Inflationsrückgang im Euro-Raum
Ökonomen prognostizieren mögliche Zinssenkungen bis Mitte 2024

Die Inflationsrate im Währungsgebiet des Euro hat sich im Oktober merklich abgeschwächt. Laut einer vorläufigen Einschätzung des europäischen Statistikamtes stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 2,9 Prozent. Dies markiert den niedrigsten Stand seit über einem Jahr und liegt unter den Erwartungen von Analysten, die einen Rückgang auf 3,1 Prozent prognostiziert hatten. Im Vormonat lag die Inflation noch bei 4,3 Prozent.
Besonders auffällig ist der Rückgang der Energiepreise, die im Oktober um 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr sanken. Im Gegensatz dazu stiegen die Kosten für Lebensmittel, Alkohol und Tabak um 7,5 Prozent. Industriegüter ohne Energie verteuerten sich um 3,5 Prozent, während Dienstleistungen um 4,6 Prozent teurer wurden.
Die aktuelle Inflationsrate liegt zwar noch über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent, doch die deutliche Abschwächung könnte auf eine erfolgreiche Eindämmung des Preisdrucks durch die Geldpolitik der EZB hindeuten. Im vergangenen Jahr hatte die Inflationsrate im Oktober noch bei 10,6 Prozent gelegen.
Experten erwarten nun, dass die EZB ihre restriktive Geldpolitik lockern könnte. Einige Ökonomen prognostizieren sogar eine mögliche Zinssenkung bis Mitte 2024. Die EZB selbst hat jedoch eine schnelle Zinssenkung ausgeschlossen und betont, dass zukünftige Entscheidungen von der weiteren Entwicklung der Wirtschaftsdaten abhängen werden.
Die letzte Zinserhöhung der EZB fand im Sommer statt, und bei der letzten Sitzung wurde eine Zinspause eingelegt. Der Leitzins blieb bei 4,5 Prozent, der höchste Stand seit der Gründung der Währungsunion. Die nächste Entscheidung über die Zinspolitik wird am 14. Dezember erwartet.
In Italien mahnte der scheidende Notenbankchef Ignazio Visco zur Vorsicht. Er betonte, dass die EZB die Zinsen für eine angemessene Zeit auf dem aktuellen Niveau halten sollte, um die Wirtschaft nicht zu belasten. Sein Nachfolger wird Fabio Panetta, der vorzeitig aus dem Direktorium der EZB ausscheidet, um die Führung der italienischen Notenbank zu übernehmen.
