Gold fällt auf 4.038 Dollar: Fed lässt Zinsen unverändert
Die Fed hält die Leitzinsen stabil, doch Händler warten auf neue Inflationsdaten – der Goldpreis gibt deutlich nach.

Die Goldpreise sind am Donnerstag gefallen, nachdem die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Leitzinsen unverändert gelassen hatte, den Märkten aber nur begrenzte Klarheit über ihren nächsten Schritt bot. Damit bleibt die Unsicherheit über weitere geldpolitische Verschärfungen vor Jahresende bestehen, während die Anleger auf neue Inflationsdaten warten.
Um 00:51 Uhr ET (04:51 Uhr GMT) fiel das Goldspotgeschäft um 0,7 Prozent auf 4.038,49 US-Dollar pro Unze. Die US-Gold-Futures gaben um 0,1 Prozent auf 4.049,72 US-Dollar nach. Für das Edelmetall endet damit eine Serie bescheidener Gewinne aus drei aufeinanderfolgenden Handelssitzungen.
Der Rückgang beschränkte sich nicht auf Gold. Auch die übrigen Edelmetalle gerieten unter Druck, während der US-Dollar-Index auf 102,20 stieg.
Die Details
Silber verzeichnete einen Rückgang von 1,4 Prozent auf 53,2295 US-Dollar pro Unze. Platin fiel ebenfalls um 1,4 Prozent auf 1.520,17 US-Dollar. Das Palladium-Spotgeschäft sank um 0,7 Prozent auf 1.009,02 US-Dollar, während Palladium-Futures um 1,1 Prozent auf 1.002,25 US-Dollar verloren.
Im Mittelpunkt stand die Zinsentscheidung des Federal Open Market Committee (FOMC). Das Gremium stimmte mit 10 zu 2 Stimmen für die Beibehaltung des Leitzinses auf dem aktuellen Niveau – eine Entscheidung, die von den Märkten weitgehend erwartet worden war. Für Klarheit sorgte sie jedoch nicht.
Fed-Vorsitzender Kevin Warsh sagte, die Zentralbank könnte ihre geplanten geldpolitischen Beschlüsse ab dem kommenden Herbst von acht auf sechs pro Jahr reduzieren. Händler erwarten weiterhin eine Zinserhöhung im Dezember, da anhaltend hohe Energiepreise die Bemühungen zur Eindämmung der Inflation erschweren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Bewegung ist Teil einer längerfristigen Abwärtsbewegung. Bereits am 20.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Spot-Goldkurs im asiatischen Frühhandel um 0,3 Prozent auf 4.126,84 US-Dollar pro Unze gefallen war, während die US-Gold-Futures für die Lieferung im Dezember um 0,3 Prozent auf 4.146,00 US-Dollar sanken. Damals richteten die Anleger ihren Blick auf die Fed-Sitzung am 27. und 28. Oktober sowie auf die PCE-Daten der kommenden Woche.
Nur einen Tag zuvor, am 19.10.2026, hatte sich ein anderes Bild gezeigt: Der Gold-Spotkurs war um 0,4 Prozent auf 4.180,29 US-Dollar gestiegen, die US-Gold-Futures legten um 0,5 Prozent auf 4.200,92 US-Dollar zu und notierten damit erstmals wieder über der Marke von 4.200 Dollar. Auslöser waren Äußerungen des Fed-Vorsitzenden, die als Signal für eine Pause bei den Zinserhöhungen gelesen wurden. Die gesamte Edelmetallgruppe profitierte: Silber verteuerte sich um 1,3 Prozent auf 57,7300 US-Dollar, Platin kletterte um 1,3 Prozent auf 1.655,53 US-Dollar, der Spot-Preis für Palladium stieg um 1,5 Prozent.
