IEA senkt Ölbedarfsprognose für 2026: Dieselkrise und Nahost-Krieg stören Märkte
Die IEA korrigiert ihre Ölnachfrageprognose für 2026 nach unten – der stärkste Rückgang seit Jahren, getrieben von Dieselknappheit und Nahost-Krieg.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für die globale Ölnachfrage im laufenden Jahr nach unten korrigiert. Als Grund nannte die Agentur die Folgen des Krieges im Nahen Osten, darunter eingeschränkte Kraftstofflieferungen, explodierende Preise und eine schwächelnde Wirtschaftsaussicht. Diese Faktoren treiben den stärksten Rückgang der Nachfrage seit Jahren voran.
Konkret erwartet die IEA, dass die weltweite Ölnachfrage im vierten Quartal um 2,5 Millionen Barrel pro Tag gegenüber dem Vorjahreszeitraum sinken wird. Für das Gesamtjahr 2026 projiziert die Agentur nun einen Rückgang von 2,6 Millionen Barrel pro Tag. Damit fällt die Schätzung pessimistischer aus als noch im Vormonat, als die IEA eine Reduktion von 2,5 Millionen Barrel pro Tag erwartet hatte.
Als Ursachen für die Revision führt die Agentur die Störungen durch den Iran-Krieg und die stark gestiegenen Preise an. Allein der Dieselanteil macht ein Viertel dieses Rückgangs aus. Ein teilweiser Anstieg um 2 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2027 würde laut IEA bedeuten, dass der globale Ölverbrauch weiterhin um 620.000 Barrel pro Tag beziehungsweise 0,6 Prozent unter dem Niveau von 2025 liegen würde.
Die Details
Auf der Angebotsseite stieg die globale Förderung im September um 2,5 Millionen Barrel pro Tag auf 102,3 Millionen Barrel pro Tag. Angetrieben wurde dieser Zuwachs durch Produzenten im Golf. Saudi-Arabien und andere Mitglieder von OPEC+ führten die Zuwächse mit insgesamt 2,1 Millionen Barrel pro Tag an. Für das gesamte Jahr erwartet die IEA nun, dass das Angebot um 5,8 Millionen Barrel pro Tag zurückgehen wird – ein etwas stärkerer Rückgang als die im vorherigen Bericht prognostizierten 5,7 Millionen Barrel pro Tag. Im Jahr 2027 soll das Angebot dann wieder um 7,7 Millionen Barrel pro Tag steigen.
Die russische Förderung legte von August auf September leicht um 65.000 Barrel pro Tag auf 8,43 Millionen Barrel pro Tag zu. Sie liegt damit aber immer noch um 870.000 Barrel pro Tag unter dem Niveau des Vorjahres. Die Agentur geht nun davon aus, dass das weltweite Ölangebot im Jahr 2026 um 1,73 Millionen Barrel pro Tag unter der Nachfrage liegen wird. Das ist marginal weniger als das im Vormonat projizierte Defizit von 1,74 Millionen Barrel pro Tag.
Als Folge der Versorgungsunterbrechungen sind die Preise stark angestiegen. Der North Sea Dated Rohölpreis sprang im September um 26,17 US-Dollar pro Barrel auf 116,89 US-Dollar und notierte zum Zeitpunkt der Redaktion bei rund 134 US-Dollar – ein Anstieg von 43 Prozent seit Beginn des Septembers. Brent-Futures stiegen im selben Zeitraum um 13 Prozent und liegen bei etwa 107 US-Dollar. Die IEA verwies auf die Bombardierung der saudischen East-West-Pipeline am 11. September sowie einen starken Anstieg der Frachtraten als Haupttreiber der Rallye.
Die Dieselmärkte bleiben unter dem größten Druck. Die globalen Exporte gingen im September um 700.000 Barrel pro Tag gegenüber dem Vorjahr zurück, da die Verluste aus Russland und dem Nahen Osten die Gewinne andernorts übertrafen. Die Großhandelspreise für Diesel erreichten im September in Europa und den USA Allzeithochs von nahezu 220 US-Dollar pro Barrel – fast das Doppelte der Rohölpreise. Die IEA erklärte, dass die eingeschränkte Versorgung mit mittleren Destillaten „wahrscheinlich bis weit ins Jahr 2027 hinein anhalten“ werde und Dieselengpässe auch in diesem Jahr fortbestehen könnten.
