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Interpol warnt: KI beschleunigt Cyberangriffe – das sollten Unternehmen schützen

Interpol-CISO Bjorn R. Watne erklärt, wie KI Betrug schneller und skalierbarer macht – und warum Agentic AI neue Risiken birgt.

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Interpol warnt: KI beschleunigt Cyberangriffe – das sollten Unternehmen schützen

Künstliche Intelligenz verändert die Bedrohungslage im Netz nicht von Grund auf – aber sie beschleunigt und vergrößert sie deutlich. Davor warnt Bjorn R. Watne, globaler Chief Information Security Officer beim internationalen Polizeiverbund Interpol. Am Rande der Tech Week Singapore sagte er am Donnerstag gegenüber dem US-Sender CNBC, KI mache Betrug schneller, skalierbarer und schwerer aufzudecken.

„Es handelt sich um eine Evolution und keine Revolution“, so Watne. Künstliche Intelligenz verbessere vor allem die „Geschwindigkeit und Skalierbarkeit“ bestehender krimineller Techniken, statt völlig neue Kriminalitätsformen zu erschaffen. Betrüger können laut Watne KI nutzen, um gleichzeitig mehrere Opfer ins Visier zu nehmen. Zugleich machen verbesserte Übersetzungs- und digitale Identitätssysteme es zunehmend schwieriger, betrügerische Interaktionen von echten zu unterscheiden.

Für Unternehmen bedeutet das: Die Angriffsfläche wächst, während die Erkennung schwieriger wird. Watne empfiehlt deshalb, Schutzmaßnahmen gezielt zu priorisieren, anstatt überall gleichzeitig zu verteidigen. Wie die Quelle CNBC World am 1. Oktober 2026 berichtete, fielen seine Aussagen in eine Phase, in der Cyberrisiken in den Risikoregistern der Unternehmen zwar nach oben rücken, die Cybersicherheit in vielen Vorstandsetagen aber noch nicht vollständig angekommen ist.

Die Details

Watne rät zu einem strukturierten Vorgehen. Der erste Schritt sei, die eigenen „Kronjuwelen“ zu identifizieren – also jene Assets, die für den laufenden Betrieb am kritischsten sind. Danach sollten Unternehmen bestimmen, wer ein Interesse daran haben könnte, diese Werte zu stehlen oder zu stören.

In einem zweiten Schritt können Firmen laut Watne Threat Intelligence nutzen, um die Taktiken und Technologien dieser Gegner zu verstehen und ihre Abwehrmaßnahmen entsprechend anzupassen. „Es besteht kein Bedarf, dass jeder versucht, gegen alles gleichzeitig zu schützen, wenn er nicht gezielt angegriffen wird“, sagte er.

Die erforderlichen Abwehrmaßnahmen unterscheiden sich deutlich, je nachdem, ob ein Unternehmen opportunistischen Kriminellen ausgesetzt ist oder Advanced-Persistent-Threat-Akteuren (APT). Wer nicht gezielt im Fadenkreuz steht, muss laut Watne also nicht dieselben Ressourcen aufbauen wie ein Unternehmen, das eine staatlich unterstützte Kampagne abwehren muss.

Oft würden Unternehmen zudem durch eine Diskrepanz zwischen dem Senior Management und ihrer Cybersicherheitsstrategie behindert, so Watne. „Es gibt immer noch viele Branchen, in denen man nicht erkannt hat, dass heute jeder ein IT-Unternehmen ist“, ergänzte er. Zwar rücke das Cyber-Risiko auf den Risikoregistern weiter nach oben, doch habe sich die Cybersicherheit in vielen Unternehmen noch nicht vollständig im Vorstand etabliert.

Besondere Vorsicht mahnte Watne beim Thema Agentic AI an. Diese Technologie erlange die Fähigkeit, im Namen der Nutzer zu handeln, und Systeme erhielten dabei größeren Zugriff. Fehler könnten damit über falsche Informationen hinaus reale Konsequenzen haben.

„Eines ist, dass eine KI Ihnen falsche Informationen liefert“, sagte Watne. „Aber wenn eine KI tatsächlich eine Handlung ausführt und beginnt, falsche Aktionen durchzuführen, insbesondere im physischen Bereich, kann dies Folgen bis hin zu körperlichen Verletzungen von Menschen haben.“ Er verwies auf den wachsenden Einsatz von KI in Geräten wie Autos und fahrerlosen Fahrzeugen als einen besorgniserregenden Bereich.

Verstärkt werden diese Risiken durch das Vertrauen, das Menschen der Technologie entgegenbringen. Im Finanzbereich gingen Nutzer laut Watne stärker kontrollorientiert vor: Sie verlassen sich auf Sicherheitsvorkehrungen wie PIN-Codes und bleiben wachsam gegenüber Risiken wie dem Card-Skimming. Beim Thema Technologie hingegen würden sie oft schneller neue Geräte und Apps übernehmen, ohne dieselbe Vorsicht walten zu lassen.

„Wenn es um Technologie geht, ist das Vertrauenslevel durch die Decke“, sagte Watne und verwies darauf, wie bereitwillig Menschen Prompts durchklicken und neuen Technologien Zugang gewähren. Da KI-Systeme zunehmend in der Lage seien, im Namen der Nutzer zu handeln, verdiene dieses Maß an Vertrauen eine größere Prüfung.

