Indien will bestmögliches Handelsabkommen mit den USA sichern
Trotz unsicherer Zolllage strebt Neu-Delhi einen maximalen Vorteil gegenüber Wettbewerbern im US-Handelsabkommen an.

Indien verfolgt das Ziel, das bestmögliche Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten abzuschließen. Das erklärte Handelsminister Piyush Goyal am Freitag gegenüber dem indischen Sender CNN-News18. Neu-Delhi wolle sich dabei einen klaren Vorteil gegenüber konkurrierenden Ländern sichern.
Goyal hatte zuvor am Donnerstag bei einem Mittagessen in Neu-Delhi mit US-Handelsminister Howard Lutnick über die bilaterale Handels- und Wirtschaftspartnerschaft gesprochen. Das Treffen kam überraschend, da Lutnicks Privatbesuch in Indien nicht öffentlich angekündigt worden war. Trotz der konstruktiven Gespräche lehnte Goyal es ab, einen konkreten Zeitplan für den Abschluss eines Abkommens festzulegen.
Zollchaos bremst Verhandlungen
Der Hintergrund der Verhandlungen ist komplex: Der Oberste Gerichtshof der USA hatte Trumps Notfallzölle für ungültig erklärt und damit die rechtliche Grundlage für umfassende globale Zölle geschwächt. Trump reagierte darauf mit der Ankündigung eines vorübergehenden Zolls von 10 Prozent auf alle Nationen – einschließlich Indien – und kündigte an, diesen auf das gesetzliche Maximum von 15 Prozent anzuheben.
Infolge des Supreme-Court-Urteils hatte Indien die geplante Entsendung einer Handelsdelegation nach Washington in der vergangenen Woche verschoben. Ursprünglich hatten beide Länder geplant, im März eine rechtliche Vereinbarung zu unterzeichnen. Zudem hatten sich Neu-Delhi und Washington auf einen Rahmen geeinigt, der eine Senkung der US-Zölle für Indien von 50 auf 18 Prozent vorsah.
Der zuvor vereinbarte Rahmen beinhaltete auch einen Strafzoll von 25 Prozent auf indische Käufe von russischem Öl, der in den 18-Prozent-Satz eingerechnet werden sollte. Die geopolitische Dimension der Verhandlungen zeigt sich damit deutlich: Washington versucht, über Handelspolitik auch Einfluss auf Indiens Energieeinkäufe aus Russland zu nehmen. Für deutsche Anleger ist die Entwicklung relevant, da eine stärkere US-Indien-Handelsallianz globale Lieferketten und Wettbewerbsbedingungen neu gestalten könnte.
Die internationale Handelslandschaft bleibt angespannt: China fordert die USA auf, Zollmaßnahmen zurückzunehmen, die EU hat ihre Zustimmung zu Handelsvereinbarungen eingefroren, und Indien verschiebt Gespräche. Goyal betonte dennoch, dass Indien die bestmöglichen Chancen in einem Abkommen mit Washington nutzen wolle – wann immer die Bedingungen dies erlauben.