Die jüngste Lockerung der Exportbeschränkungen für Diesel durch Russland werde das globale Gasoil-Gleichgewicht wahrscheinlich nicht wesentlich verändern, fügte die Agentur hinzu. Die Einschränkungen seien auf begrenzte russische Raffineriekapazitäten und nicht auf die Exportpolitik zurückzuführen. Die globalen Ölreserven gingen im September um 10 Millionen Barrel zurück, sodass die Lagerbestände um 509 Millionen Barrel unter dem Niveau vor dem Krieg lagen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Korrektur ist Teil einer Reihe von Anpassungen, mit denen die IEA in diesem Jahr auf die Lage im Nahen Osten reagiert. Bereits am 21.01.2026 berichtete aktien.news, dass die IEA ihre Erwartungen für den globalen Ölmarkt im Jahr 2026 zunächst nach oben korrigiert hatte: Die Prognose für das weltweite Ölnachfragewachstum wurde von 860.000 auf 930.000 Barrel pro Tag angehoben, die Projektion für das Angebotswachstum leicht von 2,4 auf 2,5 Millionen Barrel pro Tag. Damals rechnete die IEA noch mit einem erheblichen Überangebot von 3,69 Millionen Barrel pro Tag.
Am 17.06.2026 berichtete aktien.news gleich zweifach über eine deutliche Kehrtwende. Zum einen senkte die IEA ihre Nachfrageprognose für 2026 wegen einer Versorgungskrise am Persischen Golf auf einen Rückgang von 1,1 Millionen Barrel pro Tag – zuvor hatte sie lediglich 420.000 Barrel pro Tag erwartet, eine Differenz von rund 680.000 Barrel pro Tag. Im Zentrum der Krise stand die Straße von Hormus. Zum anderen warnte die Agentur, dass eine Erholung des Angebots nach einer Konfliktlösung im Jahr 2027 zu einer massiven Ölschwemme führen könnte; die Nachfrageprognose wurde damals um 700.000 Barrel pro Tag gegenüber dem Vormonat gesenkt.
Am 12.08.2026 meldete aktien.news, dass die IEA ihre Prognose für das weltweite Ölangebot im Jahr 2026 erneut nach unten korrigierte. Der Bericht sagte einen Rückgang des globalen Angebots um 4,3 Millionen Barrel pro Tag voraus, was rund 4 Prozent entspricht – pessimistischer als der Juli-Bericht mit 3,7 Millionen Barrel pro Tag. Das Gesamtangebot lag damit bei 102,02 Millionen Barrel pro Tag, der bis dahin niedrigsten Prognose der Agentur für dieses Jahr. Als Hauptgrund nannte die IEA die seit Juli erneut aufgeflammten Feindseligkeiten im Nahen Osten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die Zahlen vor allem ein Signal für anhaltende Unsicherheit an den Energiemärkten. Die IEA beschreibt eine ungewöhnliche Konstellation: Während die Nachfrage kriegsbedingt einbricht, bleiben die Preise wegen der Versorgungsunterbrechungen hoch. Besonders ausgeprägt ist das bei Diesel, dessen Großhandelspreise in Europa und den USA nahezu das Doppelte der Rohölpreise erreichen.
Die IEA warnt ausdrücklich: „Die erneuten Angriffe im Golf lassen die Erholung fragil erscheinen.“ Die jüngste Eskalation gefährde die Erholung der Exporte aus dem Nahen Osten im September. Für Anleger bedeutet das, dass sich die Lage an den Ölmärkten kurzfristig weiterhin schnell ändern kann – sowohl bei Rohöl als auch bei raffinierten Produkten. Wer in energieabhängige Branchen investiert, sollte die Meldungen zu Förderung, Lagerbeständen und Frachtraten eng verfolgen.
Ausblick
Die IEA sagte voraus, dass die Märkte „in den kommenden Monaten weitere Turbulenzen erleben könnten“, falls keine Lösung für die Konflikte im Nahen Osten gefunden wird. Ein Überschuss dürfte wahrscheinlich erst vor 2027 entstehen. Für 2027 erwartet die Agentur zudem, dass das Angebot wieder um 7,7 Millionen Barrel pro Tag steigt, während die Nachfrage nur teilweise um 2 Millionen Barrel pro Tag zulegt. Der globale Ölverbrauch würde damit weiterhin unter dem Niveau von 2025 liegen.
Kurz erklärt
- Barrel: Eine Mengeneinheit für Rohöl; ein Barrel entspricht der international üblichen Standardgröße für Ölgeschäfte.
- Mittlere Destillate: Raffinerieprodukte wie Diesel und Heizöl, die im mittleren Siedebereich des Rohöls entstehen.
- OPEC+: Ein Verbund aus der OPEC und weiteren Förderländern, die ihre Produktionsmengen gemeinsam abstimmen.
