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H&M-Gründerfamilie Persson baut Anteil aus – Rückzug von der Börse?

Die Milliardärsfamilie hinter H&M erhöht ihren Anteil – Spekulationen um einen Börsenrückzug nehmen zu.

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H&M-Gründerfamilie Persson baut Anteil aus – Rückzug von der Börse?

Die Gründerfamilie des schwedischen Modekonzerns H&M baut ihre Beteiligung an dem Unternehmen weiter aus. Regulierungsmeldungen zufolge hat die Holdinggesellschaft Ramsbury Invest der Familie Persson in diesem Jahr bereits 36,8 Millionen H&M-Aktien erworben. Damit steigt der Anteil der Familie und verbundener Entitäten auf mehr als 68 Prozent – ein deutlicher Anstieg gegenüber 49,5 Prozent zu Beginn des Jahres 2021.

Die Käufe nähren Spekulationen, dass das Fast-Fashion-Unternehmen vom Privatmarkt übernommen werden könnte. Hintergrund ist die anhaltende Schwäche des Aktienkurses und des Umsatzes. CEO Daniel Erver, der im Januar 2024 die Führung übernahm, konnte die Wende bisher nicht einleiten. Der Aktienkurs von H&M hat seit seinem Höchststand im Jahr 2015 mehr als 50 Prozent seines Werts verloren.

Die Details

Die Käufe erfolgen über Ramsbury Invest, die Holdinggesellschaft der Familie Persson. Diese wird im Wesentlichen von Schwedens reichstem Mann Stefan Persson kontrolliert. Stefan Persson ist der Sohn des H&M-Gründers Erling Persson und der Vater des Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Johan Persson. Ende August besaßen die Familie und damit verbundene Entitäten mehr als 68 Prozent der H&M-Aktien.

Nach schwedischem Recht können Aktionäre, die 90 Prozent eines Unternehmens besitzen, den Kauf der restlichen Anteile erzwingen. Dieses Szenario sehen Beobachter als mögliches Ziel der Familie. Sverre Linton, Chief Legal Officer des schwedischen Aktionärsverbands, der kleine Aktionäre vertritt, sagte: „Man kann dies kaum anders deuten, als dass ihre Strategie darin besteht, das Unternehmen schrittweise aus dem Markt zu nehmen. Man könnte es als den langsamsten Buyout Schwedens bezeichnen."

Minderheitsaktionäre würden laut Linton entweder durch einen erfolgreichen Turnaround profitieren, der den H&M-Aktienkurs steigert, oder durch ein „angemessenes" Cash-Angebot der Familie Persson. „Ich glaube, dass viele Aktionäre bereit wären, ein solches Angebot in dieser Phase anzunehmen", so Linton.

Der Deutsche-Bank-Analyst Adam Cochrane erwartet, dass die Familie H&M bis 2025 an den Privatmarkt bringen wird. Eine Sprecherin von Ramsbury Invest lehnte jegliche Kommentare zu Plänen einer Ausgliederung aus dem Börsenhandel ab und erklärte lediglich: „Die Familie Persson glaubt an das Unternehmen, ist langfristiger Eigentümer und hat historisch gesehen ihren Besitzanteil im Laufe der Zeit erhöht."

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 25.06.2026 berichtete aktien.news, dass H&M im zweiten Quartal die Gewinnerwartungen verfehlt hatte. Das Betriebsergebnis für den Dreimonatszeitraum bis Mai belief sich auf 5,91 Milliarden Schwedische Kronen – deutlich unter der durchschnittlichen Analystenschätzung von 6,3 Milliarden Kronen. Besonders besorgniserregend war damals die Umsatzentwicklung: In Lokalwährungen sank der Umsatz um 3 Prozent, während Analysten lediglich eine Stagnation erwartet hatten.

Am 03.03.2026 berichtete aktien.news zudem über eine dramatische Spaltung im britischen Bekleidungsmarkt. Während der Konkurrent NEXT seine Vollpreis-Umsätze um beeindruckende 18,8 Prozent steigern konnte, verloren H&M und Zara stark an Boden. Der Marktanteil von NEXT wuchs um 140 Basispunkte auf 11,8 Prozent – der stärkste Marktanteilsgewinn unter allen verglichenen Wettbewerbern.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger, die H&M-Aktien halten, ergeben sich aus der aktuellen Entwicklung zwei mögliche Szenarien. Entweder gelingt CEO Daniel Erver doch noch die Wende, und der Aktienkurs erholt sich. Oder die Familie Persson forciert den Rückzug von der Börse und unterbreitet den Minderheitsaktionären ein Barangebot.

Derzeit läuft das operative Geschäft jedoch schwach. Im ersten Quartal sank der Umsatz um 1 Prozent, im zweiten Quartal blieb er flach. Analysten erwarten für das dritte Quartal, das H&M am Donnerstag berichtet, nur ein modestes Wachstum. Der Wettbewerbsdruck bleibt hoch: Ultragünstige Online-Händler wie Shein sowie der Zara-Eigentümer Inditex setzen H&M massiv zu.

Peter Magnusson, Portfolio Manager bei Cicero Fonder in Stockholm, geht ebenfalls davon aus, dass die Perssons H&M an den Privatmarkt bringen werden. „Vielleicht fühlt sich die Familie mit derart viel negativem Feedback aus dem Markt konfrontiert, dass es besser für sie ist, außerhalb des Marktes zu agieren, und dann können sie weitaus längerfristige Strategien verfolgen", sagte Magnusson.

Ausblick

Der nächste wichtige Termin ist der Donnerstag dieser Woche, an dem H&M die Ergebnisse für das dritte Quartal vorlegen wird. Analysten erwarten nur ein modestes Wachstum. Der Deutsche-Bank-Analyst Adam Cochrane rechnet damit, dass die Familie H&M bis 2025 an den Privatmarkt bringen wird. Ob es tatsächlich zu einem Pflichtangebot kommt, hängt davon ab, ob die Familie Persson die Schwelle von 90 Prozent der Anteile erreicht.

Kurz erklärt

  • Fast Fashion: Ein Geschäftsmodell der Bekleidungsindustrie, bei dem Modekollektionen in kurzen Abständen und zu günstigen Preisen angeboten werden, um schnell auf Trends zu reagieren.
  • Buyout: Der Erwerb eines Unternehmens oder von Unternehmensanteilen, häufig mit dem Ziel, das Unternehmen von der Börse zu nehmen und als Privatunternehmen weiterzuführen.
  • Turnaround: Die strategische Neuausrichtung eines Unternehmens mit dem Ziel, von einer Verlust- oder Stagnationsphase zurück zu profitablem Wachstum zu gelangen.
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