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Irlands aufstrebende Weinindustrie: Pioniere trotzen dem Klima

Irland gilt offiziell als Weinbauland – eine Handvoll entschlossener Winzer baut die junge Branche trotz schwieriger Bedingungen aus.

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Irlands aufstrebende Weinindustrie: Pioniere trotzen dem Klima

Wer an irische Getränke denkt, hat meist ein Pint Stout oder einen Whiskey vor Augen. Doch die Europäische Kommission erkennt die Republik Irland offiziell als Weinbauland an. Eine wachsende Zahl von Winzern beweist, dass auf der grünen Insel tatsächlich Wein produziert werden kann – wenn auch unter extremen Bedingungen.

Das bislang größte Weinbauprojekt Irlands entsteht derzeit in der Nähe von Slane im County Meath: rund 36.000 Rebstöcke auf einer Fläche von 30 Hektar. Die für den Weinbau genutzte Fläche wächst im ganzen Land stetig, auch wenn kommerzielle Weingüter nach wie vor eine Seltenheit sind.

Pioniere mit klarer Botschaft

David Llewellyn gehört zu den Urgesteinen der irischen Weinszene. Er begann Ende der 1980er Jahre damit, „ein paar Dutzend verschiedene Reben" zu pflanzen und zu beobachten, „welche potenziell lebensfähig waren". Im Jahr 2002 gründete er das Weingut Lusca im County Dublin und produziert heute zwischen 1.500 und 2.000 Flaschen pro Jahr.

Llewellyn betont, dass irischer Wein für viele Menschen noch immer „eine Kuriosität, eine Neuheit" sei. Die Rebsorten, auf die er „schwöre", sind Rondo (rot) und Madeleine Angevine (weiß). „Es gibt nur sehr wenige Rebsorten, die hier in Irland zuverlässig angebaut werden können", sagt er. Den Vergleich mit dem britischen Weinbau relativiert er deutlich: „Dort ist es weniger marginal als bei uns; wir sind wirklich das Extrem." Klassiker wie Pinot Noir oder Chardonnay seien in Irland schlicht nicht kultivierbar – auch wenn sie dennoch gepflanzt würden.

Llewellyn gibt sein Wissen aktiv weiter und trifft sich regelmäßig mit neuen Winzern. „Jeder kann das erreichen, was ich schaffe, wenn er es richtig macht, die richtigen Sorten am richtigen Standort pflanzt und über die entsprechenden Fähigkeiten und Kenntnisse verfügt", sagt er.

Hybride als Schlüssel zur Zukunft

Weiter südlich, im County Waterford, verfolgt David Dennison einen anderen Ansatz. Er gründete 2009 die Viking Winery mit zunächst 30 Rondo-Reben. Heute bewirtschaftet er dreieinhalb Hektar und produziert 14 verschiedene Sorten – darunter Rot-, Weiß- und Pétillant-Naturel-Schaumweine. Alle sind Hybride: Kreuzungen aus zwei oder mehr verschiedenen Rebsorten.

„Wir glauben, dass Hybride eine große Zukunft haben", sagt Dennison. „Die Aromen, die man aus diesen Weinen gewinnt, sind einfach spektakulär." Sein Weingut ist bio-zertifiziert und kommt ohne Pestizide aus, da Hybride krankheitsresistent und damit besonders gut für das feuchte irische Klima geeignet sind.

Dennison produziert normalerweise 2.500 bis 3.000 Flaschen pro Jahr, rechnet für das laufende Jahr aber mit bis zu 4.500 Flaschen. Das langfristige Ziel liegt bei 15.000 Flaschen jährlich. Als Orientierung schaut er weniger auf die britische Weinszene, sondern auf Schweden und Dänemark – „weil sie genau das tun, was wir meiner Meinung nach auch tun werden".

Die größte saisonale Bedrohung für die Winzer ist der Frühjahrsfrost. „Wir müssen Brenner und Kerzen aufstellen, um den Frost abzuwehren. Wenn wir das nicht tun, verlieren wir die frühe Ernte, wir verlieren die Weißweine", erklärt Dennison. Derzeit gründet er einen irischen Winzerverband mit knapp 30 potenziellen Mitgliedern.

Klimawandel könnte Weinbau begünstigen

Der Klimawandel-Experte Prof. John Sweeney sieht gute Perspektiven für die irische Weinbranche. „Ich bin nicht allzu überrascht, dass wir jetzt Weinberge in Irland haben, und es wird wahrscheinlich noch rentabler werden, wenn unsere Sommertemperaturen weiter steigen", sagt er. Klimamodelle prognostizieren trockenere Sommer in Irland – eine wichtige Voraussetzung für erfolgreichen Weinbau.

Derzeit konzentriert sich der Weinbau vor allem auf die Ostküste, wo relativ gut durchlässige, sandige Böden vorhanden sind. Eine rasche Ausbreitung erwartet Sweeney nicht, schließt aber langfristig auch Teile Nordirlands nicht aus: „Die Gegend um Dundrum und ähnliche Gebiete mit sandigen Böden kämen möglicherweise infrage."

Für David Llewellyn bleibt die größte Gefahr für die Glaubwürdigkeit der jungen Branche die Produktion von dem, was er als „gefälschten irischen Wein" bezeichnet – also Weine, die nicht vollständig aus irischen Trauben bestehen. Zuletzt berichtete die „Irish Times", dass ein Weingut im County Louth von einem Vertriebshändler ausgelistet wurde, weil die Etikettierung nicht offenlegte, dass auch französische Trauben verwendet worden waren. Dennison betont, alle Winzer seien willkommen im neuen Verband – „sofern sie sich an die Regeln halten".

David Dennison fasst die Lage der Branche nüchtern zusammen: „Viele Menschen wissen nicht einmal etwas über die irische Weinindustrie. Sie sind noch nicht damit in Berührung gekommen, aber das werden sie, sobald wir uns besser organisiert haben. Es gibt noch nicht genug davon, das ist das Problem."

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