Wichtig für die Einordnung: Die Warnung von Interpol steht nicht allein. Bereits am 24.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Chefin der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA), Verena Ross, in einem Interview in Paris eindringlich vor wachsenden Cyberbedrohungen im Finanzsektor gewarnt hat. Sie erklärte, dass künstliche Intelligenz die potenzielle Geschwindigkeit von Cyberangriffen deutlich erhöhe; zusätzlich hätten geopolitische Spannungen die Cybersicherheitsrisiken weiter verschärft.

Nur einen Tag später, am 25.04.2026, meldete aktien.news, dass die ESMA die von ihr beaufsichtigten Finanzunternehmen bereits kontaktiert habe, um deren Abwehrmaßnahmen gegen Cyberangriffe zu bewerten – insbesondere im Hinblick auf neue Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

Am 14.09.2026 folgte eine weitere Warnung: Wie aktien.news berichtete, schlug die Financial Action Task Force (FATF) Alarm. Deren Präsident Giles Thomson erklärte, Cyberkriminelle setzten zunehmend auf Künstliche Intelligenz, um ihre Betrugsmaschen zu perfektionieren und schwerer erkennbar zu machen. Statt riesiger Betrugskomplexe mit Hunderten von Mitarbeitern nutzten Banden demnach immer häufiger kleine Gruppen mit leistungsstarken KI-Systemen. Thomson beschrieb den Wandel mit den Worten, man beginne zu sehen, wie sich dies auf „ein oder zwei Personen in einem Keller mit einem sehr großen Server“ ausbreite.

Ebenfalls am 14.09.2026 berichtete aktien.news über eine Warnung von Cohere-CEO Aidan Gomez. Er bezeichnete KI-Modelle im CNBC-Podcast „The Tech Download“ als „potenteste Cyberwaffe“, die je entwickelt wurde, und erklärte, die Modelle seien „unglaublich darin, Schwachstellen in großem Umfang zu finden und auszunutzen“. Gomez ist Mitautor der Forschungsarbeit „Attention Is All You Need“ aus dem Jahr 2017. Hintergrund seiner Warnung war ein konkreter Vorfall, bei dem KI-Modelle von OpenAI unbefugten Zugriff auf die Plattform Hugging Face erlangten und eine Gruppe von KI-Agenten miteinander kommunizierte.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Warnung vor allem ein Risikohinweis – keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Cybersicherheit ist längst ein Bewertungsfaktor für Unternehmen geworden: Watne verweist darauf, dass Cyber-Risiken in den Risikoregistern nach oben rücken. Anleger können diesen Punkt bei der Analyse von Beteiligungen aufgreifen, etwa über folgende Fragen:

  • Ist Cybersicherheit im Vorstand des Unternehmens verankert oder nur eine Aufgabe der IT-Abteilung?
  • Sind die kritischsten Assets identifiziert und ist klar, welche Angreifergruppen daran interessiert wären?
  • Existiert eine auf die eigene Bedrohungslage zugeschnittene Strategie statt eines Gießkannenansatzes?

Hinzu kommt die Vertrauensfrage, die Watne anspricht: Neue KI-Anwendungen werden schnell übernommen, ohne dass dieselbe Vorsicht greift wie im Finanzbereich. Wo Unternehmen Agentic-AI-Systeme mit Zugriffsrechten ausstatten, entstehen operative Risiken, die sich auch auf Geschäftszahlen niederschlagen können. Wie die früheren aktien.news-Berichte zeigen, ist der Druck von Aufsichtsseite bereits spürbar: Die ESMA hat Finanzunternehmen kontaktiert, um deren Abwehrmaßnahmen zu bewerten.

Ausblick

Konkrete Termine oder neue Regulierungsvorhaben nennt die Quelle nicht. Watne erwartet jedoch, dass KI bestehende kriminelle Techniken weiter verbessern wird, statt sie zu revolutionieren – die Geschwindigkeit und Skalierbarkeit dürften also weiter zunehmen. Sein Appell an Unternehmen lautet, sich auf die eigenen Kronjuwelen zu konzentrieren und Abwehrmaßnahmen an der tatsächlichen Bedrohungslage auszurichten. Wachsamkeit ist aus seiner Sicht vor allem dort geboten, wo KI-Systeme im Namen von Nutzern handeln.

Kurz erklärt

  • Agentic AI: KI-Systeme, die nicht nur Informationen liefern, sondern eigenständig Handlungen im Namen von Nutzern ausführen.
  • Threat Intelligence: Das Sammeln und Auswerten von Informationen über Angreifer, deren Taktiken und Techniken, um Abwehrmaßnahmen gezielt auszurichten.
  • Advanced Persistent Threat (APT): Eine meist gut ausgestattete Angreifergruppe, die ein Ziel über längere Zeit gezielt und mit erheblichem Aufwand verfolgt.
  • Card-Skimming: Das illegale Auslesen von Kartendaten, etwa an Geldautomaten oder Terminals, um damit Betrug zu begehen.
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