Weiter zurück reicht der Bericht vom 13.08.2026: Damals fiel der Spot-Goldpreis um 0,5 Prozent auf 4.388,64 US-Dollar pro Unze, Gold-Futures gaben um 0,5 Prozent auf 4.446,12 US-Dollar nach. Silber verlor 0,4 Prozent auf 65,08 US-Dollar, Platin gab um 0,6 Prozent auf 1.746,71 US-Dollar nach. Zuvor hatte Gold am Mittwoch noch um bis zu 0,9 Prozent auf rund 4.450 US-Dollar zugelegt – den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten. Auslöser war der US-Verbraucherpreisindex (CPI) für Juli, der im Vergleich zum Vormonat lediglich um 0,1 Prozent zulegte.
Und am 30.07.2026 hatte aktien.news berichtet, dass der Spot-Goldpreis um 0,9 Prozent auf 4.104,21 US-Dollar pro Unze gestiegen war, während Gold-Futures um 1,6 Prozent auf 4.100,50 US-Dollar kletterten. Auslöser waren die Neubewertung der Fed-Kommunikation, ein schwächerer US-Dollar sowie eine erneute Eskalation der Spannungen im Nahen Osten. Die Fed ließ die Leitzinsen unverändert, und Warsh bekräftigte das Engagement der Zentralbank, die Inflation wieder auf das Ziel von 2 Prozent zu senken.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt sich an diesen Zahlen, wie stark der Goldpreis derzeit von der US-Geldpolitik und der Erwartungshaltung der Märkte getrieben wird. Gold bleibt zudem anfällig für breitere Verkäufe an den Aktienmärkten, da Anleger bewerten, ob die hohen Ausgaben für künstliche Intelligenz (KI) die Unternehmenscashflows belasten. Die in der vergangenen Woche durch KI-getriebene Kursverluste ausgelösten Panikverkäufe veranlassten einige Anleger dazu, Gold zu verkaufen, um Verluste anderswo auszugleichen – was dazu beitrug, den Edelmetallpreis auf sein niedrigstes Niveau seit Juli zu drücken.
Im Oktober ist Gold um 2,5 Prozent gefallen und befindet sich auf einem Pfad für einen zweiten monatlichen Rückgang in Folge. Dem steht eine wichtige langfristige Stütze gegenüber: der Kauf durch Zentralbanken. Goldman Sachs schätzt, dass Zentralbanken im August 79 Tonnen Gold ankauften – fast fünfmal das durchschnittliche monatliche Volumen vor 2022. China steuerte 25 Tonnen bei.
Rick Kanda, Managing Director der The Gold Bullion Company, sagte, die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken könnte dazu beitragen, dass Gold im Laufe der Zeit an Wert gewinnt oder zumindest eine feste Preisuntergrenze bietet. Er bemerkte, dass die Käufe der Zentralbanken die Nachfrage neben den Zinssätzen, dem Anlegervertrauen und geopolitischen Unsicherheiten erhöhen. "Dennoch könnte die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken dazu beitragen, die Preise langfristig stabil zu halten", so Kanda.
Ausblick
Die Anleger werden auf den am Donnerstag veröffentlichten September-Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) schauen – die bevorzugte Inflationsmesszahl der Fed. Von diesem Datum erhoffen sich die Marktteilnehmer weitere Hinweise auf die wahrscheinliche Richtung der Zinsen vor Jahresende. Händler erwarten weiterhin eine Zinserhöhung im Dezember. Zusätzlich könnte die Fed ihre geplanten geldpolitischen Beschlüsse ab dem kommenden Herbst von acht auf sechs pro Jahr reduzieren, wie Warsh sagte.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld beschaffen können.
- PCE-Index: Ein Maß für die Preisentwicklung privater Konsumausgaben, das die US-Notenbank als Inflationsindikator heranzieht.
- Gold-Futures: Terminkontrakte, mit denen Marktteilnehmer Gold zu einem vorab vereinbarten Preis zu einem späteren Zeitpunkt handeln.
- Spotpreis: Der Preis für eine sofortige Lieferung eines Rohstoffs oder Edelmetalls.
