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Indiens BIP-Wachstum verlangsamt sich auf 7,2 Prozent im Quartal

Schwächere Auslandsnachfrage und gedämpfte Industrieaktivität bremsen Indiens Wirtschaft – trotz starker Staatsausgaben und robustem Agrarsektor.

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Indiens BIP-Wachstum verlangsamt sich auf 7,2 Prozent im Quartal

Indiens Wirtschaft hat im ersten Quartal 2026 an Fahrt verloren. Laut einer Reuters-Umfrage unter 45 Ökonomen wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Zeitraum Januar bis März voraussichtlich um 7,2% im Jahresvergleich. Das ist eine spürbare Verlangsamung gegenüber dem Vorquartal, in dem die Wirtschaft noch um 7,8% expandierte – ein Wert, der damals die Erwartungen übertraf. Die Umfrage wurde zwischen dem 22. Mai und dem 1. Juni unter Ökonomen durchgeführt, die Schätzungen reichten von 6,1% bis 7,7%.

Als Hauptbremsfaktoren gelten eine nachlassende Auslandsnachfrage sowie eine schwächere Industrieaktivität. Gleichzeitig stützten kräftige Staatsausgaben und ein robustes Agrarwachstum die Konjunktur und verhinderten eine stärkere Abschwächung. Indien bleibt damit weiterhin die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft der Welt – trotz eines zunehmend schwierigen globalen Umfelds.

Externe Schocks belasten die Wirtschaft

Mehrere externe Faktoren haben Indiens Wachstumsdynamik zuletzt unter Druck gesetzt. Höhere US-Zölle auf indische Waren sowie der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran, der die Rohölpreise kräftig in die Höhe trieb, zählen zu den wichtigsten Belastungsfaktoren. Dennoch konnte keiner dieser Schocks Indiens Wachstumsposition bislang grundlegend erschüttern.

Die globale Unsicherheit belastet jedoch die ohnehin schwachen Privatinvestitionen – ein Problem, das Ökonomen als strukturelle Schwachstelle Indiens betrachten. Privatinvestitionen gelten als entscheidend, um gut bezahlte Arbeitsplätze für die Millionen von Menschen zu schaffen, die jedes Jahr neu auf den indischen Arbeitsmarkt drängen. Bleibt diese Komponente schwach, fällt ein größerer Teil der Wachstumslast auf die staatlichen Investitionsausgaben.

Dhiraj Nim, Ökonom bei ANZ, beschreibt die aktuelle Lage treffend: „Die zugrunde liegenden Faktoren deuten auf einen Übergang von einer breit angelegten Expansion zu einem ungleichmäßigeren Wachstumsprofil hin. Die Staatsausgaben dürften ein gesundes Wachstumstempo beibehalten haben, während die Auslandsnachfrage angesichts globaler Störungen nachließ." Er ergänzt, dass geringere Fertigungsvolumina, schwächere Exporte und Margendruck die Industrieproduktion belastet hätten, während die Landwirtschaft für einen moderaten Ausgleich gesorgt habe.

Dienstleistungssektor als Stütze, Industrie als Schwachpunkt

Sajjid Chinoy, Chefökonom für Indien bei J.P. Morgan, teilt diese Einschätzung weitgehend. „Es wird erwartet, dass das Wachstum im Dienstleistungssektor stark bleibt, unterstützt durch eine anhaltende Beschleunigung des Kreditwachstums und höhere Einnahmen aus der GST (Waren- und Dienstleistungssteuer). Im Gegensatz dazu dürfte das Wachstum im verarbeitenden Gewerbe eher verhalten ausfallen", so Chinoy. Er warnte zudem, dass die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten ab dem zweiten Quartal voraussichtlich deutlicher sichtbar werden dürften.

Neben dem BIP wird auch die Bruttowertschöpfung (GVA) – ein Maß für die Wirtschaftsleistung ohne Steuern und Subventionen – genau beobachtet. Laut einer kleineren Stichprobe von Prognostikern expandierte die GVA im Berichtszeitraum schätzungsweise um 7,3%. Die offiziellen Daten werden am Freitag, den 5. Juni um 10:30 Uhr GMT veröffentlicht.

Es ist zudem wichtig zu wissen, dass diese Zahlen die zweiten Quartalsdaten im Rahmen der revidierten Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Indiens darstellen. Die indische Regierung hatte im Februar das Basisjahr für die BIP-Berechnung von 2011/12 auf 2022/23 umgestellt und Teile der Schätzungsmethodik aktualisiert – was die Vergleichbarkeit mit früheren Daten einschränkt.

Mittelfristiger Ausblick und Geldpolitik im Fokus

Der vorsichtige Ausblick spiegelt sich auch in den mittelfristigen Prognosen der Ökonomen wider. Für das laufende Quartal wird eine weitere Verlangsamung auf 6,5% erwartet. Im gesamten laufenden Geschäftsjahr soll das BIP-Wachstum durchschnittlich 6,7% betragen, bevor es im nächsten Jahr wieder auf 6,9% ansteigt.

Neben den BIP-Daten richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auch auf die geldpolitische Entscheidung der Reserve Bank of India (RBI), die ebenfalls am Freitag erwartet wird. Fast 80% der befragten Ökonomen gehen davon aus, dass die Zentralbank den Leitzins unverändert bei 5,25% belassen wird. Die Mehrheit prognostiziert jedoch mindestens eine Zinserhöhung bis Ende 2026 – ein Signal, dass die RBI die Inflationsrisiken weiterhin im Blick behält.

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