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Halberstädter Würstchen: Mitarbeiter gehen bei Insolvenzgeld leer aus

Das Comeback der DDR-Kultmarke ist endgültig gescheitert. Mitarbeiter erhalten keine Gehälter mehr – die Bundesagentur für Arbeit verweigert das Insolvenzgeld.

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Halberstädter Würstchen: Mitarbeiter gehen bei Insolvenzgeld leer aus

Die Hoffnung auf ein großes Comeback war noch nicht lange her: Ende Januar hatte die Traditionsmarke Halberstädter Würstchen eine Kooperation mit dem Münchner Feinkosthaus Käfer angekündigt. Neue Produkte sowie erweiterte Sortimente in den Bereichen Bio und Geflügel sollten dem Unternehmen den Weg aus der Krise ebnen. Doch dieser Plan ist nun endgültig gescheitert.

Der Produktionsbetrieb hinter der Kultmarke, die Halberstädter Konserven GmbH, hat erneut Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Magdeburg bestellte die Juristin Karina Schwarz von der Kanzlei Schwarz Rühmland und Partner zur vorläufigen Insolvenzverwalterin. Sie steht vor einer außerordentlich schwierigen Aufgabe.

Bundesagentur verweigert erneute Zahlung

Das gravierendste Problem betrifft die Belegschaft direkt: Laut Insolvenzverwalterin Schwarz erhielten die Mitarbeiter zuletzt ihr Gehalt für den Monat April. Für Mai und Juni gibt es bislang keine Auszahlungen. Normalerweise übernimmt in solchen Fällen die Bundesagentur für Arbeit die Lohnzahlungen über das sogenannte Insolvenzgeld – doch im Fall der Halberstädter Konserven GmbH verweigert die Behörde diese Leistung.

Die Begründung der Bundesagentur: Es handele sich nicht um ein neues Insolvenzereignis. Damit die Behörde erneut Insolvenzgeld zahlen kann, muss laut den geltenden rechtlichen Vorgaben sichergestellt sein, dass die vorangegangene Zahlungsunfähigkeit zwischenzeitlich tatsächlich beseitigt wurde. Genau das war offenbar nicht der Fall. Das Unternehmen selbst verfüge zudem „über keine Liquidität mehr, die Löhne für Mai und Juni auszuzahlen", so Schwarz gegenüber der WirtschaftsWoche. Die Produktion ruht derzeit vollständig.

Für die rund 150 Mitarbeiter der gesamten Unternehmensgruppe – zu der auch ein Hotelbetrieb gehört – ist die Lage damit dramatisch. Sie sind darauf angewiesen, dass die Insolvenzverwalterin rasch eine Lösung findet.

Zwei Investoren zeigen Interesse – doch Eigentumsfrage bremst

Immerhin gibt es erste Signale aus dem Markt: Schwarz bestätigte, dass zwei Investoren Interesse am Produktionsbetrieb und dem Standort gezeigt haben. Allerdings erschwert eine komplizierte Eigentumssituation eine schnelle Einigung. Die Halberstädter Konserven GmbH ist nämlich nicht Eigentümerin des Anlagevermögens und des Grundstücks. Diese Entscheidungsgewalt liegt bei der Unternehmerfamilie Nitsch.

Die Familie hatte das Unternehmen 1992 nach der Wiedervereinigung von der Treuhandanstalt übernommen – nach der DDR-Zeit, in der der Betrieb in Volkseigentum geführt worden war. 35 Jahre lang leitete die Familie Nitsch das Unternehmen. Im April hatte Prokuristin Silke Erdmann-Nitsch erklärt, man suche für den Produktionsbetrieb samt Marke einen Käufer. „Die Liquidität ist extrem schwierig", so ihr damaliges Statement. Die Finanzierung habe schlicht nicht funktioniert.

Gestiegene Kosten und geplatzte Kapitalspritze als Auslöser

Als Ursachen für die Schieflage nannte die Unternehmensgruppe gestiegene Energie-, Fleisch- und Personalkosten. Den konkreten Auslöser für die erneute Insolvenz bildete offenbar eine zunächst zugesagte Kapitalspritze zur Vorfinanzierung eines Großauftrags, die kurzfristig zurückgezogen wurde. Die dadurch entstandene Finanzierungslücke ließ sich nicht mehr schließen.

Das Unternehmen blickt auf eine mehr als 140-jährige Geschichte zurück. Die Produktpalette umfasst Fleisch- und Wurstkonserven, frische Produkte sowie Suppen und Fertiggerichte. Umsatzzahlen nannte das Unternehmen bislang nicht.

Die vorläufige Insolvenzverwalterin gibt sich vorsichtig optimistisch: „Sollte eine schnelle Einigung mit der Unternehmerfamilie und einem der Investoren getroffen werden, könnte in absehbarer Zeit ein vom Investor gestelltes Unternehmen den Produktionsbetrieb wieder aufnehmen." Ob die Traditionsmarke tatsächlich eine Zukunft hat, bleibt damit vorerst offen.

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