Anthropic vor IPO: Zwei Billionen Dollar Bewertung im Gespräch
Beim geplanten Börsengang des KI-Konzerns Anthropic steht eine Bewertung von zwei Billionen Dollar im Raum. Der Weg dorthin führt über ein mehrstufiges Prüfverfahren.

Beim geplanten Börsengang des KI-Konzerns Anthropic steht eine Bewertung von zwei Billionen Dollar im Gespräch. Das geht aus einem Beitrag im Newsletter BörsenTag der WirtschaftsWoche hervor. Würde diese Marke erreicht, zählte das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude zu den wertvollsten Konzernen der Technologiegeschichte. Ein Börsengang ist jedoch kein kurzfristiger Akt, sondern ein Verfahren mit mehreren festen Schritten.
Bevor ein Unternehmen an die Börse geht, reicht es zunächst Unterlagen bei der zuständigen Aufsichtsbehörde ein. Der Börsenprospekt wird der Öffentlichkeit üblicherweise erst nach umfangreichen Vorarbeiten zugänglich. Die Behörde prüft die eingereichten Dokumente und hakt bei Unklarheiten eventuell nach. Erst danach kann der eigentliche Handel beginnen.
Das öffentliche Interesse an Anthropic ist besonders groß. Nahezu täglich erscheinen neue Berichte über den KI-Konzern und über sogenannte KI-Ausbrüche. Für Anleger entsteht dadurch eine Flut an Meldungen, die sorgfältig eingeordnet werden muss. Der Beitrag der WirtschaftsWoche erscheint im Newsletter BörsenTag, der unter wiwo.de/boersentag bestellt werden kann.
Die Details
Im Zentrum steht die mögliche Bewertung von zwei Billionen Dollar. Diese Zahl beschreibt ein Szenario, nicht einen bereits festgeschriebenen Ausgabepreis. Denn zum Zeitpunkt der Einreichung hieß es, Preis und Anzahl der angebotenen Aktien seien noch nicht festgelegt worden. Zwischen einer ambitionierten Zielmarke und dem tatsächlichen Emissionspreis liegt also ein erheblicher Spielraum.
Der Ablauf eines Börsengangs folgt einem festen Muster. Zuerst reicht das Unternehmen seine Unterlagen ein, danach prüft die Aufsichtsbehörde das Material. Sie kann bei einzelnen Punkten nachhaken und zusätzliche Erläuterungen verlangen. Erst wenn diese Fragen geklärt sind, wird der Prospekt in der Regel öffentlich zugänglich. Anleger erhalten die vollständigen Informationen also nicht sofort, sondern erst am Ende dieses Prozesses.
Beteiligt an der Berichterstattung sind neben Anthropic die WirtschaftsWoche und ihr Newsletter BörsenTag. Der Beitrag trägt den Titel „Anthropic-IPO: Bewertung von zwei Billionen Dollar im Gespräch" und wurde am 29. September 2026 veröffentlicht.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Meldung ist Teil einer längeren Entwicklung. Bereits am 02.06.2026 berichtete aktien.news, dass Anthropic offiziell die Weichen für einen Börsengang in den USA gestellt hat. Das Unternehmen teilte damals mit, die entsprechenden Unterlagen bei den US-Behörden eingereicht zu haben, um noch im selben Jahr einen IPO durchzuführen. Preis und Anzahl der angebotenen Aktien seien noch nicht festgelegt worden. Zum damaligen Zeitpunkt wurde Anthropic von privaten Investoren mit mehr als 965 Milliarden US-Dollar bewertet und lag damit vor dem Rivalen OpenAI, der zuletzt mit 852 Milliarden US-Dollar bewertet wurde.
Am 05.06.2026 folgte der nächste Schritt. Anthropic reichte an einem Montag vertraulich seinen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC ein. Die Notierung galt damals als erster großer Prüfstein dafür, wie viel Anleger bereit sind, für reine „Frontier AI"-Unternehmen zu zahlen. Ende Mai erreichte das Unternehmen eine Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar und meldete eine annualisierte Umsatzrate von 47 Milliarden US-Dollar.
