Goldman Sachs sieht Asiens Wachstum von KI, Japan und Indien befeuert
Kevin Sneader verweist auf starke Dynamik in Japan, Indien und China – Nordasien profitiert besonders von KI-Infrastrukturausgaben.

Die Goldman Sachs Group Inc. sieht in Asien eine kräftige Wachstumsdynamik – angetrieben von Japan, Indien und China. Ein wichtiger Motor dahinter sind Ausgaben für Infrastruktur im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI). Das sagte Kevin Sneader, Präsident für den asiatisch-pazifischen Raum (ohne Japan) bei der US-Investmentbank, in einem Interview mit Bloomberg TV. Sneader äußerte sich am 14. Oktober in Neu-Delhi.
Besonders Nordasien hob der Goldman-Manager als Profiteur hervor. Die Region ziehe besonderen Nutzen aus den kumulierten Kapitalausgaben im Zusammenhang mit KI. Damit bestätigt Sneader eine Einschätzung, die sein Haus in den vergangenen Monaten bereits mehrfach vertreten hat – Nordasien gilt bei Goldman Sachs als primärer Wachstumstreiber der Region.
Für Indien lieferte Sneader ein konkretes Beispiel, das der verbreiteten Skepsis gegenüber dem Markt entgegenwirkt. Goldman Sachs hat nach seinen Angaben 42 börsennotierte Unternehmen identifiziert, die indische Börsen mit KI-fördernden Technologien ausstatten. Die gemeinsame Marktleistung dieser Titel habe sich um 60 Prozent verbessert. Das spreche der Erzählung entgegen, Indien sei benachteiligt, weil das Land über kein eigenes großes Sprachmodell verfüge.
Die Details
Kern der Aussage ist die Beobachtung, dass die Dynamik in drei Märkten zugleich sichtbar ist: Japan, Indien und China. In allen drei Ländern trägt laut Sneader ein Teil der Entwicklung direkt oder indirekt mit den Investitionen in KI-Infrastruktur zusammen. Der Manager äußerte sich dazu nicht in einer Studie, sondern im Gespräch mit dem US-Sender Bloomberg TV.
Die Zahl 42 ist dabei der greifbarste Beleg aus dem Interview. So viele börsennotierte Unternehmen habe Goldman Sachs identifiziert, die indische Börsen mit KI-fördernden Technologien ausstatten. Diese Gruppe legte bei der gemeinsamen Marktleistung um 60 Prozent zu – ein Wert, den Sneader als Argument gegen die These vom indischen KI-Nachteil anführt. Indien verfügt nach seiner Darstellung nicht über ein eigenes großes Sprachmodell; genau dieser Punkt werde häufig als Standortnachteil ins Feld geführt.
Der Ort des Gesprächs ist ebenfalls bemerkenswert: Neu-Delhi, 14. Oktober. Dass der für den asiatisch-pazifischen Raum zuständige Goldman-Präsident ausgerechnet in der indischen Hauptstadt über KI-getriebenes Wachstum spricht, unterstreicht die Bedeutung, die die Bank dem Markt beimisst.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 27.01.2026 berichtete aktien.news über einen Asien-Boom: Rekord-Kapitalzuflüsse trieben die Märkte auf neue Höchststände. Damals hieß es, führende Investmentbanken wie JPMorgan und Goldman Sachs meldeten einen regelrechten Boom bei Börsengängen, steigende grenzüberschreitende Kapitalflüsse und eine stark beschleunigte Transaktionsaktivität. Der MSCI AC Asia Pacific Index habe im Jahr 2025 um mehr als 25 Prozent zugelegt und damit die US-Märkte übertroffen; Japans Leitindex Nikkei 225 und Südkoreas Kospi erreichten in diesem Umfeld neue Allzeithochs.
Am 04.06.2026 folgte eine Einschätzung speziell zu Nordostasien. Goldman Sachs bekräftigte seine optimistische Haltung gegenüber nordasiatischen Aktienmärkten, insbesondere Südkorea und Taiwan. Timothy Moe, Chefstratege für asiatisch-pazifische Aktien, sah dort die primären Wachstumstreiber der Region – angetrieben vom globalen KI-Halbleiterzyklus. Zugleich warnten Analysten vor der gefährlichen Enge der Rallye und strukturellen Schwächen der koreanischen Binnenwirtschaft. Der Kospi habe sich im bisherigen Jahresverlauf 2026 im Wert verdoppelt, Goldman Sachs hob sein 12-Monats-Kursziel für den Kospi auf 12.000 Punkte an – ein weiteres Aufwärtspotenzial von rund 35 Prozent.
