Japans Exporte steigen um 16,8% – Stärkstes Wachstum seit drei Jahren
China-Boom treibt japanische Ausfuhren auf Rekordniveau, während US-Exporte weiter schwächeln.

Japans Exportwirtschaft zeigt sich zu Jahresbeginn 2026 in beeindruckender Verfassung. Im Januar stiegen die Ausfuhren um 16,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das stärkste Wachstum seit November 2022. Damit übertrafen die Exporte die Markterwartungen von 12 Prozent deutlich und legten mehr als dreimal so stark zu wie im Dezember mit 5,1 Prozent.
Besonders bemerkenswert ist der sprunghafte Anstieg der Lieferungen nach China, Japans wichtigstem Handelspartner. Die Exporte ins Reich der Mitte explodierten regelrecht um 32 Prozent, nachdem sie im Dezember noch bei moderaten 5,6 Prozent gelegen hatten. Dies geschieht ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die diplomatischen Beziehungen zwischen Tokio und Peking wegen Äußerungen der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi zu Taiwan angespannt sind.
Ganz anders präsentiert sich die Situation bei den USA, Japans zweitgrößtem Handelspartner. Die Lieferungen in die Vereinigten Staaten gingen um 5 Prozent zurück, eine leichte Verbesserung gegenüber dem Dezember-Minus von 11,1 Prozent. Die Schwäche des nordamerikanischen Marktes wird jedoch durch die außerordentliche Dynamik in anderen Regionen mehr als ausgeglichen.
Asien und Europa als Wachstumstreiber
Die regionale Aufschlüsselung zeigt ein klares Bild: Asien verzeichnete einen Zuwachs von fast 26 Prozent, Westeuropa legte um über 25 Prozent zu. Diese Entwicklung kompensierte den Rückgang von 3,3 Prozent in Nordamerika problemlos. Die Diversifizierung der Exportmärkte erweist sich für Japan als strategischer Vorteil in Zeiten zunehmender Handelsunsicherheiten.
Bei den Warengruppen zeigten sich Nahrungsmittel mit einem Plus von 31,3 Prozent als Spitzenreiter, gefolgt von elektrischen Maschinen inklusive Halbleitern mit 27,3 Prozent und allgemeinen Maschinen mit 14,3 Prozent. Transportausrüstung, die über 20 Prozent zu den Gesamtexporten beiträgt und hauptsächlich Autos und Autoteile umfasst, wuchs dagegen nur um bescheidene 0,8 Prozent. Dieser wichtige Sektor leidet unter dem Druck amerikanischer Zölle.
Finanzmärkte reagieren positiv
Die Börsen in Tokio quittierten die positiven Exportzahlen mit deutlichen Kursgewinnen. Der Leitindex Nikkei 225 stieg um 0,9 Prozent, der breiter gefasste Topix legte sogar 1,26 Prozent zu. Der Yen wertete leicht auf 153,43 je US-Dollar auf, während die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen um einen Basispunkt auf 2,119 Prozent sank.
Die Importe entwickelten sich hingegen schwach und fielen um 2,5 Prozent, obwohl Analysten mit einem Anstieg von 3 Prozent gerechnet hatten. Im Dezember waren sie noch um 5,1 Prozent gestiegen. Das hervorragende Exportwachstum kommt zur rechten Zeit, nachdem Japans Ausfuhren 2025 nur um 3,1 Prozent zugelegt hatten – deutlich weniger als die 6,2 Prozent im Jahr 2024.
Wirtschaft unter Druck
Die japanische Gesamtwirtschaft zeigte sich zuletzt schwach. Im vierten Quartal 2025 wuchs das Bruttoinlandsprodukt nur um magere 0,1 Prozent im Jahresvergleich. Zwar stützte die private Nachfrage, doch die Nettoexporte drückten das Wachstum um 0,8 Prozentpunkte. Für das Gesamtjahr 2025 erreichte das BIP-Wachstum lediglich 1,1 Prozent.
Die japanischen Ausfuhren waren Mitte 2025 aufgrund von Sorgen über US-Zölle zurückgegangen, erholten sich jedoch gegen Jahresende nach der Ankündigung eines Handelsabkommens mit den USA. Dieses senkte die Zölle auf 15 Prozent. Im Rahmen seines Investitionsversprechens von 550 Milliarden Dollar für die USA kündigte Japan am Dienstag Projekte im Wert von 36 Milliarden Dollar an, darunter eine Ölexportanlage in Texas, eine Fabrik für Industriediamanten in Georgia und ein Erdgaskraftwerk in Ohio.
Wirtschaftsminister Ryosei Akazawa äußerte laut dem öffentlich-rechtlichen Sender NHK die Hoffnung, dass die ersten Projekte abgeschlossen sein würden, bevor Premierministerin Takaichi und US-Präsident Trump zusammentreffen. Trump hatte das Treffen kurz vor der Unterhauswahl am 8. Februar angekündigt, bei der Takaichi die regierende Liberaldemokratische Partei zu einem deutlichen Sieg führte.
