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Handelskrieg und Schulden: Brasilien und Aston Martin unter Druck

US-Zölle belasten Brasiliens Wirtschaft, während Aston Martin mit einem milliardenschweren Schuldenstreit kämpft.

• 3 Min
Handelskrieg und Schulden: Brasilien und Aston Martin unter Druck

Die globale Wirtschaft steht im Sommer 2026 unter dem Druck aggressiver Handelspolitik und wachsender Unternehmensschulden. Zwei aktuelle Entwicklungen verdeutlichen diese Doppelbelastung besonders eindrücklich: Brasilien stemmt sich mit einem milliardenschweren Hilfspaket gegen neue US-Zölle, während der Luxusautobauer Aston Martin in einen heftigen Streit mit seinen Gläubigern geraten ist.

Die brasilianische Regierung hat ein Unterstützungspaket in Höhe von 18,5 Milliarden Reais – umgerechnet rund 3,66 Milliarden US-Dollar – angekündigt, um heimische Industrien vor den Folgen neuer US-Zölle zu schützen. Das Paket setzt sich aus 13,5 Milliarden Reais aus dem nationalen Staatshaushalt und 5 Milliarden Reais von der staatlichen Entwicklungsbank BNDES zusammen. Es wartet derzeit noch auf die Zustimmung des brasilianischen Kongresses.

Die USA haben unter Berufung auf den Trade Act von 1974 Zölle in Höhe von 25 Prozent auf brasilianische Schlüsselexporte wie Stahl, Aluminium und Schuhe erhoben. Als Begründung nennt die US-Regierung sogenannte „unfaire Handelspraktiken" – darunter Einschränkungen beim Zugang zum Ethanolmarkt, Probleme bei elektronischen Zahlungsdiensten sowie Umweltbedenken im Zusammenhang mit Entwaldung.

Brasilien drohen weitere Zölle

Brasilien weist die Vorwürfe zurück und verweist auf sein bestehendes Handelsdefizit mit den USA. Handelsminister Marcio Elias Rosa führt aktive Verhandlungen mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer, ohne dass bislang ein konkreter Zeitplan für eine Einigung vorliegt. Zusätzlich droht Brasilien weiterer Druck: Eine US-Untersuchung zu Vorwürfen von Zwangsarbeit sollte am 24. Juli abgeschlossen werden und könnte zusätzliche Zölle von 12,5 Prozent nach sich ziehen – was die Gesamtbelastung auf bestimmte Waren auf bis zu 37,5 Prozent treiben würde. Minister Rosa hat sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen, diese möglichen Strafzölle kumulativ zu den bereits bestehenden Maßnahmen zu erheben.

Das Hilfspaket stellt die dritte Phase eines Regierungsprogramms dar, das bereits im Vorjahr ins Leben gerufen wurde, um die Folgen von Handelsstreitigkeiten abzufedern. Es unterstreicht, wie stark die brasilianische Exportwirtschaft von der US-Handelspolitik abhängig ist und wie weitreichend die Auswirkungen protektionistischer Maßnahmen auf Schwellenländer sein können.

Aston Martin kämpft mit Schulden und Gläubigerstreit

Auf der Unternehmensseite hat der britische Luxusautobauer Aston Martin ein Schuldenfinanzierungspaket über 550 Millionen Pfund mit HPS gesichert, einem privaten Kreditunternehmen im Besitz von BlackRock. Das Paket besteht aus einem Darlehen über 450 Millionen Pfund sowie einer zusätzlichen Kreditlinie von 100 Millionen Pfund für künftige Abrufe. Der Zinssatz liegt bei rund 10 Prozent. Laut Unternehmensangaben stieg die Liquidität durch die Transaktion auf 340 Millionen Pfund – gegenüber 230 Millionen Pfund Ende März.

Finanzvorstand Doug Lafferty bezeichnete den Deal als notwendigen Schritt, um dem Unternehmen „Widerstandsfähigkeit und Flexibilität" für die Umsetzung künftiger Produktpläne zu verschaffen. Doch die Transaktion stößt auf erheblichen Widerstand: Eine Gruppe vorrangiger besicherter Anleihegläubiger – darunter BlackRock und Sculptor Capital Management, die gemeinsam rund 67 Prozent der ausstehenden Anleihen halten – hat sich formell gegen den Deal ausgesprochen.

Zwei Hedgefonds innerhalb dieser Gruppe, Arini Capital Management und Tresidor Investment Management, haben sogar die US-Anwaltskanzlei Quinn Emanuel beauftragt, die Transaktion rechtlich anzufechten. Die Gläubiger argumentieren, dass der Deal bestehende Schuldenbedingungen verletzt, indem bestimmte Unternehmensaktiva in eine neu gegründete Tochtergesellschaft ausgelagert und damit ihrem Zugriff entzogen werden. In einem Brief an den Vorstand bezeichnete die Ad-hoc-Gläubigergruppe das Vorgehen als „außergewöhnlich" und kritisierte, dass das Unternehmen die HPS-Finanzierung durchgesetzt habe, ohne alternative Lösungsvorschläge der bestehenden Gläubiger zu prüfen.

Gemeinsame Verwundbarkeit in einem volatilen Umfeld

Aston Martin kämpft seit Jahren mit strukturellen Problemen: Der Schuldenberg übersteigt 1,5 Milliarden Pfund, und seit dem Vorjahr hat das Unternehmen bereits drei Gewinnwarnungen herausgegeben. Als wesentliche Belastungsfaktoren nennt das Unternehmen explizit die nachlassende Nachfrage in China sowie die Auswirkungen der US-Zölle. Für den laufenden Betrieb ist Aston Martin stark auf seine Großaktionäre Lawrence Stroll, Geely und den saudi-arabischen Staatsfonds PIF angewiesen.

Obwohl die Situation Brasiliens und die Lage von Aston Martin geografisch und operativ kaum unterschiedlicher sein könnten, verbindet beide ein gemeinsames Thema: die erhöhte Anfälligkeit gegenüber handelspolitischen Verschiebungen. Während Brasilien staatliche Mittel einsetzt, um seine Exportindustrien abzuschirmen, kämpft Aston Martin im privaten Sektor um finanzielle Handlungsfähigkeit – gegen den Widerstand seiner eigenen Gläubiger. Beide Szenarien zeigen, wie tiefgreifend die aktuellen Handelsturbulenzen sowohl Volkswirtschaften als auch einzelne Unternehmensbilanzen belasten.

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