Gold: Notenbanken als Stabilisatoren
Globale Zentralbanken kompensieren Nachfragerückgang

Im dritten Quartal des Jahres verzeichnete der globale Goldmarkt eine leichte Dämpfung der Nachfrage, die um sechs Prozent zurückging. Trotzdem zeigte sich das Edelmetall angesichts des derzeitigen Zinsumfelds widerstandsfähig. Diese Resilienz ist vor allem auf das verstärkte Interesse der Zentralbanken zurückzuführen, die ihre Reserven mit Gold aufstocken.
In Frankfurt beobachtet man eine gemischte Stimmung. Während die US-Notenbank Federal Reserve ihre Zinsen voraussichtlich hoch halten wird, hat auch die Europäische Zentralbank (EZB) kürzlich ihren Leitzins bei 4,5 Prozent belassen. Diese hohen Zinsen wirken sich in der Regel negativ auf die Goldnachfrage aus, da das Edelmetall im Vergleich zu zinstragenden Anlagen an Attraktivität verliert. Trotzdem erlebte der Goldpreis kürzlich einen Aufschwung und stieg zeitweise um fast zehn Prozent auf über 2000 US-Dollar an.
Die Daten des World Gold Council (WGC) zeigen, dass die globale Goldnachfrage zwischen Juli und September stark unter den steigenden Zinsen gelitten hat. Dennoch ist die Nachfrage im Vergleich zum Fünfjahresschnitt um acht Prozent höher. Dies deutet darauf hin, dass Gold seine Position als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten behauptet.
Ein signifikanter Faktor, der den Goldpreis beeinflusst, sind die Bewegungen institutioneller Investoren. Im dritten Quartal verzeichneten die mit physischem Gold besicherten Indexfonds (ETFs) hohe Abflüsse, was Druck auf den Preis ausübte. Die Goldindustrie selbst bleibt vorsichtig und prognostiziert, dass der Goldpreis in den nächsten zwölf Monaten die Marke von 1990 Dollar erreichen könnte, ohne jedoch die 2000-Dollar-Marke nachhaltig zu überwinden.
Die starke Nachfrage der Zentralbanken, insbesondere aus China, Polen, der Türkei und Singapur, hat den Goldpreis gestützt. Diese Notenbanken haben im dritten Quartal insgesamt 337 Tonnen Gold erworben. Experten sehen in diesem Trend eine Abkehr vom US-Dollar, die teilweise durch die US-Sanktionspolitik motiviert ist.
In Deutschland hingegen ist die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen deutlich zurückgegangen. Deutsche Anleger haben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 73 Prozent weniger Gold erworben. Dieser Rückgang wird mit der Vorliebe für Cash-Reserven in unsicheren Zeiten und steigenden Lebenshaltungskosten in Verbindung gebracht.
Goldhändler spüren ebenfalls den Rückgang der Nachfrage. Unternehmen wie Pro Aurum berichten von einem Umsatzrückgang, der allerdings durch den Ankauf von Altgold teilweise abgefedert wird. Langfristig sehen Experten jedoch eine stabile Nachfrage nach Gold, die durch Konsumenten und Zentralbanken gestützt wird, was einen Boden für den Goldpreis bildet und einen Crash verhindern könnte, selbst wenn die Zinsen unerwartet weiter steigen sollten.