Am 13.07.2026 rückte Indien in den Fokus: Ausländische Investoren könnten zum wichtigsten Treiber der nächsten Aktienrallye in Indien werden, hieß es unter Verweis auf die deutliche Untergewichtung globaler Fonds am indischen Markt. Verbesserte makroökonomische Rahmenbedingungen und eine geringere Positionierung schafften nach Einschätzung der Investmentbank Raum für neue Kapitalzuflüsse in der zweiten Jahreshälfte 2026. Hintergrund: In nur dreieinhalb Monaten während der ersten Jahreshälfte 2026 hätten ausländische Investoren indische Aktien im Wert von rund 30 Milliarden US-Dollar verkauft; Indien sei dabei als sogenannter Finanzierungsmarkt genutzt worden.
Zuletzt, am 16.08.2026, berichtete aktien.news über eine neue Analysephase von Goldman Sachs zu chinesischen KI-Hardware-Exporteuren. Die Studie identifizierte Unternehmen mit Marktchancen zwischen 12 Milliarden und 212 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2030. Hintergrund sei die wachsende Unsicherheit rund um US-Beschränkungen für High-Tech-Importe aus China; viele chinesische Exporteure wichen deshalb auf alternative Märkte aus und expandierten verstärkt nach Europa und Südostasien.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger liefert das Interview vor allem eine Einordnung der Kräfteverhältnisse innerhalb Asiens. Goldman Sachs verfolgt seit Monaten eine konstruktive Linie gegenüber der Region – und benennt nun drei Säulen, die diese Sicht tragen: Japan als etablierter Markt, China als Standort einer erstarkenden KI-Hardware-Industrie und Indien als Markt, dessen KI-Infrastrukturausgaben bislang unterschätzt werden.
Interessant ist dabei der Perspektivwechsel beim Thema Indien. Häufig wird das Fehlen eines eigenen großen Sprachmodells als Wettbewerbsnachteil interpretiert. Sneader dreht das Argument mit Verweis auf die 42 identifizierten Unternehmen und deren gemeinsame Marktleistung von plus 60 Prozent um: Entscheidend sei nicht, wer das Modell entwickelt, sondern wer die Börsen und die zugrunde liegende Infrastruktur mit KI-fördernder Technologie ausstattet.
Wer in Asien investiert, sollte die im Archivbericht vom 04.06.2026 genannten Risiken dennoch im Blick behalten. Dort warnten Analysten ausdrücklich vor der engen Marktkonzentration der Rallye und strukturellen Schwächen der koreanischen Binnenwirtschaft. Eine breite Streuung über mehrere asiatische Märkte statt einer Konzentration auf einzelne KI-Titel bleibt daher ein naheliegender Ansatz. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich aus den Aussagen nicht ableiten.
Ausblick
Der Quelltext nennt keine konkreten Termine oder Prognosen Sneaders über das Gesagte hinaus. Aus den früheren Berichten ergeben sich jedoch Bezugspunkte: Goldman Sachs hat sein 12-Monats-Kursziel für den südkoreanischen Kospi auf 12.000 Punkte angehoben (Stand 04.06.2026). Für die zweite Jahreshälfte 2026 sah die Bank Raum für neue ausländische Kapitalzuflüsse nach Indien (13.07.2026). Und im August 2026 identifizierte sie bei chinesischen KI-Hardware-Exporteuren Marktchancen zwischen 12 Milliarden und 212 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2030. Diese Punkte dürften auch bei der weiteren Bewertung der Region eine Rolle spielen.
Kurz erklärt
- KI-Infrastruktur: Sammelbegriff für Rechenzentren, Chips und Netzwerktechnik, die für den Betrieb von KI-Anwendungen benötigt werden.
- Großes Sprachmodell: Ein KI-System, das auf sehr großen Textmengen trainiert wurde und Sprache verstehen und erzeugen kann.
- Marktleistung: Die Wertentwicklung einer Aktie oder einer Gruppe von Aktien über einen bestimmten Zeitraum.
