisierung von KI-Diensten.
Ob sich die optimistischen Erwartungen der Bank bestätigen, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die beiden Konzerne ihre KI-Investitionen in messbare Erträge umwandeln können. Die von Jefferies genannten Kursziele liegen jedenfalls erkennbar über den aktuellen Konsensschätzungen – ein Signal für die zuversichtliche Haltung der Analysten gegenüber den beiden chinesischen Internet-Schwergewichten.