Am 14.09.2026 berichtete aktien.news über einen bemerkenswerten Gegensatz. Der KI-Vorreiter stand vor einem historischen Börsengang, doch ausgerechnet CEO Dario Amodei bremste die Euphorie. Der Mitgründer des Unternehmens hinter dem Sprachmodell Claude forderte eine Verlangsamung der KI-Entwicklung, während sein Unternehmen eine Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar anstrebte. Der Prospekt war im Juni vertraulich bei der US-Börsenaufsicht eingereicht worden, als Handelsplatz wurde die Nasdaq ausgewählt. Branchenbeobachter rechneten damals mit einer Notierung der Aktien bereits im nächsten Monat.
Am 19.09.2026 meldete aktien.news schließlich Zweifel der Investoren. Diese waren skeptisch, ob das Unternehmen sein außergewöhnliches Wachstumstempo halten kann. Konkurrenz durch OpenAI, preissensible Kunden und grundsätzliche Fragen zur Zukunft der Künstlichen Intelligenz überschatteten den geplanten IPO. Die annualisierten Umsätze von Anthropic stiegen im Juli auf 65 Milliarden US-Dollar. Unterstützer prognostizierten, dass sie bis Jahresende 120 Milliarden US-Dollar übersteigen würden, was Anthropic zum am schnellsten wachsenden Unternehmen aller Zeiten machen würde.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem ein Hinweis darauf, dass die Bewertung eines Börsenkandidaten nicht mit dem späteren Aktienkurs gleichzusetzen ist. Die genannten zwei Billionen Dollar sind eine Zielmarke aus der Berichterstattung, kein verbindlicher Preis. Anleger sollten daher zwischen einer im Gespräch befindlichen Bewertung und dem tatsächlichen Emissionspreis unterscheiden.
Hinzu kommt der mehrstufige Prozess. Solange die Aufsichtsbehörde prüft und nachhakt, kann sich der Zeitplan verschieben oder der Prospekt noch angepasst werden. Ein Börsengang ist erst dann abgeschlossen, wenn die Papiere tatsächlich gehandelt werden. Bis dahin bleibt vieles vorläufig.
Die Berichte der vergangenen Monate zeigen zudem, dass die Einschätzungen auseinandergehen. Auf der einen Seite stehen sehr ambitionierte Bewertungen und Umsatzprognosen, auf der anderen Seite Zweifel an der Nachhaltigkeit des Wachstums. Diese Spannung sollten Anleger bei ihrer eigenen Einschätzung berücksichtigen.
Ausblick
Der weitere Verlauf hängt zunächst vom Prüfverfahren ab. Reicht das Unternehmen Unterlagen ein, prüft die Behörde und hakt eventuell nach. Erst danach wird der Prospekt üblicherweise öffentlich zugänglich. Konkrete Termine nennt die aktuelle Meldung nicht.
In der früheren Berichterstattung von aktien.news hieß es, Branchenbeobachter rechneten mit einer Notierung bereits im nächsten Monat, gerechnet vom 14.09.2026. Zudem prognostizierten Unterstützer des Unternehmens, dass die annualisierten Umsätze bis Jahresende 120 Milliarden US-Dollar übersteigen würden. Ob diese Erwartungen eintreten, ist offen.
Kurz erklärt
- Börsenprospekt: Ein Dokument, in dem ein Unternehmen vor dem Börsengang seine Geschäfte, Risiken und Finanzdaten offenlegt.
- Aufsichtsbehörde: Die staatliche Stelle, die die eingereichten Unterlagen prüft und bei Unklarheiten nachfragt.
- Annualisierte Umsatzrate: Eine Kennzahl, die den Umsatz eines kurzen Zeitraums auf ein ganzes Jahr hochrechnet.
- IPO: Die englische Bezeichnung für den erstmaligen Börsengang eines Unternehmens.
