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Fed und BoE halten an abwartender Geldpolitik fest

Auf einer Wirtschaftskonferenz in Reykjavik signalisierten Vertreter der Fed und der Bank of England wenig Bereitschaft zu baldigen Zinsänderungen.

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Fed und BoE halten an abwartender Geldpolitik fest

Führende Notenbanker der US-amerikanischen Federal Reserve und der Bank of England (BoE) haben auf einer Wirtschaftskonferenz in Reykjavik ihre abwartende Haltung in der Geldpolitik bekräftigt. Die Veranstaltung fand am Donnerstag und Freitag statt und bot Entscheidungsträgern beider Zentralbanken eine Plattform für Grundsatzreden. BoE-Gouverneur Andrew Bailey gab zudem der Financial Times ein Interview.

Die zentralen Aussagen der Konferenz unterstreichen, dass weder die Fed noch die BoE derzeit eine baldige Änderung ihrer Zinspolitik anstreben. Stattdessen dominiert das Prinzip des Beobachtens und Abwartens – angesichts anhaltender Unsicherheiten rund um Inflation, Geopolitik und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Iran.

KI und Geldpolitik: Uneinigkeit unter Fed-Vertretern

Ein zentrales Thema der Konferenz war die Frage, ob der technologische Fortschritt durch Künstliche Intelligenz (KI) geldpolitische Konsequenzen haben sollte. John Williams, Präsident der New Yorker Fed, und Alberto Musalem, Präsident der St. Louis Fed, waren sich zwar einig, dass KI langfristig eine bedeutende Basistechnologie mit potenziell großen positiven Auswirkungen auf die Produktivität darstellt – über die geldpolitischen Schlussfolgerungen gingen ihre Meinungen jedoch auseinander.

Williams hielt es für verfrüht zu beurteilen, ob KI bereits zum Produktivitätswachstum in den USA nach der Pandemie beiträgt. Er argumentierte jedoch, dass ein stärkeres langfristiges Produktivitätswachstum einen höheren neutralen Zinssatz erfordere, es aber kurzfristig einen „disinflationären Impuls für die Wirtschaft" geben könne. Als Geldpolitiker müsse man dies „ganzheitlich betrachten", so Williams.

Musalem zeigte sich deutlich skeptischer gegenüber dem Argument, KI könne Zinssenkungen rechtfertigen. Er warnte, dass KI sowohl inflationäre als auch disinflationäre Effekte haben könne – denn die Erwartung höherer Produktivität könnte Ausgaben, Investitionen und Nachfrage ankurbeln und so Inflation erzeugen, die über die angebotsseitigen Effekte hinausgeht. Auch dem Argument von Fed-Gouverneurin Michelle Bowman, niedrigere Zinsen könnten Investitionen in KI-Technologie fördern, begegnete Musalem mit Skepsis: „Ich bin ein Optimist in Bezug auf KI und Produktivität. Aber das Urteil über das aggregierte Produktivitätswachstum heute und in der Zukunft steht noch aus [...] Vorsicht scheint geboten."

Fed-Mitglieder wiederholen frühere Positionen

Auf die Frage nach dem aktuellen Zinspfad wiederholten sowohl Williams als auch Musalem nahezu wortwörtlich ihre Aussagen der vergangenen Wochen. Williams betonte, die Fed sei „gut aufgestellt", um mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Iran und dessen potenziellen Folgen für Inflation und US-Wirtschaft umzugehen – eine Einschätzung, die er bereits im April geäußert hatte.

Musalem, der eine eher restriktive Haltung einnimmt, aber in diesem Jahr nicht stimmberechtigt ist, bekräftigte ebenfalls eine frühere Aussage: „Derzeit bin ich der Meinung, dass sich die Risiken eher in Richtung Inflation als in Richtung Arbeitsmarkt verschoben haben." Er fügte hinzu, dass ihn fehlende Disinflation in den nächsten ein bis zwei Quartalen beunruhigen würde – ohne jedoch eine Zinserhöhung in Aussicht zu stellen.

Bowman signalisierte ihrerseits eine abwartende Haltung. Sie begrüße es, die Formulierung aus der Erklärung nach der März-Sitzung über zusätzliche Anpassungen des Leitzinses beizubehalten, warnte jedoch: „Je hartnäckiger die höheren Ölpreise sind [...], desto wahrscheinlicher ist es, dass ich eine Änderung meines Ansatzes bei der Bewertung der Risikobilanz in Betracht ziehen werde."

Bailey warnt vor Fiskalrisiken in Großbritannien

BoE-Gouverneur Andrew Bailey richtete seinen Fokus im FT-Interview auf die Lage in Großbritannien. Er warnte, dass selbst ein Waffenstillstand am Golf die Unsicherheit nicht beseitigen würde, welche die Inflation antreibt und weitere Zinssenkungen verhindert. In einer Zeit politischen Wandels in Großbritannien bekräftigte Bailey die Bedeutung der Fiskalregeln.

Bailey verwies darauf, dass die Renditen nach dem Haushalt im vergangenen Jahr gesunken seien, als Finanzministerin Rachel Reeves den Spielraum gegenüber den Regeln vergrößerte. Auf die Frage, ob ein neuer Premierminister, der die Fiskalregeln lockert, Risiken für die Finanzstabilität schaffen könnte, sprach Bailey eine deutliche Warnung aus: „Ich denke, man kann eine Botschaft aus dem Markt mitnehmen."

Die Aussagen der Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks zeichnen ein klares Bild: Sowohl die Fed als auch die BoE befinden sich in einer Phase des Abwartens. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten, hartnäckiger Inflation und offener Fragen rund um KI und Produktivität dürften kurzfristige Zinssenkungen vorerst vom Tisch sein.

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