Krisenwährung Gold im Fokus
Preissteigerungen inmitten geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit

Gold, das traditionelle Rückzugsmetall in Krisenzeiten, zeigt einmal mehr seine Resilienz in unsicheren geopolitischen Zeiten. Kürzlich durchbrach der Goldpreis die symbolische 2000-Dollar-Grenze, den höchsten Stand seit Mai dieses Jahres. Dieser signifikante Anstieg folgte auf die Ankündigung von Israels Armee, ihre militärischen Aktionen im Gazastreifen auszudehnen.
Die Expansion der militärischen Aktivitäten wurde von Militärsprecher Daniel Hagari auf der digitalen Plattform X, vormals bekannt als Twitter, angekündigt. In weniger als einer Stunde nach dieser Ankündigung stieg der Goldpreis drastisch. Tatsächlich ist seit den Terrorangriffen der Hamas auf Israel vor etwa drei Wochen der Goldpreis um nahezu zehn Prozent gestiegen. Erstaunlich daran ist, dass diese Preiserhöhung trotz der Tatsache stattfand, dass die Renditen der zehnjährigen US-Anleihen in dieser Zeit über fünf Prozent kletterten. In normalen Umständen dämpfen steigende Zinsen oft die Attraktivität von Gold als Anlage, da es im Gegensatz zu Zinsanlagen keine laufenden Erträge liefert.
Die jüngsten Entwicklungen im Goldmarkt zeigen auch ein erhöhtes Interesse von Investoren, insbesondere in Gold-basierten Indexfonds (ETFs). Beispielsweise erlebte der SPDR Gold Trust GLD, der größte Gold-ETF weltweit, den stärksten täglichen Zufluss seit Beginn des Jahres 2022. Interessant ist hier die Feststellung der UBS-Analysten Wayne Gorden und Dominic Schnider, dass die aktuelle Gold-Rallye fast doppelt so stark ist wie bei früheren geopolitischen Spannungen.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt die eng verflochtene Beziehung zwischen Gold und geopolitischen Spannungen. Zum Beispiel stieg der Goldpreis nach den schrecklichen Anschlägen vom 11. September 2001 innerhalb weniger Tage deutlich an. Während Aktien in diesem Zeitraum fielen, blühte Gold auf, obwohl es in den Monaten nach den Anschlägen wieder einige seiner Gewinne verlor.
Doch Gold ist nicht nur eine einfache Anlageoption. Viele sehen es als sicheren Hafen, besonders in Zeiten geopolitischer oder wirtschaftlicher Unsicherheit. Das ist besonders offensichtlich, wenn man bedenkt, dass sowohl der MSCI World Index als auch Anleihekurse in jüngster Zeit gefallen sind.
Eine bemerkenswerte Bewegung im Goldmarkt ist die jüngste Auflösung von Short-Positionen. Viele Händler, die ursprünglich auf fallende Goldpreise gesetzt hatten, haben nun ihre Positionen umgekehrt. Dies zeigt auch die aktuelle Marktstimmung. Experten wie Barbara Lambrecht von der Commerzbank und Ehsan Khoman von der Bank MUFG geben Hinweise darauf, wie sich der Goldpreis in naher Zukunft entwickeln könnte. Während Lambrecht erwartet, dass Gold weiterhin von einer möglichen Wende in der US-Zinspolitik profitieren könnte, betont Khoman die Bedeutung anhaltender geopolitischer Spannungen und niedrigerer Anleiherenditen für den zukünftigen Goldpreistrend.
