Griechischer Wein: Roséweine aus Hellas überzeugen internationale Experten
Nach dem Weißwein-Boom erobert Griechenland nun die Roséwein-Welt – mit einheimischen Rebsorten und überraschender Qualität.

Griechenland hat sich in den vergangenen Jahren als ernstzunehmende Weinnation etabliert. Während griechische Weißweine – allen voran das Assyrtiko – längst internationale Anerkennung genießen, rückt nun eine weitere Kategorie in den Fokus: Roséweine. Bei einer großen professionellen Weinverkostung in London präsentierten griechische Erzeuger 22 Rosés unter insgesamt 183 gezeigten Weinen – und überzeugten auf ganzer Linie.
Der Kontrast zu einer parallel stattfindenden Verkostung neuseeländischer Weine war dabei bemerkenswert. Von 112 neuseeländischen „Wines of the Year" war lediglich ein einziger ein Rosé – und dieser galt als ausgesprochen kommerziell und wenig überzeugend. Ein britischer Importeur erklärte, dass der Erntezeitpunkt auf der Südhalbkugel im Februar und März dazu führe, dass Roséweine erst ab September verfügbar seien – ein ungünstiger Zeitpunkt für Einzelhändler der nördlichen Hemisphäre.
Roséwein auf dem Vormarsch
Die Bedeutung von Roséweinen hat weltweit erheblich zugenommen. Rund 10 Prozent aller in den letzten Jahren verkauften Weine waren Rosés. In Frankreich liegt dieser Anteil sogar bei über 30 Prozent – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Jahr 2000, als nur 7 Prozent aller Weine Rosés waren. Dieser Trend begünstigt Erzeuger, die qualitativ hochwertige und lagerfähige Roséweine produzieren.
Nahezu alle griechischen Roséweine bei der Londoner Verkostung qualifizierten sich als seriöse Weine – also solche, die nicht nur als leichter Aperitif, sondern auch als Speisenbegleiter taugen. Die meisten Favoriten basierten auf der Xinomavro-Traube, die oft mit der norditalienischen Nebbiolo verglichen wird. Bemerkenswert: Selbst ein 2023er Rosé von Venetsanos aus Santorini zeigte noch reichlich Entwicklungspotenzial – ein Qualitätsmerkmal, das viele kommerzielle französische Rosés vermissen lassen.
Einheimische Rebsorten als Trumpfkarte
Wer an griechischen Wein denkt, denkt oft an Rotweine. Tatsächlich aber ist nur ein Drittel der in Griechenland angebauten Weintrauben dunkelschalig – Weißweine dominieren die Produktion. Die griechische Weinrevolution, getragen von einer neuen Generation von Erzeugern und einem außergewöhnlich reichen Erbe an einheimischen Rebsorten, hat das Land auf der internationalen Weinkarte neu positioniert.
Sofia Perpera vom griechischen Weinverband brachte die Strategie auf den Punkt: „Das ist unser Trumpf. Jeder kann überall auf der Welt einen Cabernet finden, und das möglicherweise sogar günstiger, da unsere Produktion so gering ist." Die Erzeuger wissen demnach, dass sie sich für die Exportmärkte auf einheimische Trauben konzentrieren müssen. Griechenlands Weinproduktion macht nur 2 Prozent der europäischen und weit unter 1 Prozent der weltweiten Produktion aus.
Die wichtigsten einheimischen Rebsorten Griechenlands sind:
Agiorgitiko
(„Heiliger Georg"): Signatursorte von Nemea auf dem Peloponnes, bringt eine breite Palette an Weinstilen hervor -
Xinomavro
: Charakteristisch für Náoussa in Nord-Zentralgriechenland, liefert sowohl großartige Rosés als auch Rotweine -
Liatiko
: Hauptrebe Kretas, ergibt freundliche, relativ weiche, rubinfarbene Weine -
Mandilaria
: Inselsorte mit kräftiger Säure und Tanninstruktur -
Limniona
: Wiederbelebte ur-griechische Rebsorte mit wachsender Bedeutung
Rotweine mit moderatem Alkohol überraschen
Auch bei den Rotweinen hinterließ die Verkostung einen starken Eindruck. Insgesamt 15 ernsthaft interessante Rotweine wurden identifiziert – viele davon mit relativ moderatem Alkoholgehalt, was für Neulinge überraschend sein mag. Die meisten Favoriten vom Peloponnes basierten auf Agiorgitiko, während die nordgriechischen Favoriten überwiegend auf Xinomavro setzten.
Besonders hervorgehoben wurden die Weine des Weinguts Foundi: Die Abfüllung Foundi Estate 2021 Náoussa sowie der ältere Naoussaia 2019 zählten zu den besten Weinen der gesamten Verkostung. Auch die Palivou Estate Agiorgitiko 2023 aus Nemea beeindruckten – trotz eines Alkoholgehalts von 15 Prozent, dem höchsten der Verkostung. Die Ammos Terra Leona Reserve reift 16 Monate in neuer französischer Eiche und anschließend acht Monate in Amphoren – eine Methode, die in der gesamten Weinwelt zunehmend an Beliebtheit gewinnt.
Deutschland ist wichtigster Exportmarkt
Für deutsche Weinliebhaber ist ein weiterer Fakt besonders interessant: Deutschland ist der wichtigste Exportmarkt für griechischen Wein – noch vor den USA, Kanada und Zypern. Das Vereinigte Königreich folgt erst an fünfter Stelle. In Schweden und Norwegen sind griechische Weine inzwischen so beliebt, dass auf die Londoner Verkostung unmittelbar Folgeveranstaltungen in Stockholm und Oslo folgten.
Die meisten griechischen Erzeuger sind kleine Familienbetriebe, die in einer enormen Vielfalt an Terrains arbeiten – sowohl auf dem Festland als auch auf zahlreichen Inseln, von denen viele ihre eigenen Rebsortenspezialitäten haben. Außenstehende wissen oft nicht, dass weite Teile Griechenlands bis weit in den April hinein schneebedeckt sind – ein Hinweis auf die klimatische Vielfalt, die dem Land seine Weinvielfalt ermöglicht.
