Großbritannien: Fiskalischer Spielraum wächst auf 23,6 Milliarden Pfund
Finanzministerin Rachel Reeves meldet verbesserten Haushaltsspielraum – neue OBR-Prognosen zeigen deutliches Plus gegenüber November.

Großbritannien verfügt über mehr finanziellen Spielraum als bisher angenommen. Finanzministerin Rachel Reeves teilte am Dienstag im britischen Parlament mit, dass die erwarteten Steuereinnahmen im Haushaltsjahr 2029/30 die prognostizierten laufenden Ausgaben um 23,6 Milliarden Pfund (rund 31,4 Milliarden US-Dollar) übersteigen werden.
Damit hat sich der sogenannte fiskalische Spielraum gegenüber dem letzten vollständigen Haushaltsplan im November verbessert. Damals hatte das unabhängige Office for Budget Responsibility (OBR) den Puffer noch auf knapp 22 Milliarden Pfund beziffert. Das OBR ist die britische Haushaltsbehörde, die unabhängig die Staatsfinanzen bewertet – vergleichbar mit dem Sachverständigenrat in Deutschland.
Reeves betonte in ihrer Rede zur Haushaltsaktualisierung, dass die neuen Prognosen sämtliche seit dem letzten Haushalt eingegangenen Ausgabenverpflichtungen bereits einschließen. Damit signalisiert die Regierung, dass die verbesserte Ausgangslage trotz neuer Belastungen Bestand hat.
Geopolitische Risiken trüben den Ausblick
Allerdings gibt es einen wichtigen Vorbehalt: Die OBR-Prognosen wurden erstellt, bevor die Kreditkosten an den Finanzmärkten in dieser Woche merklich anzogen. Ausgelöst wurde dieser Anstieg durch den militärischen Konflikt zwischen den USA und Israel auf der einen sowie dem Iran auf der anderen Seite.
Der Konflikt hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und könnte die Inflation weiter befeuern. Steigende Zinsen und höhere Inflation würden die Haushaltslage Großbritanniens erneut unter Druck setzen und den mühsam erarbeiteten fiskalischen Spielraum wieder schrumpfen lassen.
Für Deutschland und andere europäische Volkswirtschaften ist die britische Haushaltslage ein wichtiges Barometer. Steigende Energiekosten und Inflationsrisiken durch geopolitische Spannungen betreffen den gesamten europäischen Wirtschaftsraum gleichermaßen.
